Bremerhavenerin entfernt Hundehaufen – und damit ein Kunstwerk

Der anonyme Schöpfer des Bremer Bronze-Mannes hat wieder zugeschlagen. In Bremerhaven ist ein illegal installierter Hundehaufen aus Metall aufgetaucht. Ein Fall voller Missverständnisse.

Eine Frau mit steht an einer Hausecke und hält einen Hundehaufen in der Hand.
Kioskbesitzerin Roswitha Waldmann mit bronzenen Hundehaufen am Fundort vor ihrem Laden in Bremerhaven. Bild: Radio Bremen | Catharina Spethmann

Es ist Montagmorgen, 6:30 Uhr. Roswitha Waldmann steht vor ihrem Kiosk im Bremerhavener Stadtteil Surheide. Vor ihr am Boden liegt ein Hundehaufen. Ein Kunde hat sie darauf aufmerksam gemacht. "Er sieht hundertprozentig echt aus", sagt die 64-Jährige. Einen Kotbeutel habe sie schon zur Hand gehabt. Bei genauerer Betrachtung zeigt sich allerdings: Der Haufen ist aus Bronze und festgeklebt. Die Kioskbesitzerin hält das ganze für einen Streich und rückt der Hinterlassenschaft mit einem Messer zu Leibe. Damit keiner stolpert, wie sie sagt. Kurz vor der Mittagspause erscheint ein anderer Kunde, auf der Suche nach der Installation. "Den Schiet habe ich schon abgemacht", sagt Waldmann. Aufgehoben aber hat sie das rätselhafte Fundstück, um es später ihrer Tochter zu zeigen. Der Mann zeigt ihr daraufhin ein Instagram-Video. Zu erahnen ist in dem nächtlichen Szenario, wie der Hundehaufen von Künstlerhand an seinen Platz kam. "So habe ich erfahren, dass das Kunst sein soll", sagt die 64-Jährige. "Ich hätte es irgendwann in die Tonne geschmissen."

Instagram-Video bringt Licht ins Dunkel

Ein Mann aus Bronze schiebt einen echten Einkaufswagen
Mit dem sogenannten Bronze-Mann machte "Mohamed Smith" erstmals in den Bremer Wallanlagen auf sich aufmerksam. Bild: Radio Bremen | Heike Zeigler

Das ominöse, 26 Sekunden lange Video stammt vom Account des Künstlers "Mohamed Smith". Hinter diesem Pseudonym steckt eine bisher unbekannte Person, die immer wieder mit Guerilla-Kunst im öffentlichen Raum auffällt. Bekannt wird "Mohamed Smith" im Mai mit dem sogenannten Bronze-Mann – einer unerlaubt in den Bremer Wallanlagen aufgestellten, gebückten Statue mit Einkaufswagen. Bürger, Kunstexperten und Politiker sind angetan, auch von der gesellschaftskritischen Note. Das Objekt darf vorerst bleiben. Eine Figur mit Spraydose an einer Hochbahn-Haltestelle in Hamburg folgt, wird dort jedoch wegen zu viel Aufmerksamkeit abgebaut. In Bremen versteckt "Mohamed Smith" später Masken in Geschäften, die das männliche Durchschnittsgesicht zeigen sollen. Es wird überregional über die geheimnisvollen Aktionen berichtet. In Anlehnung an den weltberühmten, britischen Streetart-Künstler ist die Rede vom "Bremer Banksy" – oder auch "Bremsky". Nun also Bremerhaven.

Kunst-Aktion verläuft nicht nach Plan

Eine Hand hält einen Hundehaufen in der Hand.
Rowitha Waldmann überlegt den Hundehaufen aus Bronze als Briefbeschwerer zu benutzen. Bild: Radio Bremen | Catharina Spethmann

Doch diesmal läuft es nicht nach Plan. Der Phantom-Künstler hat eigentlich einen anderen Adressaten im Sinn. Auch in Bremen hat "Mohamed Smith" bereits mehrere Hundehaufen installiert. Sie wiesen den Weg zu einer Adresse der Partei AFD und wurden als politisches Statement verstanden. Unter dem Video zum neuesten Haufen kommentiert der Künstler, es handele sich um eine Fortsetzung der Bremer Aktion. In direkter Umgebung des Kiosks habe es laut Waldmann tatsächlich einmal ein NPD-Büro gegeben, aber die sei da schon seit einem halben Jahr raus. Bei Instagram darauf hingewiesen, kommentiert "Mohamed Smith": "Verdammt wirklich? Dann geht das alles nicht auf." Schließlich räumt er gegenüber buten un binnen das Missverständnis ein.

Ja, der Haufen war an die NPD gerichtet. Leider habe ich nicht gründlich genug recherchiert, die NPD ist leider schon ausgezogen. Alle Haufen sind der AFD und der NPD gewidmet.

"Mohamed Smith"

Hundehaufen könnte als Briefbeschwerer enden

Laut eines anderen Kommentators sei die nette Dame eine Institution im Stadtteil und verkörpere genau das Gegenteil der Partei. Und die Kioskbesitzerin selbst sagt, sie sei nicht mit dem Büro in der Nachbarschaft einverstanden gewesen. Dass die Guerilla-Kunst nun im Kiosk gelandet ist, damit kann "Mohamed Smith" offenbar leben. Bei Instagram kommentiert er auf den Hinweis hin, es habe sich "in eine andere, schöne Richtung entwickelt". Neben diesem Irrtum gehört zu den Missverständnissen dieses Falls, dass Waldmann einem dauerhaften Verbleib des Kunstwerks mit der Deinstallation zuvor kam. Ganz nach dem Motto: Ist das Kunst oder kann das weg? Sie will den Hundehaufen nun als Briefbeschwerer nutzen oder erstmal auf den Schrank legen.

Rückblick: Geheimnisvoller Künstler meldet sich zurück

Video vom 9. November 2020
Im Vordergrund wird eine Maske hochgehalten, im Hintergrund volle Regale eines Einkaufsladens.
Bild: Radio Bremen

Autor

  • Joschka Schmitt Redakteur und Autor

Dieses Thema im Programm: Bremen Vier, Bremen Vier Läuft, 18. November 2020, 16:15 Uhr