60 Jahre Großmarkt Bremen in 9 überraschenden Etappen

Video vom 14. August 2021
Kisten mit Obst und Gemüse stehen in einer Halle des Großmarktes.
Bild: DPA | Sina Schuldt
Bild: DPA | Sina Schuldt

Obst, Gemüse, Fisch und Fleisch gibt es heute unter einem Solardach. Beim ersten Mal vor genau 60 Jahren mussten sich die Händler warm anziehen. Eine Reise durch die Geschichte.

1 Großmarkt - alles unter (k)einem Dach

Als der Großmarkt Bremen am Freitag, den 15. September 1961 die Tore öffnet, verteilen sich all die Obst- und Gemüsehändler auf das 37.000 Quadratmeter (mehr als fünf Fußballfelder) große Freigelände. Ein Dach über den Kopf bekommen aber zunächst nur die Blumenhändler. Erst später kommen elf weitere Hallen hinzu. Dort sind die Händler nicht nur vor Regen geschützt. Dank moderner Kühlanlagen können sie auch ab Mitte der sechziger Jahre verderbliche Ware anbieten.

2 Großer Bahnhof

Ein altes Bild des Bremer Großmarktes. Zu sehen sind Männer und Frauen und einige Autos.
Die Ware wurde lange im Freien von der Pritsche aus verkauft. Bild: Radio Bremen

Einen "großen Bahnhof" feiert der Großmarkt am 18. November 1966: Bremens Bürgermeister Wilhelm Kaiser übergibt die ersten Gleise an den Großmarkt. Der Gleisanschluss an das Netz der Deutschen Bundesbahn verbessert die logistischen Möglichkeiten des Großmarkts erheblich.

3 Tankstelle

Im Jahr 1968 nimmt die Großmarkt-Tankstelle ihren Betrieb auf. Ein Liter Normalbenzin kostet am ersten Verkaufstag, dem 1. April 1968, 53,9 Pfennig.

4 Recyclingstation

Ebenfalls im Jahr 1968 führt Geschäftsführer Carl Hans Röhrßen das erste Recyclingverfahren auf dem Großmarkt ein. Heute hat der Großmarkt eine eigenen Recyclingstation. Der Biomüll wird zu Biogas verarbeitet, aus dem wiederum Strom gewonnen wird.

5 50-Tonnen-Waage

Am 17. März 1976 nimmt der Großmarkt eine 50-Tonnen-Waage in Betrieb. Nicht nur Großmarktkunden dürfen die Waage nutzen, sondern auch die Öffentlichkeit darf dort große Güter wiegen. Auch heute noch gibt es auf dem Großmarkt Bremen eine öffentliche Waage. Sie kann sogar bis zu 60 Tonnen schwere Güter wiegen.

Luftbild vom Großmarkt-Gelände
So groß wie 23 Fußballfelder: der Großmarkt Bremen. Bild: Radio Bremen

In den siebziger und achtziger Jahren wächst der Großmarkt Bremen ständig an. Das Stammkapital der Großmarkt Bremen GmbH wird schon 1970 von 200.000 auf über vier Millionen Mark erhöht. Die Gesellschaft wird Eigentümerin des Grundstücks am Neuenlander Feld sowie aller Hoch- und Tiefbauten.

6 Gewerbegebiet verdrängt Großmarkt

Laster werden am Großmarkt beladen
Nichts für Morgenmuffel: Am Großmarkt geht die Arbeit im Morgengrauen los. Bild: Radio Bremen

Noch zu Beginn der neunziger Jahre entstehen zwei neue Verladehallen mit je 2.000 Quadratmetern Fläche an der Blumenmarkthalle auf dem Neuenlander Feld. Auch bekommt der Großmarkt 1994 eine neue Tankstelle. Wohl niemand glaubt zu dieser Zeit, dass der Großmarkt Bremen bald umziehen würde.

Im Jahr 1995 aber beschließt die große Koalition um Senatspräsident Henning Scherf (SPD), "das Gewerbegebiet Airport durch die Einbeziehung des Großmarkts zu erweitern." Drei Jahre später entscheidet sich der Senat dafür, den Großmarkt auf die Fläche des Überseehafens zu verlegen, an seinen heutigen Standort in der Überseestadt. Vorausgegangen waren hitzige Debatten und heftige Proteste sowohl der Händler als auch einiger Anwohner des neuen Großmarkt-Standorts in Walle.

7 Richtfest im "Bauch der Stadt"

Am 3. April 2001 steigt das Richtfest des Großmarkts am neuen Standort. "Der Großmarkt wird dort gebaut, wo er hingehört – in den Bauch der Stadt", kommentiert der damalige Wirtschaftssenator Josef Hattig (CDU) den Umzug.

8 Größte Solaranlage Bremens

Großes Solardach, im Hintergrund Speicher
Produziert ein Megawatt Strom pro Jahr: Die Solaranlage des Großmarkts Bremen. Bild: M3B GmbH

Im Jahr 2010 nimmt der Großmarkt die größte Solaranlage Bremens in Betrieb. Sie produziert jedes Jahr rund ein Megawatt Strom auf der rund 50.000 Quadratmeter großen Hallendachfläche. Der Strom fließt ins öffentliche Netz ein und speist auch die Tankstelle für die vier Elektrofahrzeuge, mit denen die Marktmeisterinnen und Marktmeister auf ihren Wochenmarkttouren in der Stadt unterwegs sind.

9 Auch die Gänge sind vermietet

Heute ist der Großmarkt Bremen trotz seiner Fläche von 16,3 Hektar (rund 23 Fußballfelder) zu "etwas über 100 Prozent" ausgelastet, wie Marktaufseher Markus Günsch sich ausdrückt. Sogar die Gänge habe der Markt an die über 90 Händlerinnen und Händler vermietet, die auf dem Großmarkt vertreten seien.

Auch einen Endverbrauchermarkt gibt es dort seit Juni dieses Jahres. Der jährliche Warenumsatz an Lebensmitteln beläuft sich Schätzungen des Großmarkts zufolge auf 250.000 Tonnen beziehungsweise 400 Millionen Euro. Zu den etwa 3.000 Kundinnen und Kunden zählen Einzelhändler, Markthändler, Hotels und Restaurants, Großverbraucher wie Krankenhäuser sowie Mensen und Kantinen. Das Einzugsgebiet des Bremer Großmarkts erstreckt sich über rund 100 Kilometer.

Autor

  • Alexander Schnackenburg Autor

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 16. August 2021, 19:30 Uhr