Ist die "Seute Deern" so viel wert? Das sagen Bremerhavener und Bremer

Für Bergung und Sanierung des Bremerhavener Wahrzeichens "Seute Deern" fallen Millionen Euro öffentlicher Gelder an. Was meinen die Leute auf der Straße dazu?

Das Segelschiff Seute Deern liegt halb unter Wasser im Hafenbecken.
Das marode Wahrzeichen Bremerhavens ist im Alten Hafen abgesunken. Sind Bergung und Sanierung viele öffentliche Millionen wert?

Nach Feuer und Wassereinbruch auf dem Dreimaster fließen hohe Summen aus öffentlicher Hand. Von den 1,1 Millionen Euro Bergungskosten übernimmt das Land Bremen 90 Prozent, Bremerhaven den Rest. Für die dann anstehende Sanierung sind mehr als 30 Millionen Euro veranschlagt. Eine Hälfte soll der Bund tragen, die andere teilen sich Land und Stadt. Ist der Traditionssegler das wert oder sollte er abgewrackt werden?

Das meinen Bremerhavener

Fragt man Bremerhavener, herrscht geteilte Meinung. "Ich würde es natürlich als Bremerhavener befürworten, dass die 'Seute Deern' wieder da ist, wie sie ist", sagt ein Mann.

Ich bin total enttäuscht, frustriert und sauer, dass man so lange gewartet hat, bis es so teuer geworden ist. Man hätte schon früher reparieren und sanieren können.

Passant aus Bremerhaven

Es lohne sich nun nicht mehr, meint eine Frau. Man hätte eher etwas tun sollen. Das Geld sei jetzt bei Kindern besser aufgehoben. In diese Richtung äußert sich auch ein weiterer Passant. Doch es gibt auch viele Stimmen, die die "Seute Deern" nicht verloren geben mögen. "Mein Cousin aus Halle hat mich angerufen und gefragt: 'Was macht ihr in Bremerhaven mit eurem schönen Schiff?'", berichtet eine Frau.

Ganz Deutschland blickt auf die "Seute Deern". Die 30 Millionen sollten schon investiert werden, um dieses einmalige Schiff zu erhalten.

Passantin aus Bremerhaven

Das sagen Bremer

Auf die hohen Kosten angesprochen, heißt es von einer Frau in Bremen: "30 Millionen sind irgendwie nicht mehr angemessen für diese Reparatur. Obwohl es eigentlich ein schönes Schiff war und ein Highlight im Hafen." Zu einer gespaltenen Seele bekennt sich ein anderer Bremer: Es sei wirklich viel Geld, aber das Schiff abzuwracken sei auch schade. Ein weiterer Mann meint: "Es ist aber auch ein Wahrzeichen von Bremerhaven. Die 'Seute Deern' ist bekannt." Dann zieht er Parallelen zu den Investitionen ganz in der Nähe.

Die Elbphilharmonnie hat 850 Millionen gekostet und sollte mal 160 Millionen kosten. Bremen ist natürlich nicht Hamburg, hat nicht das Geld dafür. Ich weiß es nicht, muss ich ehrlich sagen.

Passant aus Bremen

Eine Bremerin weist auf die Tradition hin und erinnert sich an Feiern und Mahlzeiten an Bord. Doch dann sagt sie: "Das Geld kann man anders anlegen. Gerade in Bremerhaven. Vielleicht in die Bildung stecken, Kindergärten, Pflege, das wäre noch ein bisschen sinniger." Weitere Passanten äußern sich Pro und Contra Sanierung. Schließlich resümiert ein Bremer: Man solle nicht so schnell 'Ja' oder 'Nein' sagen. Man müsse sich das gut überlegen.

Autor

  • Joschka Schmitt

Dieses Thema im Programm: Der Mittag, Bremen Eins, 5. September 2019, 12:40 Uhr