Als im Spielcasino in der Böttcherstraße die erste Kugel rollte

Vor 40 Jahren öffnete die Bremer Spielbank ihre Türen. Der ehemaligen Lottofee Karin Tietze-Ludwig war es vorbehalten, die erste Kugel zu werfen – genau um 22:43 Uhr.

Johannes Heesters und Margot Werner am Roulette-Tisch

Am Ende gewinnt immer die Bank? Von wegen. Der erste öffentliche Spieltag im neuen Bremer Casino endet für die Bank mit einem Minus von 49.635 Mark. Das war am 11. Januar 1980, als die Münsteraner Westspiel-Gruppe in der Hansestadt ihr zweites Casino nach Aachen eröffnete.

Eine goldene Kugel eröffnet das Casino

Der Tag brachte der Spielbank aber auch einen Besucheransturm. Mit etwa 500 Leuten hatte man gerechnet – tatsächlich aber wurden es am Ende doppelt so viele. Am Abend vor der offiziellen Eröffnung waren bereits 600 geladene Gäste über den roten Teppich ins Haus "St. Petrus" in der Böttcherstraße geschritten, wo hinter der denkmalgeschützten Fassade innerhalb von elf Monaten Umbauzeit das neue Spielcasino entstanden war. Die erste Kugel am Roulettetisch war aus echtem Gold und sie rollte nur ein einziges Mal. In ihren Lauf kündigte der Croupier an, keine Einsätze mehr anzunehmen: "Rien ne va plus, Mesdames et Messieurs!" Und die von Lottofee Karin Tietze-Ludwig geworfene Kugel fiel auf die schwarze Sechs.

Eigens eingeflogene überregionale Prominenz sorgte für ein bisschen Glamour: Schauspieler und Sänger Johannes Heesters, Lottofee Tietze-Ludwig, Moderator Karl-Heinz Hollmann und Sängerin Margot Werner posierten für die Fotografen. Offenbar hatten an diesem Abend nicht alle gleich viel Glück: Während die Lottofee schon bedauerte, ununterbrochen zu verlieren, konnten andere Gewinne verbuchen.

Die Spielbank soll sich für Bremen rechnen

Spiel-Jetons im Bremer Casino (Archivbild)
So sahen die Jetons der Bremer Spielbank aus.

Bremens damaliger Finanzsenator Moritz Thape (SPD) kannte sich zwar mit Zahlen aus – am Roulettetisch aber war er ein Anfänger: Er gestand schnell ein, seinen ganzen Einsatz schon verloren zu haben. Bremen selbst aber sollte mit dem Glücksspiel gewinnen. Mit rund zehn Millionen Mark Gewinn rechnete die Spielcasino GmbH pro Jahr. Und zwei Drittel des Ertrags gingen an die neu gegründete Stiftung "Wohnliche Stadt".

Trotzdem: Lange hatte sich Bremen Zeit gelassen, eine Spielbank zu genehmigen. Ein Sprecher des Innenressorts räumte ein, in diesem Punkt nicht gerade fortschrittlich gewesen zu sein. Erst als nach und nach alle Bundesländer Spielbanken bekommen hatten, änderten auch Bremens Politiker ihre Haltung. Wenn die Bremer und Bremerhavener schon spielen, dann sollten sie ihr Geld lieber hier lassen, so das Kalkül. Die Adresse in der Böttcherstraße sollte außerdem Touristen anziehen.

Böttcherstraße mit Fahnen der Bremer Spielbank
30 Jahre wird im Casino in der Böttcherstraße gespielt, bis 2010 der Umzug ansteht in ein historisches Kontorhaus an der Schlachte. Bild: Imago | Danita Delimont

Trotzdem waren die ursprünglichen Planungen des Innenressorts bescheiden mit nur sechs Tischen im Casino. Denn schließlich seien die Bremer etwas vorsichtig mit dem Glücksspiel, hieß es damals. Und die Mentalität der Bremer müsse bei der Ausstattung der Spielbank natürlich auch beachtet werden.

Zwei Jahre später aber wurden es dann doch doppelt so viele Tische, an denen Roulette und Black Jack gespielt werden kann. Für Johannes Heesters übrigens soll sich der Besuch in Bremen richtig gelohnt haben. Angeblich gewann er an diesem Freitagabend vor 40 Jahren 6.000 Mark.

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Spiel-Jetons im Bremer Casino (Archivbild)

Autorin

  • Birgit Sagemann

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins am Sonntag, 12. Januar 2019, 15:56 Uhr