Warum Sie diese 8 Gebäude in Bremen und umzu kennen sollten

Haus F in Achim
Das Haus F in Achim ist an einen steilen Hang gebaut. Von der Fensterfront aus blickt man auf die Weser. Bild: Holger Kattert

Eine moderne Schatzkammer, eine Kita aus Glas und ein neues Heim für alte Schiffe — was diese Bauten so besonders macht, erklären wir zum heutigen Tag der Architektur.

Im Land Bremen sind 17 Gebäude zu besichtigen, in Niedersachsen mehr als 100. Wegen der Corona-Pandemie muss man sich teils vorher anmelden, die Besucherzahl ist eingeschränkt. Die Gebäude beim "Tag der Architektur" werden jährlich von einer Jury aus freischaffend tätigen Architektinnen und Architekten aus den beiden Bundesländern ausgewählt. Die Bauten sollen "gute Alltagsarchitektur zeigen", wie die Architektenkammer Niedersachsen mitteilt. So will man mit der Bevölkerung über das Bauen ins Gespräch kommen. Die Auswahl enthält Beispiele verschiedener Architekturformen: Hochbauarchitektur, Innenarchitektur und Landschaftsarchitektur. Kriterium bei Bauwerken ist außerdem, dass sie nicht älter sein dürfen als fünf Jahre, Werke der Landschaftsarchitektur dürfen bis zu acht Jahre alt sein. Wir zeigen eine Auswahl.

1 Forschungsdepot des Deutschen Schifffahrtsmuseum Bremerhaven

Forschungsdepot Deutsches Schifffahrtsmuseum Bremerhaven
Die Holzverkleidung des Forschungsdepots soll an Schiffsplanken erinnern. Bild: Jens Kruse

Der rechteckige Bau mit Holzverkleidung hat nur im Erdgeschoss überhaupt Fenster. Dort befinden sich Büros und Laborräume für die Forschung. Im restlichen Erdgeschoss lagern große Depotgegenstände und Boote. "Die ganz großen Objekte können durch Tore ins Gebäude geschoben werden", erklärt Kristin Kerstein, Pressereferentin der Architektenkammer Bremen. Das Gebäude sei weitgehend fensterlos geplant, um die darin lagernden Gegenstände vor Sonnenlicht zu schützen. Die Holzverkleidung soll nach Informationen der Architektenkammer Bremen an Schiffsplanken erinnern. "Das Holz ist Nordische Kiefer, das nach einem in Norwegen entwickelten Verfahren in Bio-Alkohol getränkt wurde, um die Zellstruktur zu festigen und es damit widerstandsfähiger und witterungsbeständiger zu machen", teilt die Kammer mit.

Führungen um 14:30 und 16 Uhr, Treffpunkt vor dem Gebäude, Eichstraße 13, Bremerhaven.

2 BlauHaus Bremen

Blauhaus der Blauen Karawane in der Bremer Überseestadt
Der Innenhof und die "Blaue Manege" (rechts im Bild) sollen Raum für Begegnungen bieten. Bild: Thomas Kleiner

Das BlauHaus geht auf eine Initiative des Vereins Blaue Karawane zurück. Die Blaue Karawane hatte sich in den 1980er-Jahren gegründet, als die psychiatrische Langzeitklinik Kloster Blankenburg im Umland von Bremen aufgelöst wurde. Die Mitglieder hatten seit damals die Vision vom gemeinsamen Wohnen und Leben. Es sollte mit dem BlauHaus ein Wohnprojekt für möglichst unterschiedliche Gruppen und Menschen entstehen. Im BlauHaus-Ensemble in der Bremer Überseestadt gibt es neben 83 barrierefreien Wohnungen einen Innenhof und die sogenannte "Blaue Manege" als Ort für Begegnungen. In der "Blauen Manege" befinden sich eine Holz-und Keramikwerkstatt der Blauen Karawane, eine Werkstatt des Martinshofs, ein Gemeinschaftsraum, ein Kreativraum und eine Fahrradwerkstatt. In Zukunft soll es dort auch Feste geben. In den Wohngebäuden der Gewoba gibt es eine inklusive WG des Martinshofs und eine WG für Menschen mit Demenz der Blauen Karawane, teilt die Bremer Architektenkammer mit. "Die Idee der Gemeinschaft ist ja beim inklusiven Wohnen ganz wichtig. Dafür haben die Architekten mit dem grünen Innenhof einen Freiraum geschaffen, wo sich die Bewohner treffen können", sagt Kerstein.

Führungen um 11, 12, 13 und 14 Uhr, Treffpunkt draußen vor dem Quartierszentrum "Blaue Manege" Ecke Schwabensteinstraße, Bremen.

3 Atriumhaus Tenever, Bremen

Atriumhaus Tenever in Osterholz-Tenever, Bremen
Im Gegensatz zu den bekannten Hochhaussiedlungen im Stadtteil Osterholz-Tenever steht das nur zweigeschossige Atriumhaus mit Kita. Bild: Ulrich Schwarz

Im Atriumhaus im Stadtteil Osterholz-Tenever gibt es 28 geförderte Wohnungen und eine Kita mit Platz für bis zu 90 Kinder. Der Clou: Im Inneren befindet sich ein verglaster Raum, der gemeinschaftlich genutzt werden kann, das namensgebende Atrium. Direkt daran schließt die Kita an. "Die zweigeschossigen Bauten vermenschlichen den Maßstab in Osterholz-Tenever", meint Kerstein. Denn der Stadtteil ist sonst eher für seine Hochhäuser bekannt. Das Atriumhaus sei bereits zum Zentrum eines ganzen Quartiers geworden.

Führungen um 13 Uhr und um 15 Uhr, Treffpunkt vor dem Gebäude, Otto-Brenner-Allee, Bremen.

4 Grundschule am Pastorenweg, Bremen-Gröpelingen

Grundschule am Pastorenweg, Bremen-Gröpelingen
Das neue Schulgebäude soll "sich in den Stadtteil öffnen": Die Mensa kann auch außerhalb der Schulzeiten genutzt werden. Bild: Thomas Kleiner

Dem Neubau an der Grundschule in Gröpelingen liegt das Konzept zugrunde: Schulgebäude sollen nicht bloß für Unterricht und Betreuung von Schülerinnen und Schülern da sein, sondern ein ganzes Quartier bereichern, so Kerstein. Die Mensa in Passivbauweise ist daher so geplant worden, dass sie auch außerhalb der Schulzeiten genutzt werden kann. Für Kerstein von der Bremer Architektenkammer ist der Schulbau ein gutes Beispiel dafür zu sehen, wo städtische Fördergelder hinfließen und was daraus entstehen kann.

Führungen um 11 Uhr und um 13 Uhr, Treffpunkt am Pastorenweg 91-93, Bremen.

5 Tabakquartier Bremen-Woltmershausen

Ein Luftbild vom Tabaquartier in Woltmershausen.
Auf dem Gelände der ehemaligen Tabakfabrik in Woltmershausen entsteht ein Mix aus Wohnen, Arbeiten und Kultur. Bild: Radio Bremen

Auf dem rund 20 Hektar großen Gelände der ehemaligen Tabakfabrik Brinkmann soll ein Mix aus Wohnen, Arbeiten und Kultur entstehen. So werden die Bremer Philharmoniker ab Frühjahr 2022 hier eine neue Probestätte beziehen. Das Boulevard Theater Bremen will ab Herbst 2021 auf dem Gelände spielen. Ein Hotel ist in Planung, weitere Gastronomie ebenfalls. Ein Teil des Bauprojekts, "Die Fabrik", in dem Gewerbelofts verschiedenste Nutzer beherbergen, ist im Mai 2021 fertiggestellt worden. In enger Zusammenarbeit mit der Bremer Denkmalschutzbehörde wurde soweit wie möglich originale Bausubstanz erhalten, ein Schwerpunkt liegt auf dem Industriecharakter des Gebäudes. Die Bauarbeiten auf dem Gelände gehen indes weiter. Das Tabakquartier sei "ein totaler Paradigmenwechsel für Woltmershausen", meint Kerstein. "Im Grunde ist das der Stadtteil der Zukunft."

Führungen um 11, 13 und 15 Uhr, Treffpunkt vor dem Gebäude, Hermann-Ritter-Straße 112, Bremen.

6 Johann-Jacobs-Haus Bremen

Johann Jacobs Haus
Das Johann-Jacobs-Haus schafft eine neue Verbindung zwischen Obernstraße und der historischen Stadtwaage. Bild: Philip Heckhausen

Eine Verbindung zwischen Alt und Neu, zwischen Obernstraße und Langenstraße, zwischen zwei Ebenen: Das Johann-Jacobs-Haus ist nach all seiner medialen Begleitung wahrlich kein Geheimtipp mehr, dafür aber sehr sehenswert. "Städtebaulich sehr gelungen, ein Highlight", nennt es Kristin Kerstein. "Eine Sichtachse geht von der Obernstraße bis in den Innenhof." Der unverstellte Blick entsteht im Innenraum dadurch, dass es dort keine großen Pfeiler gibt, sondern das Gebäude über die Außenfassade und das Treppenhaus als Stützachse getragen wird. Zwischen Johann-Jacobs-Haus und der historischen Stadtwaage ist ein neuer Innenhof entstanden. "Die Wiedereroberung eines Stücks Stadt", sagt Kerstein. "Betont werden muss auch der große Ehrgeiz von Christian Jacobs, sich als Investor stadterhaltend zu engagieren."

Führungen um 14 Uhr und um 16 Uhr, Treffpunkt im Innenhof zwischen Stadtwaage und Johann-Jacobs-Haus, Obernstraße 20, Bremen.

7 Forum Gesseler Goldhort am Kreismuseum Syke

Forum Gesseler Goldhort beim Kreismuseum Syke
Der Neubau am Kreismuseum Syke beherbergt einen 3.300 Jahre alten Goldschatz. Bild: Eugen Eslage

Ein ganz von Ziegelsteinen umgebener Bau steht seit Herbst 2020 in direkter Nähe zu den alten Fachwerkgebäuden des Kreismuseums Syke. Der Neubau beherbergt einen Sensationsfund: 2011 wurde ganz in der Nähe des Kreismuseums, im Syker Ortsteil Gessel, ein 3.300 Jahre alter Goldschatz (Goldhort) gefunden. Für diesen besonderen Fund, der aus 117 Einzelteilen besteht, sollte ein ebenso besonderes Gebäude her. Das Ergebnis fällt in der ländlichen Umgebung direkt ins Auge. Es ist "eine Art Skulptur, die zeigt, dass etwas Besonderes darin ist", so beschreibt es Meike Alonso von der Architektenkammer Niedersachsen. Das Forum Gesseler Goldhort wurde als Gewinnerentwurf eines Architekturwettbewerbs gebaut. "Vom Kreismuseum haben wir erfahren, dass die Besucher das Gebäude positiv aufnehmen", sagt Alonso.

Führungen um 12, 14, 16 Uhr, Treffpunkt am Museumseingang, Herrlichkeit 65, Syke. Anmeldung über Christian Hartmann, hartmann@fh-architekten.de.

8 Haus F in Achim

Haus F in Achim
Eine breite Fensterfront gibt vom Wohnhaus aus den Blick auf Natur und Fluss frei. Bild: Holger Kattert

Ein Wohnhaus erhebt sich am Hang mit Flussblick genau dort, wo die Weser in den Schleusenkanal fließt — zwischen oberer und unterer Grenze des Grundstücks liegen ganze 13 Meter. An Gebäude wie das Haus F in Achim traut sich nicht jede Bauherrin oder jeder Bauherr heran, meint Meike Alonso von der niedersächsischen Architektenkammer. Denn wer in solcher Lage wohnt, muss umdenken: Das Haus betritt man oben, was an der Straßenseite ebenerdig ist, und steigt dann in die Wohnräume hinab. "Es gibt nur Fenster zu einer Seite und viele haben Bedenken wegen Feuchtigkeit", erklärt Alonso. Beim Haus F ist eine ganze Fensterfassade angelegt worden, die den Blick auf Fluss und Landschaft freigibt, und für viel Licht in den Innenräumen sorgt.

Führungen um 11, 12.30, 14 und 15.30 Uhr, Treffpunkt am Gebäude, Am Weserhang 6, Achim. Reservierung an hause-reichel@t-online.de bis Samstag, 26. Juni 11 Uhr erwünscht. Einlass: Ein- und Auschecken per Luca-App, Corona-Warn-App oder Kontaktformular.

Ist Architektur in Bremen nur gut, wenn sie auch schön ist?

Video vom 3. Mai 2021
Die Architektur mit einem großen verglasten Hochhaus dem Wesertower.
Bild: Radio Bremen
Bild: Radio Bremen

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Autorin

  • Verena Patel Redakteurin und Moderatorin und Autorin

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 27. Juni 2021, 19:30 Uhr