Schulstart im Land Bremen: Wie geht es eigentlich den Schülern damit?

Regelbetrieb unter Pandemiebedingungen: Was wird jetzt anders im Vergleich zur Zeit vor den Ferien? Zwei Bremer Schülerinnen blicken zurück und voraus.

Ein Klassenzimmer, auf dessen Tafel steht "Welcome back from Corona Lockdown", "Willkommen zurück aus der Corona-Pause.".
Zurück in der Schule, aber nicht zurück in der Normalität. Bild: DPA | Michael Weber / Imagebroker

"Es ist Regelbetrieb unter Pandemiebedingungen", kündigte Bildungssenatorin Claudia Bogedan (SPD) auf der Pressekonferenz des Senats an. Nichtsdestotrotz wolle man für Eltern, Lehrer und Schüler eine transparente Situation schaffen.

Doch wie gehen die Schüler damit um, jetzt wieder zurück an die Schule zu müssen? Oder zu dürfen? Freuen sie sich, ihre komplette Klasse wieder zu sehen? Haben sie Angst vor einem möglichen zweiten Lockdown? Zwei Bremer Schülerinnen erzählen.

"Unterricht fand eigentlich nur auf Zetteln statt"

Angelina Robledo besucht ab diesem Schuljahr das Schulzentrum Walle, um dort ihr Abitur zu absolvieren. "Mein Realschulabschluss hat damals nicht gereicht, weswegen ich erstmal eine zweijährige Vollzeit-Ausbildung als Sozialpädagogische Assistentin gemacht habe", erzählt die 21-Jährige. Danach ging es für sie an das Schulzentrum Blumenthal, wo sie ihr Fachabitur in diesem Sommer absolvierte.

"In dem Moment, wo die Schule geschlossen wurde, bestand Unterricht eigentlich nur aus Zetteln", sagt sie. Eine einzige Zoom-Konferenz habe es in Mathematik gegeben. Das habe aber nicht gut funktioniert. Kurz vor den Prüfungen wurde zwei Mal wöchentlich Präsenzunterricht angeboten.

Doch ihre Mathematiklehrerin habe der Risikogruppe angehört: "Also sollte uns kurzfristig ein Referendar auf die Prüfungen vorbereiten." Er habe sein Bestes gegeben, aber viele prüfungstechnische Fragen konnte er nicht beantworten – schließlich war er ja selbst in diesem Bereich noch unerfahren.

Online-System ständig überlastet

Eine Lehrerin habe kurzfristig entschieden, eine Online-Klausur zu schreiben. "Aber unsere Lern-Ordner waren ja in der Schule“, erzählt Robledo. Also habe sich die Klasse zu einem Video-Meeting verabredet, um sich gegenseitig bei der Vorbereitung zu helfen. Trotz Beschwerden sei die Klausur geschrieben worden. "Das Problem war nur, dass das Online-System ‚Itslearning‘, mit dem wir gearbeitet haben, grundsätzlich überlastet war." So auch bei der Prüfung. Einige konnten sich nicht einloggen und waren auf Fotos der Klausur von Mitschülern angewiesen.

Generell sei sie mit ihrem Fachabitur zufrieden. "Ich hatte überall Einsen, aber in Mathe bin ich knapp an einer Fünf vorbeigeschrammt." Der diesjährige Abschluss sei unnötig hart gewesen, dennoch reichte es bei ihr für einen Schnitt von 1,6.

"Wir starten von Null"

"Im Abitur möchte ich Minimum 1,5 erreichen, da ich Psychologie studieren möchte", erzählt die Schülerin. Deswegen sei sie unter Druck. "Es bleibt die Angst, dass ich den NC nicht erreichen. Angst, dass der Unterricht nicht so stattfindet, dass wir unser volles Potenzial entfalten können und der Unterricht nicht adäquat stattfindet. Wir starten von Null." Zwar sei sie motiviert, aber es bleibe die tägliche Sorge, dass die Schule wieder schließe: "Dieser Online-Unterricht, das funktioniert einfach nicht wie es müsste." Das sei auch nicht mit Ipads zu kompensieren, die das Land den Lehrern und Schülern zur Verfügung stellen will.

Informationen, wie der Unterricht an ihrer neuen Schule stattfinden wird, hat sie bis zum Schulstart nicht bekommen. "Es gab es nur die Bestätigungspapiere über den Schulplatz mit der Info, wann sich alle in der Aula treffen." Bei ihr herrsche Unsicherheit: "Ich kann mir gar nicht vorstellen, wie das stattfinden soll. Ich kenne die Schule nicht, ich weiß nicht mal, wie viele Leute kommen." Ob es eine richtige Einschulung wird, wisse sie nicht. Eltern mitzubringen sei nicht untersagt worden: "Aber mittlerweile sind wir ja eigentlich alt genug, um alleine dorthin zu gehen." So handhaben es zumindest Robledo und ihre Freundin, die sie noch vom Fachabitur kennt.

Telefonsprechstunden und schuleigene App

Auch für Selina Gal geht die Schule am Donnerstag wieder los. Sie besucht die 10. Klasse des Gymnasium Lemwerder. "Vor den Sommerferien waren wir in zwei Gruppen geteilt." Eine Woche gab es Präsenz-, eine Online-Unterricht – jeweils im Wechsel. "Das hat überraschend gut funktioniert", erzählt die 15-Jährige. Abgesehen von ein paar Problemen mit Druckern und Kameras habe der virtuelle Unterricht gut funktioniert. Aufgaben seien auf der schuleigenen App "IServ" hochgeladen und im Unterricht nochmal besprochen worden. "Zusätzlich haben unsere Lehrer Telefonsprechstunden angeboten und wir konnten sie via Mail kontaktieren."

Bereits vor einigen Tagen sei sie informiert worden, dass der Unterricht wieder in normaler Klassengröße stattfinden wird. "Außerdem teilte man uns mit, dass wir unsere Masken auf dem ganzen Schulgelände, abgesehen von Klassenräumen und Pausenhöfen tragen müssen."

Schule bittet Urlaubsrückkehrer um Tests vor Schulbesuch

Zudem habe die Schule dazu aufgerufen, sich weiterhin an die Abstandsregeln zu halten und sich nach einem Urlaub im Ausland solange in Quarantäne zu begeben, bis ein negatives Corona-Testergebnis vorliege.

Eigentlich fühle ich mich gut informiert, dafür, dass wir alle nicht wirklich wissen, wie es weitergeht.

Junge Frau mit langen dunklen Locken
Selina Gal

Einerseits freue sie sich auf den Unterricht: "Dieses Jahr war nicht wirklich Unterricht vorhanden". Außerdem sehe sie endlich ihre Freunde wieder. Andererseits sorge sie sich um ihre Eltern, da sie beide der Risikogruppe angehören. Dennoch habe sie keine Angst: "Ich vertraue den Lehrern, dass sie aufpassen."

So organisiert Bremen den Corona-Regelbetrieb an Schulen

Video vom 25. August 2020
Ein Klassenzimmer im Gymnasium Hamburger Straße ohne Schüler.
Bild: Radio Bremen

Autorin

  • Johanna Ewald Autorin

Dieses Thema im Programm: Bremen Vier, Die Vier am Morgen, 27. August 2020, 8:20 Uhr