Fragen & Antworten

Space-Park-Rakete: So verrottet ein einstiges Wahrzeichen

Die 51 Meter hohe Ariane 4-Rakete war einst das Markenzeichen des Bremer Pleiteprojekts "Space Park". Seit zehn Jahren ist dort die Waterfront. Aber wo ist die Rakete?

Das abgebaute Modell einer Ariane-Rakete gammelt auf einem Lagerplatz im Hafen vor sich hin.
Nichts ist übrig vom alten Glanz. Die Rakete des Space Parks verrottet.

Er sollte das Wahrzeichen eines Erfolgprojekts werden: der Nachbau einer Ariane 4-Rakete im Bremer "Space Park". Doch der Freizeit- und Erlebnispark mit Science-Fiction--Atmosphäre war 2004 schon nach sieben Monaten pleite. Die Rakete stand symbolisch für das Scheitern des Großprojekts – vor genau zehn Jahren wurde sie abgebaut. Denn auf dem Gelände wurde vor genau zehn Jahren das Einkaufszentrum Waterfront eröffnet, der Space Park ist da schon längst Geschichte. Doch was passierte mit der 160.000-Euro-teuren Rakete?

Was ist überhaupt eine Ariane-Rakete?
Sie ist eine Trägerrakete, um Satelliten ins All zu schießen. Das Ariane-Programm wurde im Auftrag der Europäischen Union entwickelt, um Europa einen eigenen Zugang zum Weltraum zu sichern. Ihren ersten Flug absolvierte die Ariane 1 im Jahr 1979 vom europäischen Weltraumbahnhof Kourou in Französisch-Guayana. Zurzeit baut die Europäische Weltraumorganisation (ESA) eine Ariane 6. Sie soll im Juli 2020 zu ihrem Jungfernflug starten.
Warum stand sie denn im Space-Park?
Sie stand am Haupteingang des ehemaligen Space-Centers auf dem nach ihr benannten Ariane-Plaza. Die Rakete war Teil des Fahrgeschäfts "Space Shot". In diesem wurden Besucherinnen und Besucher mit einem mit Sitzplätzen ausgestattetem Lift in die Höhe gezogen, um dann wieder in Richtung Erde zu fallen. So sollten sie für einige Augenblicke das Gefühl der Schwerelosigkeit erleben.
Wo ist die Rakete heute?
2008 wurde der Space Park zur Waterfront umgebaut. Wenige Monate vor der Eröffnung des Einkaufszentrums wurde die Rakete demontiert und abtransportiert. Sie passte nicht ins neue maritime Shopping-Konzept des Betreibers. Seitdem lagert sie einen Kilometer Luftlinie entfernt auf dem Gelände des Logistik-Dienstleisters Leschaco. Dort verrottet der Stahl-Koloss unter freiem Himmel.
Wem gehört die Ariane?
Um die Besitzverhältnisse wurde viel spekuliert. Angeblich sei die Ariane 4 an einen Israeli verkauft worden. Der irische Finanzdienstleister LNC Property Group ließ den Space Park zur Waterfront umbauen und ist seitdem Eigentümer der Rakete. Als das Einkaufszentrum im Jahr 2015 weiterverkauft wurde, blieb sie im Besitz der Iren. Niemand hatte Interesse oder Bedarf an einem alten Raketen-Nachbau. Daran hat sich bis heute nichts geändert.
Kann man die nicht beim Raumfahrtskongress zeigen?
Wenn in wenigen Wochen der Internationale Astronauten Kongress in Bremen beginnt, könnte die Rakete zum Publikumsmagneten werden. Pressesprecherin Annika Teubner winkt auf Nachfrage lachend ab: "Wir werden ab September auf der Bürgerweide selbst einen Nachbau der Ariane präsentieren. Allerdings ein neueres Modell: Eine 20 Meter hohe Ariane 6."
Auch Ulrich Bremer vom Raumfahrthistorischen Archiv Bremen hat keinen Bedarf: "Das Riesending ist nur noch etwas für die Schrottpresse. Hier im Archiv haben wir Modelle der Ariane stehen, die sind aber eher so 30 bis 40 Zentimeter hoch." Auch bei Airbus besteht kein Interesse. Pressesprecherin Kirsten Leung: "Für das Modell haben wir hier wirklich keinen Platz. So nah am Flughafen dürfen wir keine so große Rakete aufstellen. Sie würde den Luftverkehr gefährden."

Für das Modell haben wir hier wirklich keinen Platz. So nah am Flughafen dürfen wir keine so große Rakete aufstellen. Sie würde den Luftverkehr gefährden.

Kirsten Leung, Sprecherin Airbus
Die war doch ziemlich teuer, oder?
Gebaut hat die Rakete die Firma Hilgefort aus Dinklage im Jahr 2002. Nach eigenen Angaben in Originalgröße und Originaloptik. Geschätzter Auftragswert: 159.000 Euro. Der Hersteller sieht keine guten Chancen, die demontierte Rakete wieder zum Einsatz zu bringen. Sprecher Jörg Wittig teilt mit: "Wenn man das Ding neu aufstellt, müsste man wieder bei Null anfangen. Da brauchen Sie Ingenieure und Statiker, damit die Rakete bei Wind nicht umfällt. Das ist gar nicht so einfach und kostet viel Geld."
Ein Fall für die Schrottpresse – oder kann sie irgendwie noch genutzt werden?
Durchstarten wird die alte Rakete vom Space Park vermutlich nicht mehr. Ihren letzten großen Auftritt hatte sie im Musikvideo des Bremer Hiphop-Newcomers Skinny Black Boy. Der rappt passend zu seinem Lied "Up in the Sky" auf der demontierten Ariane 4. Im Video steigt sie dann noch mal in den Himmel auf, um am Ende brennend abzustürzen.

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  • Sebastian Heidelberger

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Morgen, 12. September 2018, 8:45 Uhr