Neue Strategie: Bremen plant bis zu 1.000 Corona-Tests täglich

Berlin testet inzwischen Menschen in Pflegeeinrichtungen, Schulen, Kitas und auch im Gefängnis auf das Coronavirus. Das Saarland setzt auf Massentests. Und Bremen?

Ein Arzt mit einem Corona-Test.
Im Land Bremen werden pro Tag gut 700 Tests auf das Coronavirus durchgeführt. Jetzt soll diese Zahl deutlich gesteigert werden. Bild: Imago | Reichwein

Die Neuinfektionen sind auf einem niedrigen Niveau. Das Virus ist aber weiter da. Das gilt für alle Bundesländer. Und alle Bundesländer suchen nach Wegen, wie sie das Infektionsgeschehen so gut wie möglich kontrollieren können, so lange es kein Medikament oder eine Impfung gibt. Dabei spielt die gezielte Ausweitung von Coronatestests eine wichtige Rolle.

Wir wollen das Virus im Keim ersticken. Das geht nur mit präventiven Reihentests in Krankenhäusern und Pflegeheimen und wenn wir möglichst alle Kontaktpersonen von Infizierten testen. Am Geld soll das nicht scheitern. Es ist viel teurer, zu wenig zu testen als zu viel zu testen.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU)

Angepasste Teststrategie in Bremen kommt

Schon seit Wochen heißt es vom Bremer Senat, dass mehr getestet werden soll. Doch bisher ist nicht viel passiert. Die bisherige Strategie orientiert sich an den Richtlinien des Robert-Koch-Instituts (RKI). CDU und Grünen in Bremen reicht das nicht. Sie machen bereits länger Druck.

Nach Informationen von buten un binnen kommt jetzt eine angepasste Corona-Teststrategie. Nächste Woche soll sie vorgestellt werden. Danach ist eine Ausweitung der Tests geplant. Bis zu 1.000 pro Tag oder mehr sollen es dann sein. Das wäre ein Plus von bis zu 300 pro Tag.

Die Testkapazitäten geben eigentlich noch mehr her. Dazu heißt es aber, man wolle sie nicht ausreizen, um auf größere Ausbrüche, wie zuletzt in Bremerhaven, reagieren zu können. Bremen hat dabei Krankenhäuser, Pflegeeinrichtungen, Schulen, Kitas und Gemeinschaftsunterkünfte im Fokus. Die Tests sollen immer dann gemacht werden, wenn es einen Coronafall gibt. Das passiert schon jetzt. Neu ist wohl, dass dann im Umfeld deutlich mehr Menschen getestet werden sollen, auch stichprobenartig.

Berlin testet auch in der Gastronomie und macht eine Schulstudie

Andere Bundesländer sind da schon weiter. Berlin beispielsweise macht bereits jetzt schon Stichproben und testet an Schulen und Kitas und will so das Infektionsgeschehen überwachen. Im Unterschied zu Bremen geschieht dies ohne den konkreten Anlass einer Coronainfektion. Rund 50 Beschäftigte haben sich bereits testen lassen, Tendenz steigend. Im Unterschied zum bisherigen Vorgehen können sich jetzt auch Menschen ohne Symptome testen lassen. Damit nicht genug. Auch bei Pflegeeinrichtungen, Mitarbeitern in der Gastronomie, Gefängnisinsassen oder JVA-Beamten sind Coronatests angedacht. Mit der Strategie will Berlin frühzeitig Infektionsherde entdecken und eindämmen. Die Gesundheitsverwaltung sieht im präventiven Testen auch ein kostengünstiges Verfahren.

Schleswig-Holstein geht einen ähnlichen Weg und setzt ebenso auf Stichproben in Schulen und Kitas. Was beide gemein haben: Sie testen nicht nur dort, wo es Coronafälle gibt. Das unterscheidet den Weg dieser Bundesländer von Bremen.

Saarland nutzt Massentests – Bremen zurückhaltend beim Pooling

Das Saarland arbeitet in ganz anderen Testdimensionen. Nach eigenen Angaben war es das erste Bundesland, das in Pflegeheimen flächendeckend Bewohner und Bewohnerinnen sowie Mitarbeitende auf das Virus untersucht haben. Die Zahlen: In einer ersten Runde wurden 20.000 Menschen in 130 Pflegeeinrichtungen untersucht. Möglich ist das, weil das Saarland dabei auf Massentests setzt, auf das sogenannte Pooling-Verfahren. Dabei können die Proben von bis zu 30 Personen mit nur einem Teströhrchen gecheckt werden. "Massentauglich und kostengünstig", so könnte man das Vorgehen in Kurzform beschreiben.

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Ist das Ergebnis negativ, sind zunächst keine weiteren Kontrollen in der Gruppe nötig. Ist die Probe positiv, müssen alle Personen der Gruppe einzeln getestet werden, um herauszufinden, wer mit dem Coronavirus infiziert ist. Entwickelt hat das Verfahren die Virologie der Uniklinik in Homburg. Das Ziel: "Durch frühzeitige Erkennung und die daraus folgende Isolierung und Behandlung sollen die Risikogruppen bestmöglich geschützt und fortlaufenden Infektionen vorgebeugt werden", schreibt das Gesundheitsministerium. Auch im Saarland gilt: Es muss kein Corona-Fall für eine Massentestung vorliegen.

Sigrun Smola, Leiterin der Virologie am Uniklinikum, ergänzt im "Deutschen Ärzteblatt": "Das konkrete Ziel war, in einer größeren Population nach Virus-Spreadern zu suchen, die ansteckend sind, ohne es zu wissen."

Die Testmethode ist so empfindlich, dass beim Pooling gleichzeitig die Proben einer Gruppe von bis zu 30 Menschen untersucht werden können. Nur wenn dieser Gruppentest positiv ist, führen wir Einzeltestungen durch. So gelingt es ressourcensparend die große Anzahl an Untersuchungen zu bewältigen.

Prof. Dr. Sigrun Smola, Institutionsdirektorin der Virologie am Universitätsklinikum Homburg

Wie steht Bremen zu einem solchen Verfahren? Aktuell sei es kein Thema, sagt Lukas Fuhrmann, Sprecher der Gesundheitsbehörde. "Labore in Bremen schätzen die Methode als risikobehaftet ein. Sie sehen auch keine Zeit- oder Materialersparnis." Das bedeute aber nicht, dass Bremen Massentests im Poolingverfahren für die Zukunft ausschließt.

Experte rät: Frühzeitig testen und so Corona-Hotspots schneller finden

Video vom 20. Mai 2020
Gesundheitsexperte Hans-Georg Güse im Studio von buten un binnen.

Autor

  • Thorsten Reinhold

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 20. Mai 2020, 19:30