Holzsegler "Seute Deern": Bekommt Bremerhaven Nachfolgebau aus Stahl?

Der Wissenschaftsausschuss des Landes befasst sich heute mit dem Nachfolgebau des Museumsschiffes. Die einzig bezahlbare Variante soll 34 Millionen Euro kosten.

Das Heck eines Holzschiffes liegt in einem Trockenbecken.
Eine Restaurierung "Seute Deern" kam laut Bericht nicht in Frage, die Holzstruktur des Schiffes ist durch Verrottung fast vollständig zerstört. (Archivbild) Bild: Radio Bremen | Martina Niemann

Nachfolger des in Bremerhaven havarierten Holzseglers "Seute Deern" könnte ein nicht segelfähiger Stahlbau nach Vorbild eines anderen Schiffes werden. Das geht aus dem zweiten Zwischenbericht hervor, den Wissenschaftssenatorin Claudia Schilling (SPD) am Nachmittag in den Wissenschaftsausschuss des Landes einbringt. Darin werden Auszüge einer im Mai für knapp 120.000 Euro vom Bremerhavener Magistrat beauftragten Variantenprüfung aufgeführt. Ein Sprecher kritisierte, dass das Wissenschaftsressort bereits Details herausgegeben hat. Oberbürgermister Melf Grantz (SPD) will die Möglichkeiten am Freitag vorstellen. Der Bund der Steuerzahler fordert eine Abkehr von dem Ersatzbau mit Steuergeldern. Inmitten der Corona-Krise gehöre das Projekt nicht zu den drängendsten Staatsaufgaben.

Stahlbau soll anderes Vorbild als "Seute Deern" bekommen

In dem von Schilling vorgelegten Papier werden mehrere untersuchte Versionen genannt, drei aus Holz und drei aus Stahl. Fünf davon sollen jeweils zwischen 44 und 54 Millionen Euro kosten und bei Bauzeiten von bis zu zwölf Jahren liegen. Sie scheiden laut Bericht aufgrund hoher Kosten aus. Übrig bleibt ein fest im Wasser liegendes Stahlschiff mit zwei bis drei Jahren Bauzeit. Die Kosten dafür sollen sich auf rund 34 Millionen Euro belaufen. Da die Besonderheit der "Seute Deern" jedoch ihre Holzbauweise war, solle sich ein Stahlbau laut Bericht an einem anderen historischen Vorbild orientieren: nach dem Vorschlag der Gutachter ein Dreimaster mit Bremerhavener Werfttradition.

Bund hatte 46 Millionen Euro für Schifffahrtsmuseum zugesagt

Inklusive Kosten für eine Ausstellung sowie Restaurierung der Museumsflotte des Deutschen Schifffahrtsmuseums bliebe das Paket im Rahmen der vom Bund zugesagten Gelder, rund 46 Millionen Euro. Um die veranschlagten Betriebs- und Instandhaltungskosten von bis zu 600.000 Euro pro Jahr auffangen zu können, werden laut Bericht Eintrittsgelder oder eine Gastronomienutzung empfohlen.

Die "Seute Deern" gilt als Wahrzeichen Bremerhavens. Sie war Anfang 2019 zunächst in Brand geraten und vor einem Jahr im Alten Hafen gesunken. Inzwischen wartet das Schiff darauf abgewrackt zu werden.

Rückblick: Ein Blick ins Innere der "Seute Deern" in Bremerhaven

Video vom 27. August 2020
Der Innenraum der Seute Deern ist sichtlich in Mitleidenschaft gezogen.
Bild: Radio Bremen

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  • Joschka Schmitt Redakteur und Autor

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Nachrichten, 30. September 2020, 6 Uhr