Kommentar

Schule in Corona-Zeiten: Jetzt kommt es auf die Lehrer an

Es wird schwer genug, da sind alle Störfeuer überflüssig, sagt Radio Bremen-Regionalchef Frank Schulte. Vor allem müssten aber Lehrer gestärkt werden, die anpacken wollen.

Lehrerin Melanie Ploppa unterrichtet Schüler einer Grundschule in einem Klassenraum.
Ab Donnerstag startet das neue Schuljahr in Bremen. Bild: DPA | Friso Gentsch

Wer ab Donnerstag vor seinen Schülerinnen und Schülern im Klassenzimmer steht, braucht Unterstützung. Kein Genörgel, kein Angstmachen, keine Demotivation. Und neben starken Nerven braucht er oder sie eine ordentliche Portion Gelassenheit.

Es ist ein Neustart in vielerlei Hinsicht, eine Rückkehr zur Normalität, die leider so normal nicht ist. Ein Regelbetrieb, der so regelhaft wie gewohnt eben auch nicht möglich sein wird. Es gilt jetzt das Beste daraus zu machen, aus einer Situation, die so niemand wollte, mit der jetzt aber jeder umgehen muss – ob er will oder nicht.

Nun kommt es auf die Pädagogen an – noch mehr als sonst

Kurz zur Ausgangslage, was da auf Lehrer und Schüler zukommt: volle Klassenzimmer, kein Mindestabstand, Masken mindestens außerhalb der Klassenräume, Mix aus Präsenz- und Fernunterricht, verpflichtender Einsatz der Lernplattform "itslearning", Umgang mit Schülern, die Lernrückstand haben und die belastet sind durch die familiäre Situation während der Pandemie, Unsicherheiten, was kommende Prüfungen anbelangt. Und über allem schwebend stetig der Gedanke, dass Corona-Infektionen die halbe Schule lahm legen können.

Das ist schon ziemlich ordentlich, aber noch nicht alles. Denn neben diesem Arbeiten in der Pandemie wird vom Lehrpersonal jetzt mehr als je zuvor Weiterbildung und Qualifikation gefordert sein. Jeder Lehrer, der bislang glaubte, er könne sich vor der Digitalisierung noch in den Ruhestand retten, wird umdenken müssen. Über die Jüngeren, die diese vage Hoffnung hegten, müssen wir wohl erst gar nicht reden.

Beruf des Lehrers ist ein wunderbarer

Trotzdem: Der Beruf des Lehrers bleibt ein wunderbarer. Ja, natürlich sind da die teilweise absurden Erwartungshaltungen der Eltern, Kinder, die man an manchen Tagen – manche sicherlich auch dauerhaft – zum Mond schießen möchte und aktuell einige persönliche Unsicherheiten durch die Corona-Pandemie. Aber die Freiheiten, die ein Lehrer bei seiner Arbeit hat, die gibt es in wenigen anderen Berufen, ganz zu schweigen vom Urlaubsanspruch und von der beruflichen Sicherheit. Andere fürchten momentan um ihre wirtschaftliche Existenz, welch Privileg ist es da, sich über so etwas gar keine Gedanken machen zu müssen.

Privilegien sind allerdings auch mit Pflichten verbunden. Es gilt jetzt in einer schwierigen Situation bestmöglich mit Schülerinnen und Schülern zu arbeiten. Auf diese motivierten Lehrerinnen und Lehrer sollte man jetzt schauen, auf diejenigen, die anpacken wollen und das auch schon lange vor Corona gemacht haben. Auf diejenigen, die den Karren ziehen wollen, auf diejenigen, die sich verpflichtet fühlen, Kindern und Jugendlichen unter schwierigen Bedingungen bestmöglich Bildung zukommen zu lassen. Auf diejenigen, die sich einer latenten Infektionsgefahr zwar bewusst sind, das aber nicht in jedem zweiten Satz äußern müssen.

Ihnen gilt großer Respekt.

Radio Bremen-Regionalchef Frank Schulte

Heißt aber auch: Die notorischen Nörgler, die Querulanten, diejenigen in den Lehrerzimmern, die immer schon aus Prinzip dagegen sind, müssen klar gespiegelt bekommen, dass man ihre Haltung nicht mehr akzeptiert. Jetzt müssen alle anpacken. Es ist ein Neustart und der gilt für alle – die Risikogruppen unter den Lehrern natürlich ausgenommen. Wer da mitmacht, hat alle Unterstützung verdient.

Wie gut ist Bremen auf den Schulstart mit Corona-Auflagen vorbereitet?

Video vom 19. August 2020
Die Stühle in einem leeren Klassenzimmer sind zum Wischen hochgestellt.
Bild: Radio Bremen

Autor

  • Frank Schulte

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 25. August 2020, 19:30 Uhr