Fragen & Antworten

Stalking: Wo es beginnt und wie man es beendet

Belästigung durch Auflauern, Briefe, Telefonterror oder Hetze in Sozialen Netzwerken: Stalking hat viele Gesichter. Wichtig ist, erste Warnzeichen ernst zu nehmen.

Die Silhouette eines Manns vor einer Wohnungstür
Schon das dauerhafte Gefühl, beschattet zu werden, kann Opfer stark belasten und als Stalking gelten. Bild: Imago | Gerhard Leber

Wenn der Wunsch nach Aufmerksamkeit eines anderen Menschen dessen Lebensqualität beeinträchtigt, zur Penetranz oder gar zur Gefahr für ihn wird, dann spricht man von Stalking. Es ist kein Kavaliersdelikt und wird mit bis zu drei Jahren Haft geahndet. Wir erklären, wie man Stalking frühzeitig erkennt und was Betroffene dagegen tun können.

Was bedeutet Stalking?
Das englische Wort Stalking bedeutet "anpirschen" oder "anschleichen". Und beschreibt ein Phänomen, das allen Stalking-Fällen gleich ist: die Kontaktaufnahme gegen den Willen des Opfers. Per Definition ist Stalking "das böswillige und wiederholte Verfolgen und Belästigen eines Menschen, das dessen Sicherheit bedroht". Dabei beginnt Stalking teilweise mit zunächst manchmal harmlos scheinenden Gesten wie wiederholten Anrufen, Brief- und E-Mail-Kontakt, Whatsapps oder Besuchen, die – nicht erwidert oder explizit widersprochen –oft an Intensität zunehmen oder in andere Handlungen eskalieren. In Bremen sind beispielsweise auch Fälle bekannt, in denen Briefkästen zugeschweißt, Autoreifen zerstochen oder gar Brandsätze gelegt wurden. 2005 kam Stalking bundesweit in die Schlagzeilen, als ein Mann seine Frau nach deren Trennung in einem Bremer Hotel erstach. Auch hier waren nächtliche Anrufe und Übergriffe vorangegangen, die als Stalking gewertet wurden. Opfer kann laut Bremer Polizei jeder werden.
Was unternimmt man bei ersten Anzeichen von Stalking?
Die Polizei Bremen rät dazu, nicht lange zu warten und unmissverständlich dem Stalking entgegenzutreten: "Machen Sie dem Stalker nur einmal unmissverständlich klar, dass Sie jetzt und in der Zukunft keinerlei Kontakt zu ihm wollen." Und das möglichst als Ich-Botschaft, möglichst ruhig und souverän und möglichst unter Zeugen. Danach solle man ihn oder sie völlig ignorieren. "Etwaige Reaktionen von Ihnen, egal welcher Art, lassen ihn hoffen und sich um Sie intensiver bemühen" schreibt die Polizei Bremen auf ihrer Internetseite. Sie rät auch dazu, das eigene Umfeld unmittelbar über die Situation auf dem Laufenden zu halten: "Informieren Sie Ihre Familie, Freunde, Arbeitskollegen und Nachbarn. Öffentlichkeit kann Sie schützen." Hilfreich kann auch sein, sich frühzeitig bei den Stalkingbeauftragten der Polizei zu informieren. Dort werden Beamte seit 2001 ausgebildet, um die Fälle schneller erkennen und den Opfern besser helfen zu können.
Was tun, wenn das Stalking nicht aufhört?
Die Bremer Polizei hat für Stalking-Opfer den Notruf 0800 – 2800 110 eingerichtet. Dort wird man individuell beraten, was nächste Schritte sein können. Generell rät die Bremer Polizei dazu, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen und konsequent den Rechtsweg einzuschlagen. Dazu gehören:
  • Bei der Polizei Strafanzeige stellen
  • Beim Amtsgericht eine einstweilige Verfügung beantragen
  • Alles dokumentieren, was die Stalkerin oder der Stalker tut oder sagt und dies für den Gerichtsfall aufbewahren. Denkbar sind zum Beispiel auch „Fangschaltungen“ durch den Telefonanbieter oder Mitschnitte eines Anrufbeantworters. Und möglichst auch Zeugen benennen
  • Keine unbestellten Waren oder Pakete annehmen und auch die Nachbarn bitten, das nicht in Vertretung zu tun
Wo finde ich Hilfe, um die Folgen des Stalkings zu bewältigen?
Seit 2006 gibt es das Kriseninterventions-Team Stalking in Bremen, ein Projekt von Täter-Opfer-Ausgleich Bremen (TOA Bremen e.V.) in Zusammenarbeit mit Polizei und Staatsanwaltschaft. Betroffene sollen mit dessen Hilfe schnelle psychosoziale Betreuung bekommen, sollen sich aussprechen können. Ziel ist es, dass die Opfer neuen Mut fassen, wieder Selbstvertrauen haben und die Erlebnisse verarbeiten und ihr Verhalten ändern können.

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 15. Januar 2020, 19:30 Uhr