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Darum legen sich in der Corona-Krise so viele Bremer ein Haustier zu

Das Tierheim Bremen öffnet heute wieder nach drei Monaten. In dieser Zeit wurden fast doppelt so viele Tiere vermittelt wie im gleichen Zeitraum vor einem Jahr.

Zwei Katzen sitzen im Bremer Tierheim
Zwischen März und Mai hat das Bremer Tierheim fast doppelt so viele Tiere vermittelt wie im gleichen Zeitraum 2019. Bild: Tierheim Bremen

Viel Zeit, keine Reisen und wenig Kontakt zu anderen Menschen: Bringt das so viele Bremer auf die Idee, ein Haustier zu adoptieren? Die Zahl der vermittelten Tiere hat sich laut Bremer Tierheim enorm erhöht. Die Hintergründe.

Wie viele Tiere hat das Tierheim seit März vermittelt?
Zwischen Anfang März und Ende Mai vermittelte das Tierheim Bremen 303 Tiere. Vergangenes Jahr war es mit 156 Vermittlungen im selben Zeitraum nur etwa die Hälfte. Und das, obwohl das Tierheim seit mehr als zwei Monaten nicht im Regelbetrieb geöffnet ist.
Warum legen sich momentan so viele Bremer sich ein Haustier zu?
Die Pressesprecherin des Bremer Tierheims Gaby Schwab glaubt, dass die verschiedenen Auswirkungen der Corona-Regeln für das große Interesse an Haustieren sorgt. "Jetzt, wo viele nicht in den Urlaub fahren und vielleicht im Homeoffice sind, haben sie genug Zeit, um sich mit den Tieren zu beschäftigen", sagt Schwab. "So können sich die Tiere gut einleben." Außerdem fehle vielen Menschen derzeit der soziale Kontakt und sie würden daher zu dem Schluss kommen, gerne wieder ein Tier zu haben.
An Weihnachten vermittelt das Tierheim auch keine Tiere, weil es vielleicht nicht gut überlegt ist. Gilt das nicht auch für die Corona-Krise?
Die aktuelle Situation unterscheidet sich laut Sprecherin Schwab von der Adventszeit, in der das Tierheim schließt. "Da wollen wir verhindern, dass Tiere als Geschenk genutzt werden und der Beschenkte das Tier vielleicht gar nicht haben will", sagt Schwab. Zudem sei es über Weihnachten und Silvester mit Feiern und Besuch extrem stressig für die Tiere, das wolle man ihnen ersparen.
Ein Hund sitzt auf einer Wiese und schaut in die Kamera
Rottweiler "Ben" wartet noch auf ein neues Zuhause. Bild: Tierheim Bremen
Gibt es keine Befürchtung, dass die Tiere wieder zurückgebracht werden, wenn die Menschen wieder arbeiten gehen?
Das Tierheim ist überzeugt davon, die Tiere auch beim aktuellen Ansturm nur in die richtigen Hände gegeben zu haben. "Wenn wir so eine Befürchtung jetzt schon hätten, hätten wir die Tiere nicht rausgegeben", sagt Schwab. Das Tierheim geht aber davon aus, dass wieder besonders viele Tiere in die Heime kommen. Der Grund sind demnach andere Quellen: "Auch bei Züchtern und auf Internetseiten wie Ebay gibt es einen Boom", sagt Schwab. "Und gerade bei Privatpersonen wird in einem absoluten Großteil der Fälle eben nicht so genau hingeguckt, an wen die Tiere gehen." Und diese Tiere landen laut Schwab oft später doch im Tierheim.
Wie lief die Vermittlung seit der Schließung am 16. März ab?
Im Anschluss an die Schließung wurden möglichst viele Steckbriefe von Tieren auf der Internetseite des Heims veröffentlicht. Dort konnten sich Interessenten schon etwas über die Tiere durchlesen. Termine vor Ort gab es dann nur einzeln und nach einer telefonischen Vereinbarung. "Dann konnte man unter Einhaltung der Hygieneregeln die Tiere kennenlernen", erklärt Schwab.
Wie prüft das Tierheim derzeit, welche Abnehmer für die Tiere in Frage kommen?
Laut Tierheim Bremen läuft während der Coronazeit alles so ab wie auch im Normalbetrieb. Nach ersten Gesprächen und einem Kennenlernen von Tier, Pfleger und Interessenten führt das Tierheim bei Hunden eine Vorkontrolle durch und schaut sich die Gegebenheiten im möglichen neuen Zuhause an. Wurde ein Tier vermittelt, folgt nach etwas Eingewöhnungszeit bei Hunden und Katzen eine Nachkontrolle. "Diese Termine finden weiterhin alle statt, aber zurzeit eben mit Sicherheitsabstand", erklärt Schwab. Ab sofort ist das Tierheim wieder Mittwochs von 16 bis 18 Uhr und Samstags und Sonntags von 10 bis 13 Uhr geöffnet. Etwas spontanere Besuche sind also wieder möglich.

Deshalb gibt es immer mehr Listenhunde im Bremerhavener Tierheim

Video vom 4. Oktober 2019
Ein Kampfhund hinter Gittern in einem Tierheim.

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Autor

  • Yannick Lemke

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 3. Juni 2020, 19:30 Uhr