Fragen & Antworten

Für immer Sommerzeit – warum Forscher davor warnen

Es kann jetzt schnell gehen: Schon 2019 könnte es in Europa mit der Zeitumstellung vorbei sein. Doch Bremer Mediziner sehen zahlreiche gesundheitliche Risiken.

Eine Frau liegt mit zerzausten Haaren im Bett und hält die Hand auf einem Wecker.
Dauerhafte Sommerzeit kann laut Forschern zu Müdigkeit und anderen Folgen führen. Bild: Imago | Rolf Kremming

Bei einer nicht-repräsentativen Umfrage unter Bürgern der Europäischen Union waren kürzlich vier von fünf Personen gegen die Zeitumstellung. Und von denen wollten die meisten, dass zukünftig immer die Sommerzeit gilt. Doch das könnte neue Probleme schaffen, warnen nun Experten.

Welche Bedenken haben die Wissenschaftler?
Es gibt sehr drastische Aussagen: So soll die ewige Sommerzeit mehr Diabetes, häufigere Depressionen, aber auch Schlaf- und Lernprobleme hervorbringen. Der Münchener Biologe Till Roenneberg vom Institut für medizinische Psychologie bringt es auf eine einfache Formel und sagt: 'Dann werden wir Europäer dicker, dümmer und grantiger.'
Wieso ist die Sommerzeit so unverträglich?
Das Problem ist der Schlafmangel: Wenn immer Sommerzeit ist, dann müssen die Menschen an vielen Tagen des Jahres im Dunkeln aufstehen. Das heißt, der Wecker klingelt für den Arbeitstag noch mitten in der biologischen Nacht. Und das ist nicht gut: 'Der Mensch ist ein tagaktives Tier', sagt Karen Hocker, Oberärztin im Schlaflabor am Bremer Krankenhaus St. Joseph-Stift. Die Arbeitszeiten sind bei den meisten Jobs in der Regel zwischen 9 und 17 Uhr. Und an vielen Tagen des Jahres würde man bei ewiger Sommerzeit deswegen dem natürlichen Rhythmus entgegen arbeiten, so Hocker.
Macht eine ständige Sommerzeit uns müde?
Ja! Denn Licht und Dunkelheit bestimmen unsere innere Uhr – also auch, wann wir wach und wann wir müde werden. Wenn am 1. Januar 2019 Sommerzeit wäre, dann würde die Sonne zum Beispiel in Bremen erst um 9:39 Uhr aufgehen – und das im tiefsten Winter. Andererseits geht sie aber auch erst gegen halb sechs am Abend wieder unter. Am 1. Juli wiederum wäre der Sonnenaufgang um fünf Uhr morgens und der Untergang erst um kurz vor zehn abends. Die Folge: Der Körper will abends noch länger aktiv sein, weil er sich nicht müde fühlt, obwohl es schon so spät ist. Dieser Schlaf fehlt dann natürlich am Morgen.
Ist eine dauerhafte Winterzeit die bessere Lösung?
Dies ist zumindest die Empfehlung der meisten Schlaf-Experten. Und auch die Oberärztin Karen Hocker sagt, dass die Winterzeit nicht so sehr gegen den natürlichen Rhythmus des Menschen geht. Wie auch immer: In diesem Jahr werden die Uhren noch einmal umgestellt, nämlich am 28. Oktober – um eine Stunde zurück.
  • Folkert Lenz

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, 13. September, 15:20 Uhr