3 Gründe, warum das gedruckte Telefonbuch nicht ausstirbt

Die meisten Menschen nutzen kein Telefonbuch mehr. Trotzdem sind allein in Bremer Briefkästen gerade rund 200.000 Exemplare gelandet. Das ist kein Zufall.

Eine Telefonhörer liegt auf einem Telefonbuch.
Laut Gesellschaft für Konsumforschung waren es 2017 gut 40 Prozent der Deutschen ab 16 Jahren, die ab und zu noch in ein Telefonbuch schauen. (Symbolbild) Bild: Imago | Sepp Spiegel

1 Gesetzlicher Anspruch

Was viele nicht wissen, wir haben einen gesetzlichen Anspruch auf ein Telefonbuch, damit alle den gleichen Zugang zu Informationen haben. Im Telekommunikationsgesetz heißt es: "die Verfügbarkeit mindestens eines von der Bundesnetzagentur gebilligten gedruckten öffentlichen Teilnehmerverzeichnisses [...], das dem allgemeinen Bedarf entspricht und regelmäßig mindestens einmal jährlich aktualisiert wird."

2 Viele "offline"-Nutzer

Wer auf dem Land wohnt, nutzt das Telefonbuch tendenziell mehr als Stadtbewohner. "Gut ein Fünftel (ca. 19 Prozent) der Deutschen über 14 Jahre sind nach wie vor "offline" beziehungsweise nutzen kein Internet (D21 Digital Index 2017 / 2018, Januar 2018). Daher geben wir allen Personen und Haushalten die Möglichkeit, also auch in Bremen, unsere Produkte in gedruckter Form verfügbar zu haben", sagt Michael Hein-Beuting, Marketing-Chef der Deutsche Tele Medien GmbH.

Trotz Google und Co.: wer nach einem Klempner oder nach einem Restaurant sucht, greift wohl doch noch zum alten Nachschlagewerk. Die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) erhebt regelmäßig Zahlen. 2017 waren es gut 40 Prozent der Deutschen ab 16 Jahren, die ab und zu noch in ein Telefonbuch schauen. Die Online-Umfrage-Seite Yougov hat 2015 dazu Zahlen erhoben. Demnach nutzen 37 Prozent der Deutschen noch die gedruckte Variante des Telefonbuches, 51 Prozent besitzen aber gar keines mehr. Abschaffen will es aber nur jeder vierte Befragte.

Über die Hälfte der Deutschen würden es aber gerne sehen, wenn weniger Exemplare gedruckt würden. "Uns ist bewusst, dass das haptische Buch im Rücklauf ist. Es ist noch zeitgemäß in gewissen Regionen, aber wir wissen, dass es weniger wird. Wir sind sensibel ob des ökologischen Themas. Wenn Verbraucher keine Zustellung wünschen, können sie sich gerne bei uns melden", erklärt Melanie Titz von Heise RegioConcept – Verlag Heinz Heise GmbH & Co. KG. Die Verbraucherzentrale Bremen geht allerdings nicht davon aus, dass der Widerspruch erfolgreich ist.

3 Es lohnt sich

In einer Auflage von 80 Millionen Stück werden jährlich "Das Telefonbuch", "Gelbe Seiten" und "Das Örtliche" von der Deutsche Tele Medien GmbH zusammen mit deutschlandweit 100 Partnerfachverlagen vertrieben. In Bremen und Niedersachsen ist dies Heise RegioConcept. Gerade für kleine und mittelständische Unternehmen sei es immer noch attraktiv, hier Anzeigen zu inserieren. In der Deutschen Handwerkerzeitung wird den Mitgliedern gezielt empfohlen, diese Art des Brancheneintrages zu nutzen, um Aufträge zu generieren. Beliebt sind sie auch in der Gastronomie und bei Ärzten.

  • Katharina Guleikoff

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Morgen, 3. Dezember 2018, 10 Uhr