Infografik

Wann gehen Bremen und Bremerhaven unter?

Bremen und Bremerhaven versinken in neuer Studie im Meer

Video vom 24. Oktober 2021
Blick auf den Deich in Bremerhaven. Im Hintergrund sind Gebäude zu erkennen.
Bild: Radio Bremen | Sonja Harbers
Bild: Radio Bremen | Sonja Harbers

Die Ergebnisse der neuen Studie der Organisation "Climate Central" machen Angst: Bremen und Bremerhaven verschwinden laut Prognosen im Meer. Eines gibt aber Hoffnung.

Überschwemmte Havenwelten in Bremerhaven, überflutete Wallanlagen in Bremen und auch die Werder Fans werden nasse Füße kriegen: So zeichnet eine neue Studie der US-Organisation "Climate Central" in Zusammenarbeit mit der Princeton-Universität Bremens und Bremerhavens Zukunft. Die Forscher haben mithilfe aktuellster Topographie- und Populationsdaten die Folgen des Meeresspiegelanstiegs für alle Kontinente untersucht.

Selbst wenn die Staaten gar kein CO2 mehr ausstoßen, würde sich die Welt weiter erwärmen. Denn unter anderem bleibt Kohlendioxid lange in der Atmosphäre. Der Meeresspiegel würde dann in den kommenden Jahrhunderten rund zwei Meter steigen, prognostizieren die Autoren der Studie. Wenn sich die Welt um zwei Grad erwärmt, wie es im Pariser Klimaabkommen als obere Grenze festgelegt wurde, könnte der Meeresspiegel sogar um fast fünf Meter steigen. Und wenn die Welt sogar vier Grad wärmer wird, dann könnte der Meeresspiegel sogar rund zehn Meter steigen.

So werden Bremen und Bremerhaven laut Studie überflutet

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Diese Karte von "Climate Central" zeigt die überfluteten Flächen bei einem niedrigen Temperaturanstieg von 1.5°C bis 2100. Hier kann man simulieren, welche Bereiche bei einem weiteren Anstieg des Meeresspiegels untergehen.

Deiche nicht berücksichtigt

Allerdings: Die Studie berücksichtigt keinerlei Schutzmaßnahmen wie Deiche oder Sperrwerke. Der Bremer Klimafolgenforscher und Deichhauptmann des Bremischen Deichverbandes am rechten Weserufer, Michael Schirmer, beruhigt: "Das ganze Gebiet in Bremen und Bremerhaven ist gut geschützt."

Die Deiche in Bremen liegen mindestens sieben Meter über dem Meeresspiegel. Aktuell werden sie auf acht bis achteinhalb Meter erhöht. An der niedersächsischen Küste seien die Deiche wegen der hohen Wellen bei Sturmflut sogar neun bis zehn Meter hoch. Und die Deiche sind laut Schirmer sicher: Seit mehr als 100 Jahren sei keiner gebrochen. Zudem könnten die Deiche laut Schirmer im Prinzip auch noch auf etwa 13 Meter erhöht werden. Jedoch müssten sie dann auch so verbreitert werden, dass an vielen Stellen Häuser weichen müssten. "Bis Ende dieses Jahrhunderts wird das ausreichen", sagt Schirmer. Dann könne es aber ohne Klimaschutzmaßnahmen schon ganz anders aussehen.

So ist ein Deich aufgebaut

Aufbau eines Deiches 100 - 120 m Grasnarbe Treibselräumweg Sand Klei 7 - 8 m Deich-verteidigungs-weg Weg / Straße

Der "Deich-TÜV"

Sechs Personen stehen nebeneinander auf einem Deich.
Hans-Otto Hancken, Dritter von rechts, war mit der Prüfkommission auf dem Deich zwischen Bremen und Bremerhaven unterwegs. Bild: Radio Bremen | Mirjam Benecke

Gerade erst haben Experten den Deich zwischen Bremen und Bremerhaven begutachtet. Zweimal im Jahr überprüfen die Behörden der Landkreise Osterholz und Cuxhaven, ob der Deich einer Sturmflut standhalten würde. Hier besteht der Deich sogar nur aus Klei, hat also keinen Sandkern. Das ist sozusagen "der Mercedes unter den Deichen", erklärt Hans-Otto Hancken, Oberdeichgräfe und ehrenamtlicher Vorsitzender des Deichverbandes Osterstader Marsch. Die wichtigsten Mitarbeiter hier sind aber nicht die zweibeinigen Experten, sagt Hancken. "Die Schafe halten das Gras kurz und das Wichtigste: Mit ihren kleinen Füßen treten sie den Boden immer wieder fest."

Unsere meisten Mitarbeiter sind eigentlich Schafe.

Hans-Otto Hancken, Oberdeichgräfe und ehrenamtlicher Vorsitzender des Deichverbandes Osterstader Marsch

Wann gehen der Bremer Roland oder das Bremerhavener Klimahaus unter?

Die neue Klimastudie macht keine genauen Zeitangaben. "Sie betrachtet nur den finalen Zustand, konkretisiert aber nicht, wann dieser erreicht wird", erklärt Klimaforscher Ingo Sasgen vom Bremerhavener Alfred-Wegener-Institut. "Das Klimahaus steht wahrscheinlich noch in 50 Jahren, aber in 100 Jahren, 300 Jahren, 1.000 Jahren?"

Diese Studie gibt keine Zeitentwicklung abhängig von den Emissionen vor, sondern betrachtet nur den neuen Gleichgewichtszustand, der irgendwann in der Zukunft erreicht wird. Ob, und wenn ja wann, dieser erreicht wird, ist abhängig von komplexen physikalischen Prozessen der Eisschilddynamik und des Klimasystems, dem Emissionspfad und so weiter.

Ingo Sasgen, Klimaforscher, Alfred-Wegener-Institut Bremerhaven

Außerdem muss laut Sasgen berücksichtigt werden, dass "eine Reihe von vereinfachenden Annahmen" getroffen wurden. Die Überflutungskarten etwa basieren auf heutigen topografischen Daten. Durch verschiedene Prozesse, wie beispielsweise Grundwasserentnahme oder Bebauung, heben und senken sich aber Küstenbereiche.

"Wir müssen jetzt handeln"

Eines aber macht die Studie in jedem Fall deutlich: "Wir müssen jetzt mit Klimaschutz die Ursachen bekämpfen", sagt Schirmer. "Ich bin zuversichtlich, dass wir das hier im europäischen Bereich und im US-amerikanischen Bereich abbremsen können." Und auch Sasgen betont: "Es ist wichtig für die Gesellschaften, heute zu realisieren, dass die Nachlaufzeit der Eisverluste extrem lang ist, und dass auch bei stabilisierter Erwärmung der Meeresspiegelanstieg weitergehen wird."

Wie funktioniert ein Deich?

Video vom 18. November 2019
Zu sehen ist ein der Deich in Niederbüren.
Bild: Radio Bremen
Bild: Radio Bremen

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Autorinnen

  • Sonja Harbers Redakteurin und Autorin
  • Marissa Kimmel Webproducer/Webproducerin

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Sonntag aus Bremerhaven, 24. Oktober 2021, 12:40 Uhr