Worauf Sie beim Baden in Bremens Seen achten sollten

Ein Kind mit Schwimmflügeln geht in einen See
Bild: Imago/HMB-Media | Heiko Becker
Bild: Imago/HMB-Media | Heiko Becker

Der tödliche Badeunfall im Achterdieksee war der erste in Bremen in diesem Jahr. Wieso kommt es immer wieder zu solchen Unfällen und worauf sollte man achten?

In den letzten Jahren ist die Zahl der Badetoten in Bremen zurückgegangen: Im vergangenen Jahr waren es – wie 2019 – zwei tödliche Badeunfälle, 2018 waren es noch neun gewesen. Aber auch wenn die Zahlen zurückgehen: Verbände wie die Deutsche Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) warnen immer wieder davor, dass immer weniger Menschen schwimmen lernen, unter anderem weil immer mehr Bäder schließen oder marode sind. Hinzu kommt, dass wegen Corona zahlreiche Schwimmkurse ausgefallen sind.

Risikofaktoren Alkohol und Selbstüberschätzung

Rund 200 Einsätze hat die DLRG normalerweise pro Jahr, davon 30 auch mit Rettungstauchern. Häufig müssen Nichtschwimmer gerettet werden, die von der Beschaffenheit in Baggerseen überrascht werden: flaches Ufergebiet mit einer plötzlichen Abbruchkante, wo der See plötzlich mehrere Meter tief ist – lebensgefährlich für Nichtschwimmer.

Auch Alkohol spielt immer mal wieder eine Rolle bei Badeunfällen, Betrunkene gehen ins Wasser, verlieren die Kontrolle und treiben ab, sagt Philipp Postulka von der DLRG in Bremen. Hinzu kommt bei vielen eine Selbstüberschätzung der eigenen Schwimmfähigkeiten.

Oft ist es Selbstüberschätzung, auch bei ganz vielen die wir retten. Die schwimmen dann los an den Badeseen, das sieht alles nicht so weit aus und dann ist die Entfernung zur Badeplattform oder zum Ufer, gerade wenn man einmal über den See schwimmen will, natürlich zu beiden Seiten gleich lang. Und wenn man dann erschöpft ist, einen die Kräfte im Stich lassen, aber auch wenn man Krämpfe kriegt, dann wird es sehr gefährlich.

Philipp Postulka, DLRG Bremen

Gerade an der Weser sei es wegen Strömungen oder durch den Sog vorbeifahrender Schiffe immer wieder gefährlich, dort abgetrieben zu werden, sagt Postulka. Da rate die DLRG auch explizit von ab, dort zu baden. An der Weser gibt es zudem nur inoffizielle Badestellen, die also nicht gesichert sind. gefährlich kann es auch an den acht Bremer Badeseen werden. Dort ist allerdings die DLRG vor Ort. An einigen Seen gebt es auch Nichtschwimmerbereiche, die eigens abgegrenzt sind. Die Struktur von Badeseeen macht sie vor allem für Nichtschwimmer gefährlich.

Die Baggerseen in Bremen sind künstlich geschaffen, wenn man da zehn bis 15 Meter in den See reingeht, dann geht es plötzlich von einem halben Meter Wassertiefe auf 8 bis 10 Meter runter. Wer da nicht schwimmen kann, der kann sich nicht über Wasser halten und geht einfach unter

Philipp Postulka, DLRG Bremen

Anteil der Nichtschwimmer rapide gestiegen

Gerade an denn Badeseen ist die DLRG sehr oft im Einsatz, alles Ehrenamtliche, die in ihrer Freizeit helfen. Aktuell sei die DLRG gut besetzt, sagt Postulka, 20.000 Stunden seien sie normalerweise an den Bremer Seen pro Jahr vor Ort, allerdigs natürlich nicht rund um die Uhr. Hinzu komme, dass sich die Lage deutlich verändert habe, erklärt Postulka: "Die DLRG stellt an den Badeseen in Bremen im Wasserrettungsdienst fest, dass viele Leute nur schlecht schwimmen können, manche können gar nicht schwimmen, halten sich nur im Uferbereich auf und kühlen sich ab."

Das sei ein bundesweiter Trend: Die DLRG hat in Umfragen festgestellt, dass nur noch jedes zweite Kind in Deutschland sicher genug schwimmen kann, um den sogenannten Freischwimmer zu haben. Ende der 1990er Jahre lag die Quote noch bei knapp 100 Prozent. Deshalb setzt sich die DLRG zusammen mit anderen Vereinen dafür ein, dass es künftig auch Schwimmausbildung in den Badeseen und nicht nur in den Schwimmbädern gibt, um die Leute einfach sicherer zu machen, wenn mal kein Rettungsschwimmer vor Ort ist. Folgende Faustregeln müssten immer beachtet werden: die Baderegeln beachten, vorsichtig sein und Nichtschwimmer oder schlechte Schwimmer –egal wie alt – sollten sich nur in den entsprechenden Bereichen aufhalten.

Politik geht das Thema an

Die Politik versucht gegenzusteuern. Im vergangenen Jahr gab es den sogenannten Schwimmgipfel mit Vereinen, der DLRG und der Bädergesellschaft. Das Ziel: mehr Kinder so früh wie möglich ans Schwimmen heranführen. Deswegen sollen ab Herbst Schwimmkurse in den Schulen schon ab der 2. Klasse stattfinden und um 15 Minuten pro Woche verlängert werden, außerdem gibt es Ferienprogramme, um möglichst vielen Kindern den Zugang zu solchen Kursen zu ermöglichen

Weil es auch immer Fälle gab, bei denen Geflüchtete Badeunfälle hatten, ist die Bremer Sozialbehörde nach eigenen Angaben auch verstärkt in Flüchtlingsheime gegangen, um dort aufzuklären. Die DLRG hat zudem verstärkt Infomaterial in verschiedenen Sprachen rausgegeben und verdeuticht an Badestellen die Regeln mit Piktogrammen, damit es möglichst viele Menschen verstehen. Aktuell läuft auch eine Plakatkampagne namens 1000 Abzeichen, die sich auch gezielt an Erwachsene wendet.

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Autorin

  • Lisa-Maria Röhling Autorin

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Der Nachmittag, 16. Juni 2021, 17:40 Uhr