Infografik

Corona-Tests: Wie aussagekräftig sind die Bremer Zahlen?

Die Feiertage sind vorbei – und wie geht es weiter mit Bremens Coronatest-Strategie? Ab wann es wieder aussagekräftige Daten gibt und warum ein Blick nach Dresden lohnt.

Ein Mann im Schutzanzug in einem Zentrum für Schnelltests mit Wattestäbchen (Symbolbild)
Die aktuellen Infektions-Zahlen des Landes Bremen sind nur wenig aussagekräftig. Grund dafür sind die geringe Test-Nachfrage und heruntergefahrene Test-Möglichkeiten über Weihnachten. Bild: DPA | Britta Pedersen

Seit Mitte Dezember leben Bremerinnen und Bremer im Corona-Lockdown, der ab Montag sogar noch verschärft wird. Doch welchen Effekt hatte der bislang hinsichtlich des Infektionsgeschehens? Ob der Lockdown als Schuss in den Ofen oder voller Erfolg verbucht werden kann, wird sich wohl erst in den nächsten Tagen abzeichnen. Den derzeitigen Infektions-Zahlen fehlt es an Aussagekraft – zu wenig wurde über die Weihnachtstage getestet.

Der Bremer Epidemiologe Hajo Zeeb hofft, dass Ende Januar ein Abwärtstrend erkennbar sein wird – vorausgesetzt die Zahl der Testungen steigt wieder. Die frisch angelaufenen Reihentests für Bremens Schüler- und Lehrerschaft beschleunigen diesen Prozess allerdings nicht: Denn die womöglich fast 85.000 Tests werden in der fortlaufenden Test-Statistik der Bremer Gesundheitsbehörde gar nicht auftauchen. Das liegt laut Bildungsressort zum einen daran, dass sie die Anzahl der normalen Tests in Bremen extrem verzerren würden und zum anderen daran, dass sie nicht vom Gesundheitsamt durchgeführt werden.

Auch Schnelltests fallen aus Statistik

Sollte es bei der Reihentestung, initiiert von der Bremer Bildungsbehörde, zu positiven Testergebnissen kommen, werde dies natürlich dem Gesundheitsamt gemeldet, so dessen Sprecher Lukas Fuhrmann. Sie fließen dann auch in die Statistik zu den Corona-Infektionszahlen und zum Inzidenzwert mit ein. "Bremer Labore haben jedoch mit der Auswertung der PCR-Tests der Bildungsbehörde so direkt erstmal nichts zu tun", sagt er. Vielmehr seien Labore in Düsseldorf für die Auswertung der freiwilligen Tests zuständig.

Ebenfalls außen vor in der Test-Statistik der Behörde sind alle Schnelltests. Zahlreiche Bremerinnen und Bremer hatten sich so kurz vor Weihnachten Gewissheit über ihren Gesundheitszustand in Sachen Corona verschafft – zumindest als Momentaufnahmen.

Wo kein Test, da kein Nachweis

Über die Weihnachtsfeiertage wurde in Bremen wesentlich weniger getestet als noch kurz davor. Ein Blick in die Auswertung der Gesundheitsbehörde zeigt einen Abfall von rund 40 Prozent: Wurden im Land Bremen zwischen dem 14. und 20. Dezember noch 14.366 Tests durchgeführt, waren es zwischen dem 21. und dem 27. Dezember 2020 8.788 Tests und eine Woche später sogar nur noch 7.810 Tests. Die Folge: Wo kein Test, da kein Nachweis. "Es ist offensichtlich, dass da auch ein Zusammenhang zu sinkenden Corona-Infektionen besteht", sagt Fuhrmann. Mit entsprechender Vorsicht sind die derzeitigen Infektionszahlen zu deuten.

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Die Anzahl der im Land Bremen durchgeführten Tests schwankte im Verlauf des Jahres 2020: Erst Mitte Mai 2020 wurde erstmals die Grenze von mehr als 6.000 Tests pro Woche überschritten, zwischen dem 7. September und dem 20. Dezember 2020 betrug die Zahl der wöchentlichen Tests nie weniger als rund 10.000. Bei der Vergleichbarkeit der Werte von vor Weihnachten mit denen, die derzeit in Bremen erhoben werden, ist laut Fuhrmann Vorsicht geboten.

Zumal den Testzahlen noch ein weiterer Zauber innewohnt: Die reine Anzahl sagt nichts darüber aus, welcher Personenkreis getestet wurde. Und der variierte im Jahresverlauf. Während zuletzt Menschen mit entsprechenden Symptomen auf eine Infektion getestet wurden, mussten sich im August noch alle Reiserückkehrer aus Risikogebieten pauschal am Bremer Flughafen einem Test unterziehen – mit oder ohne Symptomen.

Die Tests sind wichtiger Bestandteil im Kampf gegen Corona – auf ihnen basiert ein großer Teil des Zahlenwerks. Dennoch: Wer für den Moment konkrete Vergleiche sucht, findet sie nicht zwingend innerhalb der Test-Statistik selbst. Sondern eher beim Blick über den Tellerrand, sagt Fuhrmann. Beispielsweise Richtung vergleichbarer Orte mit ähnlichen Parametern.

Wir können Bremen vor Weihnachten nicht mit Bremen Stand jetzt vergleichen. Aber wir können Bremen – Stand jetzt – beispielsweise mit einer Stadt wie Dresden – Stand jetzt – hinsichtlich des Inzidenzwerts vergleichen. Hier ist Bremen deutlich besser aufgestellt als in diesem Fall Dresden.

Lukas Fuhrmann
Lukas Fuhrmann, Sprecher der Bremer Gesundheitsbehörde

Interessant bei der Betrachtung der Zahlen ist der Verlauf der Positivquote der Corona-Tests. Anfang November – getestet wurden viele Menschen und insbesondere solche mit Symptomen – erreichte die Bremer Positivquote ihren bisherigen Höchststand: Acht Prozent der über 18.000 durchgeführten Tests fielen hier positiv aus.

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Nach der Flaute rund um Weihnachten erwartet die Bremer Gesundheitsbehörde jetzt wieder steigende Test-Zahlen. Entsprechend werde man erst Mitte Januar wieder aussagekräftige Corona-Zahlen haben, glaubt Fuhrmann. Ein gewisser Rücklauf von den Weihnachtstage sei nicht zu erwarten. "Wer an Weihnachten Halsschmerzen hatte und keinen Test gemacht hat, wird sich nicht Anfang Januar testen lassen, weil er oder sie an Weihnachten Halsschmerzen hatte", so der Sprecher.

Test-Strategie 2021

In Sachen Test-Strategie konzentriert sich das Land Bremen auf eine sogenannte "anlassbezogene Testung". Das bedeutet: Wenn Corona-Ausbrüche beispielsweise in Pflegeheimen, Firmen oder Schulen stattfinden, testet Bremen gezielt und umfassend. Freie Schwerpunkt-Tests außer der Reihe oder als Prävention seien vorerst nicht geplant, so Fuhrmann.

"Das geben unsere Kapazitäten nicht her. Den kleinen Puffer, den wir derzeit haben, möchten wir gerne für größere Ausbrüche in der Hinterhand behalten." Insgesamt halte sich Bremen an die Testverordnung des Bundes und schere hier in Sachen Tests nicht aus, heißt es aus der Behörde.

Verlängerter Lockdown: Mit diesen Regeln geht es in Bremen weiter

Video vom 5. Januar 2021
Bundeskanzlerin Angela Merkel während einer Ministerpräsidentenkonferenz.
Bild: Radio Bremen

Autorin

  • Angela Weiß

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 7. Januar 2021, 19:30 Uhr