Kaffee HAG schenkt dem Bremer Staatsarchiv seine Geschichte

Archiv-Mitarbeiterin Jana Judel darf die Unterlagen der Firma Kaffee HAG sichten und konservieren. Das ist nicht selbstverständlich – Unternehmen dürfen ihre Papiere auch wegwerfen.

Konrad Elmshäuser im Interview. Links sind Regale mit weißen Kisten.

Jana Judel ist Archivarin im Staatsarchiv Bremen und wird die nächsten 15 Monate gut zu tun haben. So lange hat sie Zeit, um die Unterlagen der Bremer Firma Kaffee HAG zu ordnen und für die Ewigkeit zu konservieren. "Momentan sind die Akten noch in den Ordnern", sagt Judel. Das ganze Metall darin müsse entfernt werden, weil es über die Zeit sonst roste und das Papier angreife, erklärt die Archivarin weiter. "Dann werden die Sachen verzeichnet – so nennen wir Archivare das."

Ja, dann werden die Sachen entsprechend verpackt und so dann für die Ewigkeit aufbewahrt.

Jana Judel, Archivarin Staatsarchiv Bremen

Ist Jana Judel mit ihrer Arbeit fertig, können Wissenschaftler die Geschichte des Unternehmens besser erforschen. Jörn Brinkhaus, der beim Bremer Staatsarchiv für Wirtschaftsthemen zuständig ist, weiß, dass diese Prozedur nicht selbstverständlich ist. Denn Privatunternehmen dürfen ihre Archivunterlagen auch einfach wegschmeißen.

Staatsarchiv platzt aus allen Nähten

Prof. Konrad Elmshäuser und Jacobs-Pressesprecher Dirk Friedrichs halten gemeinsan die Patenturkunde in die Kamera
Der Leiter des Staatsarchivs Konrad Elmshäuser (li.) und der Sprecher von Jacobs Douwe Egberts Dirk Friedrichs freuen sich über das Geschenk.

1906 gründete der Bremer Ludwig Roselius seine Kaffeehandels-AG. Sein koffeinfreier Kaffee wurde europaweit bekannt. Auch die Ende der 1920er Jahre gegründete Kakaomarke "Kaba" geht auf den Bremer Kaufmann zurück. Das dazugehörige Archiv ist ebenfalls im Staatsarchiv Bremen einsehbar. Der Leiter des Staatsarchivs, Konrad Elmshäuser, stand schon seit Jahren in Kontakt mit dem Unternehmen "Jacobs Douwe Egberts", zu dem die Marke Kaffee-HAG mittlerweile gehört, um zu verhindern, dass die Unterlagen vernichtet werden.

Wir haben in Bremen wichtige Firmen und Branchen. Denken Sie an Borgward, AG-Weser oder den Norddeutschen Lloyd, wo wir so gut wie kein Archivmaterial haben. Deshalb sind wir heute sehr glücklich.

Konrad Elmshäuser, Leiter des Staatsarchivs Bremen

So groß die Freude ist, so groß sind auch die Probleme: Das Staatsarchiv platzt aus allen Nähten. Für das Kaffee-HAG-Archiv mussten 100 Meter Platz in den Magazinregalen geschaffen werden. "Wir kämpfen verzweifelt um die Erweiterung unserer Magazinflächen", sagt Elmshäuser. "Wir mussten Unterlagen aus dem Haus geben und auch in unseren Bunker verlagern, um das überhaupt übernehmen zu können."

"Ein Schatz mit Kaffee Hag"

Das war uns eine Herzensangelegenheit. Geschichte ist uns sehr wichtig.

Dirk Friedrichs, Sprecher von Jacobs Douwe Egberts

Bei "Jacobs Douwe Egberts" in der Bremer Neustadt wäre auch kein Platz gewesen – dort wird umgebaut, das Archiv musste raus. Der niederländische Kaffeeproduzent, der vor vier Jahren aus den Kaffeesparten zweier Großkonzerne entstand, war sich der Bedeutung der Marke HAG bewusst, sagt Unternehmenssprecher Dirk Friedrichs. "Das war uns eine Herzensangelegenheit. Geschichte ist uns sehr wichtig. Wir haben ja große wichtige alte Marken im Portfolio, allein die große Marke Jacobs hier in Bremen. Insofern wissen wir schon, was für einen Schatz wir mit Kaffee-HAG haben." Diesen Schatz schaut sich nun Jana Judel an – und das am liebsten bei einer Tasse Tee.

Autor

  • Sven Weingärtner

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 30. September 2019, 19:30 Uhr