So soll die riskante Bergung der "Seute Deern" in Bremerhaven laufen

Schon heute soll ein Tauchroboter den Rumpf des havarierten Seglers untersuchen. Doch ob das Schiff die Bergung übersteht, ist offen. Den Großteil der Kosten trägt das Land Bremen.

Ein Bild des Schiffes Seute- Deern.

Die Bergung des havarierten Traditionsseglers "Seute Deern" in Bremerhaven rückt näher. Nachdem die Senatorin für Wissenschaft und Häfen, Claudia Schilling (SPD), dem Deutschen Schifffahrtsmuseum (DSM) heute die Übernahme von 90 Prozent der geplanten Bergungskosten zugesichert hat, beginnen schon am Donnerstagmorgen erste Arbeiten.

Dem Museum zufolge soll ein Tauchroboter den Rumpf des gesunkenen Traditionsseglers untersuchen. Die gesamte Bergung des Schiffes soll nach ersten Schätzungen 1,1 Millionen Euro kosten. Bremerhaven will davon zehn Prozent übernehmen, das Land Bremen den Rest.

Wir fangen mit einem Roboter an. Wir schicken in dieser Situation keine Taucher.

Hans-Joachim Möller, Sachverständiger

Erst nach einer gelungenen Bergung zeigt sich, ob und wie die Bark saniert werden kann. Die Vorbereitungen dafür laufen auf Hochtouren. Freitagnacht war das Schiff infolge ausgefallener Pumpen abgesackt. Nun liegt es seitlich geneigt aber stabil im Schlamm des Hafenbeckens vor dem Schifffahrtsmuseum, zu dem der Dreimaster gehört. Bei einem Wetterumschwung ist jedoch "Gefahr im Verzug", sagte der zuständige Sachverständige Hans-Joachim Möller. Darum sollen die Maßnahmen nun schnellstmöglich anlaufen.

Schiff könnte auseinanderbrechen

Drei Männer stehen vor der Seuten Deern am Hafenbecken.
DSM-Projektleiter Lars Kröger, DSM-Geschäftsführer Konrad Otten und der Sachverständige Hans-Joachim Möller arbeiten an der Rettung der havarierten "Seute Deern".

Eine Schiffsbergung sei immer ein "50:50-Geschäft", sagte Möller. Es sei nicht ausgeschlossen, dass der denkmalgeschützte Traditionssegler bei der geplanten Aktion auseinanderbreche. "Ich bin immer Optimist", fügte der Kapitän jedoch hinzu.

Experte Möller war noch Freitagnacht zur Unglücksstelle gerufen worden. Der Kapitän hat mehr als 40 Jahre Erfahrung im Bergen von Schiffen, von völlig versunken bis brennend, sagte er. Sein Konzept für die "Seute Deern" stehe seit Montagabend und könne bei unvorhergesehenen Problemen jederzeit angepasst werden. Denn noch stehen alle Beteiligten vor einem Rätsel: Wie es unter der Wasseroberfläche aussieht, ist völlig unklar. "Wir fangen mit einem Roboter an", sagt Möller. "Wir schicken in dieser Situation keine Taucher." Dabei kommt es zur Zusammenarbeit mit der Hochschule Bremerhaven.

Masten müssen demontiert werden

Der Dreimaster Seute Deern liegt abgesackt tief im Wasser des Hafenbeckens.
Nach dem Wassereinbruch ist der Dreimaster abgesackt und liegt nun zwei Meter tiefer im Schlamm des Hafenbeckens.

Anschließend müssen die originalen Masten aus den 1930er-Jahren laut Möller größtenteils demontiert werden. Dabei werde mit zwei Kränen vom Wasser und vom Land aus gearbeitet – aufgrund der schmalen Zufahrt zum Alten Hafen jedoch nicht mit ganz großem Gerät. Dafür müssen auch andere Schiffe umgelegt werden, erklärt DSM-Geschäftsführer Konrad Otten.

Schließlich sollen Luftkissen auf beiden Seiten der "Seute Deern" angebracht werden. "Wir hoffen, dass das Schiff nach 20 Tagen wieder schwimmt", sagt Möller. Er sei zuversichtlich, dass dies gelänge.

Suche nach der Ursache läuft

Der Zugangssteg führt statt aufs Schiff ins Wasser.
Derzeit führt der "Seute Deern"-Steg ins Wasser.

Auch mit der Ursachenforschung ist Möller beauftragt und positiv gestimmt: "Eine Vermutung wäre, dass die Brandstelle damit zu tun hat." Er wolle jedoch nicht spekulieren. Er sei aber sicher, dass eine Ursache gefunden werde.

Bei dieser Frage geht es um viel Geld. Denn das Schiff ist nach Auskunft des DSM nicht gegen eine Havarie wie am Freitagabend versichert. Die Prämie für eine solche Versicherung wäre kaum bezahlbar gewesen, sagte die Museums-Geschäftsführung zu buten un binnen. Sollte die Havarie aber Folge des Brandes an Bord der "Seuten Deern" im Februar sein, sei die Versicherung wieder im Boot.

Man kann das Schiff gegen Wassereinbruch versichern, aber da die Probleme ja schon über viele Jahrzehnte bekannt sind, hätte jede Versicherung die Finger davon gelassen.

DSM-Geschäftsführer Konrad Otten

Einen schwelenden Streit mit der Versicherung gebe es in dieser Sache nicht, betont Otten. Ein Gutachten liege vor, werfe jedoch Fragen auf. Darum sei ein zweites auf den Weg gebracht worden, das sich nun verzögere. Man gehe hierbei von einem Schaden in Höhe von mindestens 700.000 Euro aus, allerdings mit dicken Fragezeichen. Unter anderem sei zu berücksichtigen, welchen komplexen Wert das Schiff als Kulturgut habe, so DSM-Projektleiter Lars Kröger. Außerdem seien Experten schwer zu finden, da solche Schiffe in Deutschland nicht mehr gebaut würden.

"Wenn wir maritime Kultur in Bremerhaven erhalten wollen, gehört die Seute Deern dazu", sagt Möller. Er selbst sei oft im Restaurant des Schiffes essen gewesen und kenne den emotionalen Wert des Seglers für die Bremerhavener.

  • Joschka Schmitt

Dieses Thema im Programm: Die Rundschau am Mittag, Bremen Eins, 4. September 2019, 12:07 Uhr