Fragen & Antworten

So wird die asbestverseuchte "Seute Deern" in Bremerhaven abgewrackt

Im Bremerhavener Museumshafen wird der Traditionssegler jetzt zerlegt. Das soll ein halbes Jahr dauern, drei Millionen Euro kosten und birgt einige Probleme.

Der kaputte Rumpf eines Holzsegelschiffes liegt in einem mit Sand gefüllten Hafenbecken.
Monatelang hat die marode "Seute Deern" im Bremerhavener Museumshafen darauf gewartet, jetzt starten die Abwrackarbeiten. Bild: DPA | Sina Schuldt

Die Tage der "Seute Deern" in Bremerhaven sind endgültig gezählt, der Anfang vom Ende nimmt seinen Lauf. Am heutigen 4. Januar rückt die Abbruchfirma an, die den maroden Segler abwracken soll. Das historische Segelschiff von 1919 liegt seit Monaten in einer Ecke des Museumshafens auf einem eigens aufgeschütteten Sandbett auf dem Trockenen – sozusagen als Totenbett.

Das Wahrzeichen Bremerhavens war Ende August 2019 havariert und auf den Grund des Hafenbeckens gesunken. Ein halbes Jahr zuvor war an Bord ein Feuer ausgebrochen.

Wie laufen die Abwrackarbeiten ab, welche Besonderheiten gibt es?
Das ganze Schiff steckt voller Schadstoffe, die nicht in die Umgebung gelangen dürfen, weil sie so giftig sind. Darum wird ein Gerüst um die "Seute Deern" herum gebaut, wofür zunächst Stahlplatten ausgelegt werden. An der Konstruktion wird dann eine Plane zum Schutz installiert. Die eigentlichen Abwrackarbeiten starten mit dem Entfernen des asbesthaltigen Außenanstrichs am Rumpf. Als nächstes werden schadstoffbelastete Teile aus dem Innern des Schiffes ausgebaut.
Wie sieht der Zeitplan für die finalen Arbeiten aus?
Die ersten Maßnahmen sollen zwei Monate dauern. Erst danach wird der Rumpf zerlegt – wahrscheinlich ab April. Als letztes wird das Sandbett abgetragen. Im Juni sollen die Arbeiten dann ganz beendet sein. Einige Teile, die zu retten sind, werden aufbewahrt. Was zu belastet, verrottet oder historisch unwichtig ist, wandert auf die Deponie und wird fachgerecht entsorgt.
Warum sind die Abwrackarbeiten so teuer?
Das Abwracken kostet insgesamt rund drei Millionen Euro. Zwei Millionen bezahlt das Land Bremen, eine Million die Stadt Bremerhaven. Einen wesentlichen Teil der Kosten verursacht laut Hafengesellschaft Bremenports die aufwändige Schadstoffbeseitigung.
Wie geht es weiter, wenn die "Seute Deern" weg ist?
Als Nachfolgebau des Holzsegelschiffs soll der historische Frachtsegler "Najade" nachgebaut werden – aus Stahl und nicht schwimmfähig. An dem Liegeplatz im Museumshafen vor dem Deutschen Schifffahrtsmuseum soll außerdem eine Hafenkulisse entstehen. Der Bund hat im November insgesamt 46 Millionen Euro für die Maßnahmen freigegeben. Bis das neue Schiff Wasser unterm Kiel hat dauert es allerdings noch. Laut Bremerhavens Oberbürgermeister Melf Grantz (SPD) könnte das Bauvorhaben in drei Jahren fertiggestellt sein.

Autor

  • Joschka Schmitt Redakteur und Autor

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Nachrichten, 4. Januar 2021, 6 Uhr