Interview

Extreme Trockenheit wird für Bremen und Bremerhaven ein Problem

Seit Wochen hat es kaum geregnet, Umwelt und Landwirtschaft leiden. Bremerhavens Klimahaus-Meteorologin erkennt einen besorgniserregenden Wetter-Trend.

Ein Trecker wirbelt auf einem trockenen Feld Staub auf.
Staubtrockene Böden: Der ausbleibende Regen setzt den Landwirten auch dieses Frühjahr wieder zu. Bild: DPA | Klaus-Dietmar Gabbert

In der ersten Aprilhälfte gab es laut Deutschem Wetterdienstes deutlich zu wenig Niederschläge – nur 1,5 Liter pro Quadratmeter. Anders gesagt: Das sind nur drei Prozent des üblichen Regens. Und diese Trockenheit wir zusehends problematisch.

In Bremerhaven gibt es viele Baumschäden an Straßen. Um die macht sich Thomas Reinicke, Leiter des Gartenbauamts in Bremerhaven, Sorgen. Er befürchtet, dass sogenanntes Totholz – wie etwa abgestorbene Äste – zur Gefahr werden kann. In über 1.000 Wassersäcke hat das Amt investiert, um Bäume entsprechend zu versorgen. Bereits letztes Jahr musste die Freiwillige Feuerwehr beim Bewässern helfen.

Landwirtschaft und Moore betroffen

Auch Landwirt Eckhart Höhne aus Bremen befürchtet, dass ihm wie schon 2018 bis zu 50 Prozent Ertragseinbußen drohen, sollten die Niederschläge weiter ausbleiben. Schon jetzt haben seine Weizen- und Rapsfeldern dicke Risse von der Trockenheit. Und im Kreis Vechta und bei Papenburg gab es auch schon wieder erste Moorbrände, die böse Erinnerungen an vergangenes Jahr wecken.

Annika Brieber ist Meteorologin im Klimahaus in Bremerhaven. Die erneute Trockenheit verfolgt sie mit Sorge und beobachtet darin einen beunruhigenden Wettertrend.

Meteorologin Annika Brieber steht in einem Raum mit Monitoren
Laut Klimahaus-Meteorologin Annika Brieber ist der erneut zu trockene April ein auffälliger Trend.
Wann hat es eigentlich das letzte Mal so richtig ausgiebig geregnet?
Das war bei uns in Nordwestdeutschland tatsächlich Mitte März. Über vier Wochen haben wir nun schon Trockenheit, abgesehen von ab und zu mal ein paar Zehntel Millimeter. Da sprechen wir von ein paar Prozent von dem, was normalerweise im April so fällt. Das ist wirklich schon sehr extrem.
Im letzten Jahr war es ähnlich. Ist das jetzt üblich, dass der April so ein Dürremonat ist?
Es war tatsächlich nicht nur im letzten Jahr so ähnlich, sondern innerhalb der letzten elf Jahre. Der letzte April, der nasser als normal war, war 2008. Das ist noch kein klimatologischer Trend im strengsten Sinne. Man darf bei dieser Zeitspanne tatsächlich noch nicht von "Klima" sprechen, dafür ist es einfach noch zu kurz. Aber es ist auf jeden Fall ein Trend, der auffällig ist und den man im Auge behalten sollte.
Feuerwehrleute berichten von den Moorbränden, dass sie trotz trockenem Moor knietief im Wasser standen. Bedeutet das, dass eigentlich ausreichend Wasser da ist?
Wir hatten zum Glück einen sehr nassen Winter. Gerade im Februar ist extrem viel Regen gefallen. Das hat die tieferen Bodenschichten gut durchfeuchtet, da wurde einiges wieder aufgefüllt. Und es sieht wohl in ein, zwei Metern Tiefe noch relativ gut aus mit dem Wasser – noch. Aber die obersten Bodenschichten bekommen jetzt ein starkes Problem mit der Trockenheit. Und das ist auch ein Problem für die Landwirtschaft. Da wird jetzt in den obersten Schichten eingesät, da muss das Wasser jetzt hin. Es bringt nichts, wenn es weiter tiefer noch vorhanden ist.
Bleibt es in diesem Jahr wieder so extrem trocken?
Das kann man noch nicht sagen. Auf diese trockenen Aprilmonate folgte in den vergangenen Jahren teilweise ein sehr trockener, teilweise aber auch ein eher feuchter Sommer. Also noch kann man da tatsächlich keine gesicherte Aussage treffen, ob jetzt der nächste Dürresommer kommt. Natürlich ist es eine schlechte Voraussetzung, wenn schon das Frühjahr trocken ist. Wenn dann nochmal so ein regenarmer Sommer kommt, ist das schon sehr besorgniserregend. Vor allem, wenn es das dritte Mal in Folge ist.
Im Winter hat es viel geregnet, Schnee war nicht dabei. Müssen wir uns von dem Thema verabschieden?
Der Trend geht auch da in die Richtung. Wir bekommen immer feuchtere Winter. Es lässt sich messen, dass es bei uns in Deutschland im Winter immer mehr regnet. Aber eben regnet, weil es wärmer wird: Der Niederschlag fällt nicht mehr in Form von Schnee. Das heißt nicht, dass es gar keinen Schnee mehr gibt im Winter, aber die Wahrscheinlichkeit dafür nimmt immer weiter ab.

Autor

  • Joschka Schmitt

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Morgen, 21. April 2020, 8:30 Uhr