Interview

Museumsdirektorin: So geht es mit der "Seute Deern" weiter

Bremerhavens Wahrzeichen wird abgewrackt, das hat der Stiftungsrat des Schifffahrtmuseums entschieden. Was bedeutet das und wie hätte es verhindert werden können?

Der Schlauch einer Pumpe auf der Seute Deern

Nach langem Ringen um den schwer beschädigten Traditionssegler "Seute Deern" fiel am Mittwoch die Entscheidung: Das Schiff wird vor Ort im Museumshafen demontiert. Wer die Kosten des Verschrottens in Höhe von geschätzt 2,5 Millionen Euro trägt, ist noch offen. Die geschäftsführende Direktorin des Deutschen Schifffahrtsmuseums in Bremerhaven, Sunhild Kleingärtner, sagt, wie es nun weitergeht.

Welche Bedeutung hat der Beschluss für das Schifffahrtsmuseum und wie wird er begründet?
Ich danke dem Stiftungsrat für die konstruktive Sitzung. Wir bedauern zutiefst, dass es so weit gekommen ist. Wir sehen aber die Notwendigkeit des Handelns, denn momentan ist Gefahr im Verzug und die Kosten fangen an zu explodieren. Somit sind wir froh, die Unterstützung durch den Stiftungsrat zu haben.
Eine Frau blickt nachdenklich in die Ferne.
Sunhild Kleingärtner ist seit 2013 geschäftsführende Direktorin des Deutschen Schifffahrtsmuseums. Bild: DPA | Ingo Wagner
Was hätte in der Vergangenheit besser oder anders gemacht werden können?
Die "Seute Deern" war da, bevor es das Deutsche Schifffahrtsmuseum überhaupt gab. Mit der Gründung des Museums haben wir dieses Schiff von der Stadt Bremerhaven geschenkt bekommen. Wie das so ist: Man muss ein Schiff erhalten, man muss Energie hineinstecken. Man muss aber auch Rahmenbedingungen haben, die es einem ermöglichen, diese verantwortungsvolle Aufgabe wahrzunehmen. Vor 20, 30 Jahren haben viele Museen die Entscheidung gefällt, Holzschiffe in Trockendocks oder anderswo aufzustellen, aber nicht mehr im Wasser zu lassen. Diese Entscheidungen sind hier damals nicht getroffen worden. Dann hat es verschiedene Restaurierungsphasen gegeben, allerdings immer nur in Folge zusätzlich eingeworbenen Geldes. Bisher war nie die Situation, dass dieser Museumshafen wirklich strukturell ausfinanziert wurde. In jeder Krise liegt eine Chance: Wir hoffen jetzt, dass der Fokus auf den Museumshafen insgesamt gerichtet wird und die anderen Schiffe die institutionellen Rahmenbedingungen auch monetär bekommen, die die "Seute Deern" nicht mehr hat genießen dürfen.
Heißt das, dass das Geld, das für die "Seuten Deern" schon genehmigt worden war, dem Museumshafen zugutekommt?
Das sind Gelder, über die nicht so einfach verfügt werden kann. Da bedarf es jetzt der Abstimmung. Zunächst einmal sind die Gelder allerdings objektbezogen bewilligt worden, nicht institutionell.
Wie geht es konkret weiter mit der "Seute Deern"?
Das Schiff liegt dort und wir werden es zunächst dokumentieren. Wir erwarten jetzt von Bremenports ein weiteres Konzept und werden dann gucken, wie wir es umsetzen können. Das Schiff ist tatsächlich mit einer Holzfäule versehen. Nun gilt es sorgfältig auszuwählen, welche Teile überhaupt genutzt werden können – nicht zuletzt aus gesundheitlichen Gründen. Was den Besuchern und Touristen ans Herz gewachsen ist, sind die Galionsfigur und andere, das Schiff kennzeichnende Teile – das Namensschild, die Wasserstandsmarken, der Kompass oder andere nautische Geräte. Wir haben eine ganze Liste vorliegen, die das Schiff identifizierbar machen. Das sind alles sehr wertvolle Stücke, die wir natürlich jetzt in unsere Sammlung übernehmen werden.

Dieses Thema im Programm: Nachrichten, Bremen Eins, 23. Oktober, 13:00 Uhr