In Bremen werden wieder Vögel gezählt – und Ameisen und Eichhörnchen?

Immer im Mai bittet der Naturschutzbund Bremen darum, eine Stunde lang Vögel zu zählen und zu melden. Warum eigentlich? Und welche Tiere werden noch gezählt und wie?

Rotkehlchen sitzt auf einem Zweig.
Das Rotkehlchen ist Vogel des Jahres 2021. Bild: NABU | Winfried Rusch

Es ist wieder soweit: Der Naturschutzbund Bremen (NABU) ruft bis Sonntag wieder dazu auf, eine Stunde lang aus dem Fenster zu schauen oder von Garten, Terrasse oder Balkon aus Vögel zu zählen und dem NABU zu melden, um eine Idee davon zu bekommen, wie es um die Population des Federviehs bestellt ist. In diesem Jahr wird Sönke Hofmann vom Bremer NABU einen besonderen Blick darauf haben, wie viele Blaumeisen und Amseln gemeldet werden. Nach dem Vogelsterben hofft er auf eine Erholung der Population.

Ich vermute, dass die Zahl der Amseln wieder steigt nach dem Aderlass durch das Usutu-Virus.

Sönke Hofmann, Geschäftsführer Nabu Bremen
Sönke Hofmann, NABU Bremen

Er ist sich auch sicher, dass dieses Jahr mehr Rotkehlchen gesichtet werden als zuletzt. Warum? "Als Vogel des Jahres gucken die Leute mehr da drauf." Vergangenes Jahr rangierte das Rotkehlchen im Land Bremen auf Platz 8.

Die Ergebnisse der alljährlichen Aktion "Stunde der Gartenvögel" dienen nicht nur wissenschaftlichen Zwecken, sie sind auch jedem frei zugänglich: "Jeder und jede kann die Daten frei beim NABU im Internet ansehen und so Trends für seine Region oder gar die künftige Urlaubsregion herausfinden."

So klingen Gartenvögel

Video vom 5. Januar 2018
Eine Kohlmeise sitzt auf einer Sonnenblume.
Bild: Imago | Arnulf Hettrich
Bild: Imago | Arnulf Hettrich

Und die restliche Fauna?

Der NABU ruft im Frühjahr und im Winter dazu auf, Vögel zu zählen. Aber auch weitaus kleineren Tieren widmen die Naturschützer jährlich zwei Zählaktionen: "Es gibt im Juni und August den Insektensommer des NABU." Vom 29. Mai bis zum 7. Juni und vom 31. Juli bis 9. August werden Naturfreunde gebeten, Insekten zu zählen.

Das Prinzip ist identisch: Man verharrt eine Stunde lang im Garten oder in der freien Natur. Im Fall der Insekten beschränkt man sich bei der Beobachtung allerdings auf einen Radius von maximal zehn Metern, innerhalb dessen man gezielt nach Fliegen und Mücken, Käfern und Bienen, Larven und Faltern, Libellen und Ameisen, Schaben und Wanzen, Läuse oder Flöhe Ausschau hält.

Ein Eichhörnchen auf einer Futterbar
Eichhörnchen gesichtet? Dann melden Sie es gerne der Hochschule Bremen. Bild: Frank

Und Säugertiere? Die zählt die Hochschule Bremen im Säugetieratlas für Bremen und umzu. Dieses "Citizen-Science"-Projekt lebt davon, dass interessierte Bürgerinnen und Bürger Tiersichtungen via Webbrowser oder mobiler Anwendung melden – ob Eichhörnchen, Wühl- oder Fledermaus, Wildschwein oder Wildkatze, Goldschakal, Marder oder Fuchs. Es wird betrieben vom Internationalen Studiengang Technische und Angewandte Biologie (ISTAB) der Hochschule Bremen in Kooperation mit dem Arbeitskreis Säugetiere im Naturwissenschaftlichen Verein zu Bremen von 1864 e.V., um die biologische Vielfalt im Blick zu behalten.

Dieses Säugetiermonitoring funktioniert laut Homepage denkbar einfach: Wer Wildtiere beobachtet – "ob vom Balkon aus, auf dem Weg zur Arbeit, bei einem Ausflug ins Grüne, bei der Grillparty im Park oder beim Feierabend-Bier am Deich" – teilt seine Beobachtung dem Team des Säugetieratlas mit. Damit wird die Verbreitungskarte gefüttert, die Auskunft gibt über langfristige Bestandsveränderungen. Und das seit 2020 nicht nur im Stadtgebiet Bremen, sondern auch im niedersächsischen Umland. So wurden dem Atlas bislang 326 Eichhörnchensichtungen gemeldet.

Zwischen Viertel und Obervieland: So erleben Menschen in Bremer Natur

Video vom 15. Mai 2021
Kinder, die mit Erwachsenen draußen gärntern.
Bild: Radio Bremen
Bild: Radio Bremen

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Der Vormittag, 13. Mai 2021, 10:20 Uhr