Geld sparen mit Homeoffice: 7 Tipps für die nächste Steuererklärung

Die Corona-Pandemie hat massive Auswirkungen auf den Arbeitsalltag der Bremer. Und auch auf die Steuererklärung 2020. Was muss ich für 2021 bedenken?

Eine Frau sitzt auf dem Boden und sortiert Zettel auf verschiedene Stapel und in Ordner.
Steuererklärungen sind nicht vergnügungssteuerpflichtig. Bild: DPA | Jochen Tack

Haben Sie den Lockdown auch dazu genutzt, in Ruhe die Steuern für 2019 zu machen? Auf die Steuererklärung für das aktuelle Jahr, die spätestens am  31. Juli 2021 fällig wird, sollte man sich auch schon mal vorbereiten. Denn viele Dinge gibt es jetzt schon – insbesondere im Homeoffice – zu beachten, raten Steuerexperte Uwe Rauhöft vom Bundesverband Lohnsteuerhilfevereine e.V. und der Bremer Steuerberater Peter Rasch.

1 Arbeitsplatz zuhause

Ein Arbeitszimmer ist "ein abgeschlossener Raum, der nahezu ausschließlich beruflich genutzt wird", erklärt Uwe Rauhöft vom Lohnsteuerhilfeverein: "Wenn das Arbeitszimmer diese Bedingungen erfüllt, dann sollte man das dokumentieren. Besonders, wenn es gerade für Homeoffice eingerichtet wurde und sonst möglicherweise anders genutzt wird." Also Zimmer aufräumen, Fotos machen und aufschreiben, von wann bis wann man diesen Raum genutzt hat. Man sollte seinen Arbeitgeber auch um einen Nachweis bitten, der angibt in welchem Zeitraum man von zu Hause aus gearbeitet hat und das dies vom Arbeitgeber angeordnet wurde.

Moderatorin Lea Reinhard sitzt bei ihr zuhause am Laptop.
Wer ein Arbeitszimmer hat, kann vieles von der Steuer absetzen. Bild: Radio Bremen

Das Thema Arbeitszimmer war vor Corona bereits sehr umstritten, sagt Rasch: "Zu dem Zeitpunkt, als die Verordnung zum Thema Arbeitszimmer erlassen wurde, da hat noch kein Mensch an eine Situation wie heute gedacht." Das ist möglicherweise ein Hoffnungsschimmer für alle, die kein eigenes Arbeitszimmer haben, aber trotzdem zu Hause arbeiten. Es müsste aber erstmal einen Präzedenzfall geben, der zu einer anderen Entscheidung kommt, wie genau ein Arbeitszimmer aussehen kann. Das kann aber noch zwei bis drei Jahre dauern, glaubt Steuerberater Rasch.

Um aber jetzt schon einen ersten Schritt zu machen, muss man sich fragen: Was brauche ich genau für Belege, um glaubhaft zu machen, wie ich im Homeoffice arbeite? Dazu gehören Abrechnungen für Strom, Fotos vom Schreibtisch und der Internetvertrag.

2 Nebenkosten im Arbeitsbereich absetzen

Viele Arbeitnehmer laden momentan ihre Arbeitsgeräte zu Hause. Der Laptop ist im Dauerbetrieb, das Handy wird am heimischen Stromnetz aufgeladen, die Heizung oder wahlweise Klimaanlage läuft. Durch die Heimarbeit steigen sämtliche Nebenkosten. Vielleicht musste sogar der Telefon- und Internetvertrag aufgestockt werden.

Die Nebenkosten für das Arbeitszimmer werden anteilig zur Fläche des Wohnraums berechnet. So kann das Finanzamt die laufenden Kosten für Miete, Heizung, Strom und Müllabfuhr für das eine Zimmer abrechnen. Kleinvieh macht auch Mist: Immerhin kann man hier eine Summe von maximal 1.250 Euro pro Jahr geltend machen.

Diese Kosten kann man anteilig beim Finanzamt einreichen – allerdings eben auch nur, wenn man ein heimisches Arbeitszimmer hat. Und die Richtlinien für ein Arbeitszimmer sind streng: Der Bürostuhl in der Küche zählt nicht, der Schreibtisch im Wohnzimmer auch nicht und selbst das Arbeitszimmer mit Gästebett wird oft nicht anerkannt.

3 Arbeitsmittel im Homeoffice

Jemand der einen Stift in der Hand hält und auf einem Blatt schreibt.
Zettel und Stift? Kann man beides von der Steuer absetzen. Bild: Radio Bremen

Ein Thema, das für die Steuer 2020 sicherlich besonders relevant wird, denn viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer mussten im März ins Homeoffice wechseln und werden teilweise auch dort noch länger bleiben. Das führt bei vielen zu Mehrkosten durch eigenes Druckerpapier, einen neuen Bürostuhl, eine bestimmte beruflich genutzte Software bis hin zum Stift.

Diese Arbeitsmittel können immer als Werbungskosten abgesetzt werden, wenn sie den Arbeitnehmerpauschalbetrag von 1.000 Euro überschreiten. "Wenn man über den Pauschbetrag kommt, dann rechnet sich jeder einzelne Beleg", sagt Steuerberater Rasch. Und das trifft im Corona-Pandemie-Jahr auf mehr Arbeitnehmer zu als noch 2019.

4 Belege sammeln, aber nicht im Schuhkarton

Wichtiger denn je sind im Corona-Jahr also die Belege. Alle Belege sammeln – aber bitte nicht in einem Schuhkarton, denn das mündet später meist in stundenlanger Suche: "Das lohnt sich nicht und macht uns keinen Spaß", sagt Peter Rasch, der in Bremen vor allem Unternehmen unterstützt. Am besten hat man einen Ordner mit Belegen und Rechnungen.

Und auch wenn es Rechnungen sind, bei denen man sich nicht sicher ist, ob das vom Finanzamt anerkannt wird: Besser sammeln als später suchen.

Ein Mann mit Brille lächelt in die Kamera.
Peter Rasch, Steuerberater

Und dann geht’s ab zum Lohnsteuerhilfeverein oder zum Steuerberater. Zur Dokumentation gehört auch: Fotos machen und notieren, wann man wo gearbeitet hat. Dazu zählen Dienstreisen, aber auch der normale Arbeitsplatz im Unternehmen oder Homeoffice. Je detaillierter desto besser.

5 Fahrtkosten: Entfernungspauschale oder Ticketkosten?

Eine Straßenbahn kurz vor der Endhaltestelle am Roland-Center in Bremen-Huchting.
Wer die Entfernungspauschale angibt und im Homeoffice arbeitet, könnte dieses Jahr sein Monatsticket einreichen. Bild: Radio Bremen | Martin von Minden

Wer von zu Hause arbeitet hat keinen Arbeitsweg mehr. Für den Weg vom Bett an den Schreibtisch gibt es vom Finanzamt keine Entlastung. Das ist besonders für die Arbeitnehmer ärgerlich, die sonst ihre Fahrtkosten vom Wohn- zum Arbeitsort geltend machen. Darauf werden die Finanzämter ein Auge drauf haben, gerade wenn man ein Arbeitszimmer angibt, glaubt Rauhöft. "In den Vordrucken für die Steuer 2020 wird separat abgefragt, wie viel Urlaubs-, Krankheits- oder Heimarbeitstage man hatte."

Bei den Fahrtkosten hat der Arbeitnehmer generell ein Wahlrecht zwischen Entfernungspauschale und konkreten Ticketkosten. Deswegen kann es für die Steuer 2020 günstiger sein, statt der Entfernungspauschale sein Monatsticket einzureichen. Dass man dieses nicht nutzen kann, war nicht abzusehen, so Rasch.

Das kann zwar weniger Geld sein als die gewohnte Entfernungspauschale, aber so gehen die tatsächlichen Kosten nicht verloren.

Ein Mann mit Brille lächelt in die Kamera.
Uwe Rauphöft, Bundesverband Lohnsteuerhilfevereine

6 An die Mehrwertsteuersenkung denken!

Wer dieses Jahr die Mehrwertsteuersenkung noch nutzen möchte, der kann auch größere Ausgaben möglicherweise absetzen wie beispielsweise für Renovierungen. Eine Option ist dabei, mit einem Einzweckgutschein zu arbeiten. "Das sind Gutscheine, die für eine bestimmte Lieferung oder Leistung gelten und der Umsatzsteuersatz genau für diese Leitung schon feststeht", erklärt der Steuerberater. Dabei geht es nur um Leistungen, bei denen der genaue Ort feststeht und der Umsatzsteuersatz bekannt ist – wie beim Bau eines Hauses: Dann kann der Handwerker die Gutschrift erteilen und kann sie sogar noch in den folgenden Jahren abarbeiten. Dabei wird keine Korrektur bei der Umsatzsteuer gemacht.

"Das ist vielen gar nicht bewusst, aber das ist in einem Schreiben vom Finanzministerium ausdrücklich so formuliert", erklärt Rasch und gibt weitere Beispiele. So kann das auch für Mediziner relevant sein, die im Dezember ihren Jahresvorrat an Desinfektionsmittel für 2021 bestellen. "Die können dann mit dem Lieferanten einen Gutschein ausstellen und der liefert erst später." So kann man sich mit den Einzweckgutscheinen behelfen und die Umsatzsteuersenkung ins kommende Jahr mitnehmen.

7 Coronazuschuss? Steuerfrei!

Hände halten Geldscheine
Der Coronabonus ist steuerfrei und kann vom Chef an jeden ausgezahlt werden. Bild: Radio Bremen

Arbeitnehmer können außerdem einen Coronazuschuss bis zu 1.500 Euro von ihrem Arbeitgeber steuer- und sozialversicherungsfrei ausgezahlt bekommen. Voraussetzung ist, dass die Auszahlung bis zum 31. Dezember 2020 erfolgt und als Sonderzahlung verbucht wird.

Den Coronazuschuss kann jeder Mitarbeiter bekommen, egal ob Auszubildender, die 450-Euro Kraft oder der Geschäftsführer.

Ein Mann mit Brille lächelt in die Kamera.
Peter Rasch, Steuerberater

"Es darf aber keine Gehaltsumwandlung sein, die das Weihnachts- oder Urlaubsgeld ersetzt", fügt Raufhöft hinzu. Dieser Zuschuss darf auch nicht an Bedingungen geknüpft sein. "Der Arbeitgeber kann nicht vorschreiben, wofür ich das Geld ausgebe, das kann jeder ausgeben wie er will."

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Autorin

  • Marike Deitschun Volontärin

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Vormittag, 17. Juli 2020, 10.45 Uhr