Einsatz unter Wasser: Tauchroboter inspiziert die Seute Deern

Jeder weiß, wie das marode Schiff oberhalb der Wasseroberfläche aussieht. Nun haben Bremerhavener Studenten Unterwasser-Aufnahmen gemacht – mit einer erstaunlichen Erkenntnis.

Unterwasseraufnahme von einer von Pflanzen bewachsenen Fläche.
Bild: Hochschule Bremerhaven/ DMS

Ein 100 Jahre altes Schiff und ein High-Tech-Tauchroboter finden in Bremerhaven zusammen. Genauer: das Deutsche Schifffahrtsmuseum, zu dem die sanierungsbedürftige Seute Deern gehört, und Studierende des Studiengangs Maritime Technologie an der Hochschule. Noch ist unklar, wie das Wahrzeichen der Stadt saniert werden soll, auch weil der Zustand des Dreimasters unter Wasser bisher nicht einsehbar war.

Aufnahme eines Tauchroboters von der Seute Deern
Das Schiff ist unter Wasser so stark bewachsen, dass man kaum die Planken sieht.

Mit Bildschirmen und Beamer rückten nun Studierende an, richteten sich unter Deck der Seute Deeren ein und legten los mit ihrer Mission. Der etwa 12 Kilogramm schwere Unterwasserroboter von der Größe eines Standard-Postpakets wurde der Hochschule kürzlich gestiftet. Er hat einen Wert von rund 10.000 Euro. Voll bepackt mit moderner Technik liefert er nun seltene Einblicke. "Es ist erstaunlich viel Bewuchs", stellt Studentin Kimberly Henschke fest, die das sogenannte "Remotely Operated Vehicle" mit einem Game Controller steuert.

So viel erkennt man dann leider doch nicht von den Planken. Ab und zu sieht man mal ein paar Fische oder Quallen.

Kimberly Henschke, Studentin
An Deck der Seute Deern steht die Crew des Unterwasserroboter-Projekts
Die Studenten Caspar Ebner, Andreas Bauhammer und Kimberly Henschke stehen neben Jan Boelmann von der Hochschule und Lars Kröger vom Schifffahrtsmuseum.

Zustande kam die Kooperation quasi auf kurzem Dienstwege. Man kennt sich am kompakten Wissenschaftsstandort in Bremerhaven, die Seute Deern liegt auf der anderen Straßenseite der Hochschule. Als Student Andreas Bauhammer den Roboter auf der Suche nach einer praktischen Anwendung dort ins Gespräch brachte, war Lars Kröger sofort interessiert. Er ist beim Schifffahrtsmuseum Projektleiter für die Seute Deern und für deren Sanierung.

Wir haben das große Problem, dass wir nicht wissen, wie das Schiff unter Wasser aussieht. Das würden wir erst dann herauskriegen, wenn das Schiff gedockt ist und dann ist es eigentlich für die Planung zu spät.

Lars Kröger, Deutsches Schifffahrtsmuseum

Die Zusammenarbeit laufe nun im kollegialen Austausch, so Kröger. Ohne, dass Gelder fließen. Denn dann wäre der Erwartungsdruck zu hoch, um die Technologie ungezwungen zu erproben. Lediglich einige Credit Points für die Studienleistung gehen auf das Konto der Studierenden.

Zwei Studenten holen von einem Ruderboot aus den Tauchroboter aus dem Wasser
Ab ins Ruderboot: Studierende ziehen den Tauchroboter aus dem Wasser.

Für die Planung der Sanierung stehen 1,4 Millionen Euro von Bund, Land Bremen und Stadt Bremerhaven zur Verfügung, dieser Topf bleibt also zunächst unberührt. In dem Roboter-Projekt sieht Jan Boelmann, Laboringenieur für Meerestechnik an der Hochschule, vor allem eine Chance für die Studierenden. "Es ist wertvoll, weil sie das, was sie lernen, praktisch anwenden, sich selbst ausbilden und forschende Lehre betreiben können." Angetrieben von acht Motoren zieht der Tauchroboter mit dem Spitznamen "Sunni" agil seine Kreise in dem vier bis fünf Meter tiefen Becken des Museumshafens und liefert Bilder in HD-Qualität.

Vor allem Bilder von reichlich Pflanzen. "Die erste Erkenntnis ist, dass das Schiff sehr stark bewachsen ist", sagt nach Studentin Henschke auch Projektleiter Kröger.

Das ist nicht direkt überraschend, aber ich habe gehofft, dass wir in manchen Bereichen etwas weniger Bewuchs haben und uns die Holzstruktur genauer angucken können.

Lars Kröger, Deutsches Schifffahrtsmusem

Gut zu sehen sei der Übergang zwischen dem später eingebauten Stahlkiel und der Holzstruktur. Hier wolle man Ausschau nach Schadstellen halten. Auch habe man widerlegen können, dass das Schiff bereits im Schlick läge, wie bereits in der Stadt geunkt werde – bis zum Grund seien noch 80 Zentimeter Platz. Es gibt die Idee, gegen das stetig einsickernde Wasser zeitweilig ein Lecksegel einzuziehen – auch hierfür sind die Aufnahmen hilfreich. Auf lange Sicht könnte die Seute Deern trocken gelegt und vor den Augen der Besucher saniert werden. Dann sind die Studierenden mit ihrem Unterwasserroboter längst weitergezogen.

  • Joschka Schmitt

Dieses Thema im Programm: Der Nachmittag, Bremen Eins, 12. Juli 2019, 15:15 Uhr