Meinungsmelder

5 Tipps von Bremern: So pflegen sie ihre Freundschaften

Schon wieder Pandemie-Ratschläge? Ja. Denn Menschen aus Bremen, Bremerhaven und umzu verraten, wie sie Beziehungen trotz Kontaktbeschränkungen pflegen.

Eine Frau liest zuhause einen Brief und lacht (Symbolbild)
Persönliche Post macht vielen Menschen in der Pandemie besonders viel Freude. Bild: DPA | Westend61/Rainer Berg

Mehr als 3.500 Menschen haben bei der Radio Bremen-Meinungsmelder-Befragung mitgemacht. Wir wollten diese Woche wissen: "Was macht Corona mit unseren Beziehungen?" Bei den zahlreichen Zuschriften haben uns einige Menschen auch geschrieben, was sie tun, um ihre Freundschaften zu pflegen. Und die verraten sie jetzt auch hier.

1 Klaus aus Varel schreibt wieder Postkarten

Klaus Ferkinghoff sitzt vor einem Blockhaus und liest ein Buch
Klaus Ferkinghoff hat sogar noch eine alte Feder und ein Tintenfass. Bild: Klaus Ferkinghoff

"Meine Frau und ich haben jeder einen sehr guten Füllfederhalter", sagt Klaus Ferkinghoff. Seit Beginn der Pandemie nutzen sie die: Beide schreiben wieder mehr Briefe und Postkarten. Weil es persönlicher ist, auch, wenn man sich mehr konzentrieren müsse. "Denn man will ja keine Fehler einbauen. Die kann man nicht so einfach korrigieren." Der Vorteil: "Man überlegt vorher, was man sagen will." Und: "Ich komme dann immer in so eine Entspannungsphase rein. Ich fühle mich immer besser, wenn ich mit der Hand geschrieben haben."

Und das Schreiben hat noch einen schönen Effekt: Klaus und seine Frau bekommen selbst Post auf klassischem Weg. Von den Patenkindern und von Freunden, die man jetzt nicht besuchen kann. "Das ist ein schönes Gefühl, man kann etwas anfassen. Das ist viel schöner, einen Brief in der Hand zu halten, als eine WhatsApp-Nachricht zu lesen."

2 Mikael spielt und schaut Filme mit Freunden im Netz

Mensch-ärgere-dich-nicht-Spielfiguren in rot, gelb und grün. Die gelbe Figur ist umgekippt.
Gibt es eine Online-Version von "Mensch ärgere dich nicht?" (Symbolbild) Bild: Imago | Jürgen Eis

Montagsmaler, Stadt-Land-Fluss oder Siedler: Das sind browserbasierte Gesellschaftsspiele, die kostenfrei im Internet angeboten werden, wie Mikael aus Ottersberg im Landkreis Verden sagt. Diese und andere "Games" spielt er mit Freunden online. Oder sie schauen gemeinsam Filme. "Dann hole ich mir was zum Knabbern, je nach Wochentag eine Cola oder ein Bier – dann ist das Filme gucken als würde man nebeneinander auf dem Sofa sitzen." Zwar fehlt Mikael die Nähe, aber unter anderem durch solche Aktivitäten litten die Beziehungen zu anderen Menschen zurzeit nicht.

3 Einer kocht, alle Nachbarn essen virtuell zusammen

Eine ayurvedisch Dalsuppe mit roten Linsen. Auf der Suppe sind Kräuter und daneben steht noch ein kleines Töpfchen mit Dip und ein indisches Brot.
Hunger? Kochen Sie doch mal für Ihre Nachbarn – vielleicht kommt gutes Karma zurück. Bild: Radio Bremen

"Man muss viele kreative Ideen haben, um den Kontakt nicht zu verlieren." Das schrieb uns Marion König. Eine Idee lieferte sich gleich mit und zwar für die Nachbarschaft: "Einer kocht für alle, stellt es vor die Tür, und gegessen wird zusammen per Videokonferenz." Zugegeben: Wer die Nachbarinnen und Nachbarn noch nicht so gut kennt, für den könnte das eine Überwindung sein. Aber vielleicht wirkt es, einen Zettel in ein paar umliegende Briefkästen zu werfen, die Idee so zu verbreiten – und dann ist man vielleicht überrascht, wenn wirklich Rückmeldungen kommen. Zu verlieren hat man ja nichts, oder?

4 Alte Fotos verschicken

Ok. Diesen Tipp hat uns niemand geschrieben, den haben wir uns ausgedacht. Aber mal ehrlich: Wenn man über alte Fotos stolpert, passiert doch sofort etwas in einem drinnen. Vielleicht ist es interessant, in alten Bildern herumzustöbern – so ein Schnappschuss auf Papier kann man nämlich wie einen schönen Brief oder eine Postkarte verschicken. Und online geht das sowieso.

5 Und trotzdem: Reden hilft – besonders, wenn man ehrlich ist

Eine Telefonseelorge-Mitarbeiterin spricht mit einem Anrufer (Symbolbild)
Rufen Sie ruhig an bei der Telefonseelsorge oder anderen Hotlines. Die Menschen am anderen Ende sprechen gerne mit Ihnen. (Symbolbild) Bild: DPA | Patrick Pleul

Alle Tipps können helfen, manchmal für den Moment, manchmal nachhaltig. Aber dass die Pandemie uns erschöpft, einige dünnhäutig macht, das steht genauso fest. Deshalb bleiben Gespräche wichtig. Sie sind besonders hilfreich, wenn man ehrlich ist. Und können Beziehungen enger werden lassen, verbinden.

Mikael, der alleine wohnt, schwört darauf: "Das ist gut, wenn ich weiß, ich bin abends mit Freunden verabredet und muss einfach dafür den PC anschalten und habe immer jemanden, mit dem ich reden kann, auch über unangenehmen Dinge die mir am Tag vielleicht passiert sind."

Und niemand muss sich scheuen, sich auch noch andere Gesprächspartner zu suchen – zum Beispiel die Sprechstunden bei der Telefonseelsorge anzurufen. Die Menschen, die dann mit einem reden, machen das nämlich gerne und aus Überzeugung.

Tipps der Meinungsmelder – per Mausklick zu weiteren Geschichten

Die Mehrheit der Ideen kommt von den buten-un-binnen-Meinungsmeldern. Wir hatten gefragt: Was macht Corona mit unseren Beziehungen? Tausende haben uns ihre Geschichten geschildert. Hier finden Sie neben den Tipps mehr davon.

Eine Grafik die zur Navigation dient. In Kreisen sind die einzelnen Zitatgeber bzw. Symbolbilder dargestellt. Versöhnung mit der Schwester Corona-Streit: Pit vermisst seinen Freund Wir schreibenwieder Briefe Ich bin isoliert Man muss sich auch mal trennen können Ich breche keine Kontakte ab Ich verstehe die Diskussionskultur nicht Meine Schwiegermutter driftet ab Die Beziehung zu den Eltern ist stärker Manchmal muss es einfach mal krachen
Bild: Radio Bremen

Autorin

  • Birgit Reichardt

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 14. Mai 2021, 19:30 Uhr