Bremens Straßen schmelzen: Warum die Hitze vor allem Brücken zusetzt

Die ersten heißen Tage haben bereits für tiefe Spurrillen auf Autobahnen wie der A1 gesorgt. Trotz Spezialasphalt ist das Problem nicht zu beheben. Das sind die Gründe.

Hitzebedingte Spurrillen auf der Weserbrücke der A1 werden vermessen
Auch 2018 wurden auf der Weserbrücke der A1 bereits Spurrillen vermessen. Bild: Polizei Bremen

Es sind die ersten Hitzeschäden des Jahres: Auf der Weserbrücke der A1 in Richtung Osnabrück haben sich Spurrillen gebildet. Schuld ist in erster Linie die Hitze der letzten Tage. „Wir haben jetzt schon wieder Probleme, obwohl die Hitzeschäden des vergangenen Sommers in Bremen teilweise noch gar nicht wieder vollständig behoben sind“, sagt Martin Stellmann vom Amt für Straßen und Verkehr (ASV). Schuld für die Schäden sei laut Stellmann ein Zusammenspiel der hohen Temperaturen mit insbesondere drei Faktoren: der der große Belastung durch LKW, dem Belag insbesondere auf Brücken und der nasskalten norddeutschen Witterung.

Hitze beschädigt A1 bei Bremen

Lkw stauen sich auf einer Autobahn.

Laster lasten schwer bei Hitze

Für Spurrillen sind laut Stellmann insbesondere die großen Laster verantwortlich: Kommen die zum Stehen, staut sich unter ihnen die abgegebene Wärme des Motors. Im Sommer fatal: Bei Messungen auf der Weserbrücke wurde festgestellt, dass sich der Asphalt dabei unter einem stehenden Laster auf 100 Grad Celsius erhitzt hat. Der Asphalt weicht auf und durch den Druck der 40-Tonner gibt er nach. Solche Schäden tauchen hauptsächlich auf Brücken auf. Das liegt an einem speziellen Belag, der vor allem beim Brückenbau verwendet wird.

Wenn Straßen geteert werden, arbeiten Experten hauptsächlich mit zwei Baustoffen: mit Walz- und mit Gussasphalt. Wo liegt der Unterschied? "Walzasphalt wird bei circa 140 Grad Celsius ausgebracht, Gussasphalt dagegen bei etwa 180 Grad Celsius", sagt Stellmann. Walzasphalt werde – wie der Name schon verrät – ausgewalzt, bei Gussasphalt sei das dagegen nicht nötig. Gussasphalt ist der bevorzugte Baustoff für Brücken: Er ist besonders robust, alterungsbeständig, dichtet ab, ist nicht so anfällig für Risse und lässt sich gut in alle Ecken ausbringen. Das muss er auch sein, denn Brücken sind der Witterung im besonderen Maße ausgesetzt.

Schietwetter schlecht für Straßenbelag

Das norddeutsche Wetter bringt echte Herausforderungen mit sich: Der Straßenbelag muss häufigen Regen, einen stetigen Frost-Tau-Wechsel, neuerdings heiße Sommer und im Winter Streusalz aushalten. Besonders gut kann das Gussasphalt. Genau das sei wichtig für Brücken, so Stellmann. Und macht das Material für den Brückenbau unverzichtbar. "Brücken müssen so dicht wie ein Dach sein, es darf kein Wasser eindringen, sonst könnte sie dauerhaft beschädigt werden." Nach Schweißarbeiten werde auf Brücken in der Regel sogar zwei Lagen Gussasphalt ausgebracht, um sie komplett abzudichten. Ab einer gewissen Temperatur weiche der Gussasphalt aber wieder leicht auf – wie zuletzt am vergangenen Dienstag auf der A1. "Wenn dann LKW zum Stoppen kommen, entstehen die Schäden", so Stellmann. Deshalb macht ihm der zunehmende LKW-Verkehr große Sorgen. Wenn die großen 40-Tonner zum Stehen kämen, sei nichts mehr zu machen.

Insgesamt hat sich verkehrlich seit dem letzten Sommer nichts entspannt – im Gegenteil.

Ein Mann mit kurzen Haaren schaut in die Kamera.
Martin Stellmann, Amt für Straßen und Verkehr

Keine Alternativen

Doch wie bauen Länder wie Spanien oder Australien, in denen dauerhaft extrem hohe Temperaturen herrschen? "Die Witterung ist entscheidend. Hier gibt es nicht oder kaum das Nässe-Problem und es kann ganz anders gebaut werden", sagt Stellmann. Sowohl der Guss- als auch der Walzasphalt seien in den letzten Jahren weiterentwickelt und optimiert worden. Dies sei derzeit das einzige Material, das dem Straßenbau in Deutschland aufgrund der Witterung zur Verfügung stünde, so Stellmann. Wenn Asphalt bei großer Hitze aufweicht – warum baut man nicht mit Beton? "Das wäre eine schlechte Idee. Beton ist viel zu anfällig für Risse und dichtet nicht ab", so Stellmann.

Mehr zum Thema:

Autorin

  • Angela Weiß

Dieses Thema im Programm: buten un binnen um 6, 26. Juni 2019, 18 Uhr