"Seute Deern": Das traurige Ende des Bremerhavener Traditionsseglers

Die "Seute Deern" war der Stolz von Bremerhaven. Aber das Schiff war auch seit seinem Bau 1919 ein Sorgenkind — bis es sank und nicht mehr zu retten war.

Das Schiff "Seute Deern" in Bremerhaven, umgeben von Baggern.
Bild: Radio Bremen

Wie ist der aktuelle Stand?

Das Ende einer 100-jährigen Segler-Geschichte: Im März 2020 wurde der Bremerhavener Traditionssegler "Seute Deern" auf seiner letzten Fahrt zum Abwrack-Platz verholt. Per Seilwinde zog ein Kran das Schiff zur Baltimore-Pier, der Transport verlief laut Bremeports ohne Zwischenfälle. Das Schiff liegt nun rund 150 Meter südlich von seinem bisherigen Platz. Dort hatte das historische Schiff jahrzehntelang seine Liegestelle. Es galt als eine maritime Ikone der Stadt. Nun soll das am Rand des Alten Hafens gelegene Becken mit Containern und großen Sandsäcken abgedichtet und vom Alten Hafen abgetrennt werden. Anschließend soll die "Seute Deern" hier abgewrackt werden.

Warum muss die "Seute Deern" abgewrackt werden?

Nachdem der Windjammer im Museumshafen gesunken war, kam ein Gutachten zu dem Schluss, dass das Schiff ein "konstruktiver Totalschaden" sei. Die Gefahr sei groß, dass das Schiff auf dem Weg in eine Werft nicht schaffe. Eine Sanierung käme einem Neubau gleich. So war das Abwracken die einzige vebleibende Option.

Wer zahlt die Kosten?

Die Kosten für das Ende der "Seute Deern" gehen in die Millionen – wer dafür aufkommt, ist allerdings noch unklar. Nach buten un binnen-Informationen soll allein das Abwracken bis zu drei Millionen Euro kosten. Zusammen mit den Kosten für die Bergung 2019 könnten sich die Gesamtkosten auf fünf Millionen Euro erhöhen.

Millionenzusage für Sanierung der Seute Deern

Video vom 28. Juni 2018
Das Schiff "Seute Deern" im Bremerhavener Hafen.
Bild: Radio Bremen

Wird die "Seute Deern" wieder aufgebaut?

Der Haushaltsausschuss des Bundestages hat Ende 2019 47 Millionen Euro freigegeben, die unter anderem für den Wiederaufbau der "Seute Deern" genutzt werden sollen. Eine endgültige Entscheidung für einen Wiederaufbau gibt es allerdings noch nicht. Im Januar beriet eine Lenkungsgruppe über die Verwendung der Gelder. Der ehemalige SPD-Bundestagsabgeordnete Uwe Beckmeyer hält als Koordinator die Fäden für die Diskussion um die Zukunft der "Seute Deern" in der Hand. Gleichzeitig sind die Pläne für einen Neubau umstritten. So habe das Schiffahrtsmuseum nicht genügend Mittel, um notwendige laufende Instandsetzungen zu bezahlen. Im März 2020 hatte der Bremer Senat angekündigt, kein weiteres Geld für den Neubau des Traditionsseglers bereit zu stellen.

Warum ist die "Seute Deern" gesunken?

Das historische Segelschiff "Seute Deern" ist in der Nacht auf den 31. August 2019 im Alten Hafen in Bremerhaven auf den Grund des Hafenbeckens gesunken. Ursache war massiver Wassereinbruch. Die Pumpen, die seit Jahren rund um die Uhr das eingedrungene Wasser aus dem Schiff pumpen, waren ausgefallen.

Ein juristisches Gutachten kam im Sommer 2020 zu dem Schluss, dass die Leitung des Deutschen Schifffahrtsmuseums (DSM) in Bremerhaven die Havarie der "Seute Deern" nicht vorhersehen konnte. Die Bremerhavener CDU fordert jedoch weitere Aufklärung.

Bremerhavener Museumsschiff "Seute Deern" auf Grund gelaufen

Video vom 31. August 2019
Die Seute Deern mit Schlagseite
Bild: Radio Bremen

Die turbulente Geschichte "Seute Deern"

Das Segelschiff Seute Deern
Bild: Radio Bremen

Die "Seute Deern" läuft 1919 im US-Bundesstaat Mississippi vom Stapel. Damals heißt sie noch "Elisabeth Bandi". Doch sie ist von Anfang an ein kolossaler Anachronismus: Hölzerne Großsegler wurden damals schon lange nicht mehr gebaut. Dass sie aus frischem Holz bestand und keinen Wurmschutz hatte, machte die Sache nicht besser. Die "Elisabeth Bandi" wurde als Gaffelschoner zum Transport von Holz eingesetzt und machte von Anfang an Ärger. Reparaturen wurden fast nach jeder Fahrt fällig, schon damals musste ständig Wasser aus dem Rumpf gepumpt werden.

1966 kommt das Schiff an der Wesermündung. Seitdem liegt es als Schiffs-Restaurant an seinem Liegeplatz im Alten Hafen. 1972, kurz nach der Gründung des Deutschen Schifffahrtsmuseums, schenkt die Stadt die "Seute Deern" der neuen Institution. Nun ist die "Deern" zwar immer noch Restaurantschiff, zugleich aber ein Schiff der historischen Museumsflotte. Bremen und Bremerhaven finanzieren eine Grundsanierung der Bark.

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Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 29. Juni 2020, 19.30 Uhr

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