So bangen Küstenorte wie Dorum um ihre Existenz

Die Gemeinde Wurster Nordseeküste lebt vom Geschäft mit den Urlaubern. Nun steht sie vor einer Situation, die es noch nie gab. Kommt die Saison oder fällt sie flach?

Blick auf ein Freibad am Strand.
Wann kann das Watt’n Bad in Dorum-Neufeld wieder öffnen? Der Betrieb lässt sich nicht von jetzt auf gleich wieder hochfahren, sagt die Kurdirektorin. Bild: DPA | Zoonar | Jürgen Wackenhut

Dichtes Gedränge im Freibad direkt am Strand in Dorum-Neufeld wird es wohl so schnell nicht wieder geben. Zigtausende Badegäste hatte die Kurverwaltung dort in den vergangenen Jahren – und freute sich über die Einnahmen. Nun bangt Sandra Langheim, Kurdirektorin an der Wurster Nordseeküste, jeden Tag um die kommende Saison: "Das Ostergeschäft habe ich mehr oder weniger leider zu den Akten gelegt."

Immerhin gibt es vom Land Niedersachsen schon einen Entwurf für einen Stufenplan. Aber klar ist für die Kurdirektorin auch: Es ist viel zu aufwendig, den ganzen Kurbetrieb einmal hoch- und nach wenigen Tagen womöglich wieder runterfahren zu müssen, wenn die Corona-Infektionszahlen wieder kritische Marken brechen.

Ein Schwimmbad lässt sich nicht einfach öffnen

Vier Wochen Vorlaufzeit braucht die Gemeinde zum Beispiel für die Eröffnung des Watt’n Bades. Die Becken müssen geleert, gereinigt und wieder gefüllt werden. Allein im Wellenbecken befinden sich 1,6 Millionen Liter Wasser. Die sind nicht mal eben ausgetauscht.

Wenn man eine Vorlaufzeit hat, wie zum Beispiel im Watt’n Bad, ist es sehr, sehr schwierig, wenn man mit Inzidenzwerten arbeiten muss und es einem passieren kann, dass man dann vielleicht doch nicht aufmachen kann oder nach einer Woche wieder schließen muss.

Eine Frau guckt in die Kamera.
Sandra Langheim, Kurdirektorin an der Wurster Nordseeküste

Die Saison im vergangenen Jahr ist laut Langheim noch glimpflich verlaufen. Es gab Licht und Schatten, genaue Zahlen will sie noch nicht nennen: "Nach dem zweimonatigen Lockdown – kann man sagen – boomte das Übernachtungsgeschäft. Es gab extrem viele Übernachtungsanfragen, im Prinzip bis zum zweiten Lockdown hindurch", sagt Langheim. Bei den Attraktionen wie dem Watt’n Bad sah es jedoch anders aus. "Wir konnten gerade 40 Prozent der budgetierten Einnahmen erzielen."

Das wäre der schlimmste anzunehmende Fall

Neue Virus-Mutationen und der Lockdown könnten die gesamte Tourismusbranche in die Knie zwingen: "Der schlimmste anzunehmende Fall wäre selbstverständlich, wenn der Lockdown immer weiter gehen und in den Sommer hineinragen würde", sagt Sandra Langheim.

Der Niedersächsische Städte- und Gemeindebund fordert klare Ansagen der Politik und Verlässlichkeit. Die Kommunen bräuchten Planungssicherheit, meint Verbandssprecher Thorsten Bullerdiek. Er geht davon aus, dass mindestens 50 Millionen Euro Förderung des Landes nötig sind, um die Tourismus-Wirtschaft wieder anzukurbeln: "Wenn sich hier nichts tut, sieht es nach Corona da so aus wie während Corona – sprich leer."

Das ganze Ausmaß des Schadens – vom Vermieter von Ferienwohnungen bis hin zu den großen Freizeiteinrichtungen und Museen – ist schwer einzuschätzen. Es bleibt die Hoffnung, dass es 2021 doch noch irgendwie gut läuft für die Urlaubssaison an der Küste – und damit auch fürs Watt’n Bad.

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Video vom 29. Oktober 2020
Anzeige mit der Aufschrift "vorübergehend geschlossen"
Bild: Radio Bremen

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Autoren

  • Dirk Bliedtner
  • Sonja Harbers Autorin

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Vormittag, 19. Februar 2021, 11:40 Uhr