Interview

Weltspartag: So legen Sie Ihr Geld richtig an

Wer spart eigentlich noch in Zeiten von Niedrig- und Negativzinsen? Gibt es nicht bessere Möglichkeiten, sein Geld anzulegen? Tipps von der Verbraucherzentrale Bremen.

Wie zeitgemäß ist heute der Weltspartag?

Eine Hand, die eine Münze in ein silbernes Sparschwein steckt.

Das waren noch Zeiten: Mit dem Sparbuch in der Hand in die Bank stolzieren und zuschauen, wie die Zinsen schwarz auf weiß in das Büchlein gedruckt werden. Dieses Bild, das viele wohl vom Weltspartag haben, ist längst Vergangenheit. Selbst von Negativzinsen ist heute die Rede. Wir haben mit dem Finanzexperten Thomas Mai von der Bremer Verbraucherzentrale gesprochen, wie man sein Geld noch sinnvoll anlegen kann.

Macht es heute noch Sinn, klassisch mit einem Sparkonto oder -buch zu sparen?
Also für kurzfristige Rücklagen oder ein konkretes Ziel durchaus. Da gibt es wenig Alternativen. Aber für langfristiges Sparen könnte man das Geld statt auf ein Konto eigentlich auch gleich in den Sparstrumpf stecken. Denn wir leben in einer Zinswüste. Es gibt eben auf das Ersparte keine Zinsen mehr.
Portrait von Thomas Mai
Thomas Mai Bild: Verbraucherzentrale Bremen
Was wären denn dann Ihre Empfehlungen? Wie sollte ich mein Geld anlegen?
Wenn man genug Zeit mitbringt, kann man sein Geld streuen. Also dass man zum Beispiel neben sicheren Anlagen, die leider zinslos sind, auch Anlagen hat, die Rendite versprechen. Aber die eben auch Schwankungen haben. Und diese Schwankungen gleichen sich erst über einen längeren Zeitraum aus. Auf der einen Seite kann ich mir also noch ein Tagesgeld oder Festgeld-Konto mit immerhin noch ein paar Zinsen suchen. Die gibt es oft noch bei Direkt-Banken, nicht mehr bei den klassischen Filialbanken. Und auf der anderen Seite könnte ich so etwas wie einen Fond-Sparplan machen. Der geht zwar ein bisschen hoch und runter, aber der gibt mir eben eine gewisse Rendite, die die fehlenden Zinsen auf dem sicheren Sparkonto wieder ausgleicht.
Was sagen Sie zu der Idee, sein Geld zum Beispiel in Gold zu investieren und das dann in einem Tresor liegen zu lassen? Ist das eine Alternative?
Gold ist ja ein Rohstoff, da können sie auch andere Rohstoffe kaufen. Den Gewinn macht man nicht, weil man da Zinsen erwartet. Sondern Gewinn macht man eigentlich nur, wenn man das günstig kauft und dann teuer verkauft. Und das hat eine gewisse Spekulation: Man hofft, dass der Goldkurs auch steigt. Und dieser Kurs kann sehr stark schwanken. Dann habe ich eventuell für sehr lange Zeit auch keinen Ertrag und auch keinen Inflationsschutz, weil ich keine Zinsen bekomme und keine Rendite habe. Deswegen kann man Gold mitnehmen, wenn man jetzt sagt: Ich habe ein bisschen mehr, ich kann ein Zehntel meines Geldes schon in Gold anlegen. Aber es kann nie der Hauptzweck des Sparens sein, sondern nur eine Rücklage.

Man hat das Gefühl, viele stecken den Kopf in die Sandwüste, die Zinswüste. Und die lassen viel, viel Geld einfach auf Sparkonten liegen.

Portrait von Thomas Mai
Thomas Mai, Verbraucherzentrale Bremen
Wie sparen denn aktuell die meisten Menschen? Folgen die meisten Ihrem Rat oder müssen wir da noch lernen?
Man hat das Gefühl, viele stecken den Kopf in die Sandwüste, die Zinswüste. Und die lassen viel, viel Geld einfach auf Sparkonten liegen. Weil sie vielleicht sagen: Mensch, ich lasse das Geld jetzt liegen. Ich bin jetzt schon gesetzteren Alters, bei mir ist das nicht mehr wichtig. Ich will mich da jetzt gar nicht groß kümmern. Es ist ja schon etwas aufwändiger, sich statt des Sparbuchs eine andere Geldanlage zu suchen. Aber es gibt schon auch einen Trend, dass viele nach und nach zumindest mit einem Teil des Geldes auch Investment-Fonds oder Index-Fonds kaufen. Und da kann man auch sehr wenig Geld in sehr verschiedene Unternehmen anlegen. So kann man dann vermeiden, dass man die gesamten 50 Euro genau nur auf eine Aktie setzt, die dann den Bach runter geht.

Autorin

  • Rebecca Küsters

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 30. Oktober 2019, 19:30 Uhr