Interview

Bremens Schüler bekommen Tablets – aber sind die Lehrer dafür bereit?

Der Bremer Senat will jedem Schüler ein Tablet zur Verfügung stellen. Doch damit sie wirklich etwas bringen, müssen sie auch sinnvoll eingesetzt werden, sagt ein Experte.

Schüler sitzen mit Tablet-Computern im Klassenzimmer.
Mehr als 90.000 Tablets will Bremen Schulen im Land zukommen lassen. (Symbolbild) Bild: DPA | Julian Stratenschulte

Gerade während des Corona-Lockdowns haben digitale Geräte eine große Rolle für den Unterricht gespielt. Doch das sorgt auch für Ungleichheiten: Denn nicht alle Schüler haben Zugang zum nötigen Equipment. Unter anderem deswegen hat der Bremer Senat angekündigt, jedem Bremer Schüler und Lehrer in Zukunft ein Tablet zur Verfügung zu stellen. Buten un binnen hat mit Rainer Ballnus über die wichtigsten Fragen gesprochen. Er leitet das Zentrum für Medien des Landesinstituts für Schule Bremen und ist selbst an der Planung und Umsetzung des Digitalisierungs-Projekts beteiligt.

Herr Ballnus, wie können wir uns den Unterricht mit den Tablets vorstellen?
Das hängt natürlich von der Schule ab. Aber ganz wichtig ist zum Beispiel unsere Plattform 'itslearning': Wenn man Geräte hat und Inhalte darüber abbilden möchte, dann braucht man einen virtuellen Raum in dem man die Dateien und Aufgabenblätter ablegen kann. Und das haben wir durch diese Plattform, in der alle Schüler und alle Lehrer erreichbar sind. Und da gibt es natürlich vielfältige Möglichkeiten, wie die Kollegen letztendlich damit arbeiten. Aber was wir ja auch damit wollen, ist, das Distanzlernen zu unterstützen. Und das geht am Ende nur, wenn wir verlässlich sagen können, dass jedes Kind ein Gerät hat.
Rainer Ballnus
Rainer Ballnus leitet das Zentrum für Medien des Landesinstituts für Schule Bremen. Bild: Rainer Ballnus | Henning Sklorz
Kann das Lernniveau – auch in der Übergangszeit – erhalten bleiben?
Lernen ist ein sozialer Prozess und das Gerät soll das Lernen unterstützen. Es geht nicht darum, nur noch digital, auf Distanz und vereinzelt zu lernen. Aber wir brauchen heute solche digitalen Geräte, das ist etwas Selbstverständliches. Und die Situation die wir bislang hatten, dass digitale Endgeräte im Unterricht kaum vorkommen, das kann in Zukunft nicht sein. Es wird zwar bestimmt auch ein paar Startprobleme geben. Aber deswegen muss man das klug einführen. Man kann die Geräte nicht einfach auf die Schulen ausschütten. Das muss gut miteinander synchronisiert sein, die Verteilung der Geräte genauso wie die Qualifizierung der Kollegen.
Wie fit sind die Bremer Lehrer denn im Umgang mit dieser Technik?
Es werden sicher auch Kollegen dabei sein, die zum ersten Mal ein iPad in der Hand haben. Was wir immer wieder feststellen ist aber, dass die These 'Junge Lehrkräfte bringen die digitale Kompetenz quasi als Gratisqualifikation mit', so pauschal überhaupt nicht stimmt. Oftmals gehen Lehrkräfte mit hohem Dienstalter viel souveräner damit um, und bringen auch mehr digital-didaktische Kenntnisse mit. Die Bedienung der Geräte ist ja das eine, das Klicken und das Wischen. Aber die Frage ist: Wie setze ich das didaktisch klug ein?
Wie sollen die Lehrer diese Fähigkeiten denn erlernen?
Da müssen wir gucken, dass wir entsprechende Fortbildungen haben – auch mit verschiedenen Niveaus. Und wir werden sicher auch eine Reihe an Fortbildungen haben für Schulleitungen: Was heißt das, eine Schule in der digitalen Welt zu leiten? Was verändert sich, wenn jeder Schüler ein Endgerät hat und dann auch die Schulbücher digital bereit gestellt werden? Da gibt es eine Menge Herausforderungen, die wir jetzt abarbeiten müssen. Aber während der Corona-Zeit haben wir eine ganze Reihe von Online-Seminaren angeboten. Und das war schon verrückt, wie gut die Lehrkräfte das angenommen haben.
Können Lehrer verpflichtet werden, die Tablets im Unterricht zu nutzen?
Ja. Die Kollegen bekommen ein Gerät, und damit geht auch eine Verpflichtung einher. Die meisten Lehrkräfte nutzen unsere digitalen Plattformen bisher schon freiwillig. Aber mit den Tablets kann mach auch sagen: Das ist jetzt verpflichtend. Auch mit dem Hintergrund eines möglichen weiteren Lockdowns. Da kann es nicht sein, dass Lehrkräfte sagen: 'Das gehört nicht zu meiner Verpflichtung'. Das gleiche gilt auch für zum Beispiel E-Mails: Bislang konnten wir Lehrkräfte nicht verpflichten, sie für den Unterricht zu nutzen, weil sie dazu ihre Privatgeräte hätten nutzen müssen. Das ändert sich dann jetzt.

Bremen schnürt Millionenpaket für digitale Bildung

Video vom 7. Juli 2020
Ein Tablet, welches in den Händen eines Schülers liegt. Darunter liegt ein Englisch-Buch.
Bild: Radio Bremen

Weitere Informationen:

Autorin

  • Rebecca Küsters

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 8. Juli 2020, 19:30 Uhr