Was zum Schul- und Kitastart im Land Bremen wichtig ist

Maskenpflicht auf den Fluren weiterführender Schulen, Lüftungskonzepte, Kohorten-Prinzip: Bremen startet in ein Schul- und Kitajahr unter Pandemiebedingungen.

Video vom 25. August 2020
Ein Klassenzimmer im Gymnasium Hamburger Straße ohne Schüler.
Bild: Radio Bremen

Regelbetrieb unter Pandemiebedingungen: unter dieser Prämisse startet am Donnerstag das neue Schul- und Kitajahr im Land Bremen. Der Unterricht erfolgt laut Bildungssenatorin Claudia Bogedan (SPD) zu hundert Prozent nach Stundenplan, es soll keine weiteren Ausfälle geben. Die Betreuungszeiten in Kindertagesstätten sollen wieder ausgeweitet werden. Die wichtigsten Punkte im Überblick.

1 Maskenpflicht an weiterführenden Schulen

Der Bremer Senat hat wie angekündigt eine Maskenpflicht an den weiterführenden und berufsbildenden Schulen im Land Bremen beschlossen. Diese gilt überall im Gebäude mit Ausnahme der Klassen- und Fachräume. So soll das Infektionsrisiko bei Begegnungen auf den Gängen, die nicht so leicht nachvollziehbar sind, möglichst gering gehalten werden. In Grundschulen gilt die Maskenpflicht für alle erwachsenen Besucher, also beispielsweise für Eltern, die zum Elterngespräch in die Schulen kommen. Für Beschäftigte gilt die Maskenpflicht nicht.

2 Lüften und möglichst viel Abstand halten

"Das Lüften wird eine der wichtigsten Strategien sein", so Bogedan. Die Schulen müssen sich an Belüftungskonzepte halten. Demnach müsse ein Raum mindestens alle 45 Minuten stoßgelüftet werden. Das gelte auch in den Wintermonaten. Zudem sollen CO2-Messgeräten in einigen Schulen anzeigen, wann ein Raum gelüftet werden muss. Hintergrund ist, dass sich Viren bei einem niedrigen Sauerstoffgehalt im Raum besser verbreiten können. Generell gelte nach wie vor das Abstandsgebot, sofern die räumlichen Bedingungen dies zuließen.

3 Kohorten-Prinzip in Schulen und Kitas

Im Kita- und Schulbereich setzt der Senat auf das Kohorten-Prinzip. Damit werden wieder gruppenübergreifende Angebote möglich gemacht. In Kitas dürfen maximal 60 Kinder zu einer Kohorte gehören. So sind wieder mehr Kontakte unter den Kindern erlaubt, zudem können Erzieherinnen und Erzieher wieder zwischen Gruppen wechseln. Diese Maßnahme soll laut Bogedan zur einer Erhöhung der angebotenen Betreuungszeiten beitragen, die in den vergangenen Monaten durch die strikte Gruppentrennung deutlich eingeschränkt waren. Durch die Kohortenbildung bestehe im Falle einer Infektion nach wie vor eine bessere Nachvollziehbarkeit, gleichzeitig sei aber in der Betreuung wieder mehr möglich, so Bogedan.

In Schulen dürfen bis zu 120 Schülerinnen und Schüler zu einer Kohorte gehören. Eine Kohorte kann laut Bildungsressort zum Beispiel ein Jahrgang sein. Die Kohorte solle sich möglichst nicht mit anderen Schülergruppen vermischen, heißt es in einer Mitteilung.

4 Einsatz von Beschäftigen, die zur Risikogruppe gehören

Durch die Corona-Pandemie sind sowohl im Schul- als auch im Kitabereich Beschäftigte, die zur Risikogruppe gehören, nur eingeschränkt im Präsenzbetrieb einsetzbar. Bogedan schätzt die Zahl der Beschäftigten in beiden Bereichen auf unter zehn Prozent. Freigestellt seien diese Beschäftigten allerdings nicht, betont Bogedan, sie würden nur teilweise andere Aufgaben übernehmen, bei denen sie sich besser schützen könnten. Dazu zählen unter anderem Aufgaben im Kontakt mit kleineren Gruppen in Schulen und Kitas. Zudem setzt Bogedan darauf, dass diese Beschäftigten durch eine verbesserte digitale Ausstattung wieder vermehrt unterrichten können.

5 Personelle Ausstattung von Kitas und Schulen

Bremens Personaldecke ist dünn – das gilt für Schulen wie für Kitas. Im Schulbereich spricht Claudia Bogedan von einem "Hoffnungsschimmer": Zum neuen Schuljahr sind 197 neue Lehrkräfte eingestellt worden, das sind mehr als im vergangenen Jahr, gleichzeitig sind weniger in Pension gegangen. Bogedan hofft, die Zahl der offenen Stellen in den nächsten Jahren sukzessive senken zu können. Nichtsdestotrotz konnten 62 Stellen zum neuen Schuljahr nicht besetzt werden. 47 von den 197 neuen Lehrkräften sind Sonderpädagogen. Die Zahl der Schulsozialarbeiter steigt deutlich: 40 weitere Stellen gibt es, insgesamt sind dann 158 Schulsozialarbeiter in Bremen tätig, wovon sich Bogedan "Entlastungseffekte" für die Schulen verspricht.

In Bremens Krippen und Kindergärten werden zum neuen Kitajahr 23.133 Kinder betreut, allerdings haben 1.100 Kinder trotz gesetzlichen Anspruchs keinen festen Betreuungsplatz. Zum neuen Kitajahr werden baulich 1.500 zusätzliche Plätze geschaffen. Die Verfügbarkeit hängt allerdings davon ab, ob Bremen genug Fachpersonal findet. Ziel sei laut Bogedan weiterhin, die Ausbildung zur Erzieherin attraktiver zu gestalten. In den beiden öffentlichen Fachschulen erhalten die Auszubildenden seit dem 1. August eine Bildungsprämie von bis zu 300 Euro. Insgesamt werden aktuell in 14 Klassen Erzieherinnen und Erzieher ausgebildet. Elf neue Kitas starten laut Bildungsressort zum neuen Kitajahr ihren Betrieb – darunter in Blumenthal, Gröpelingen, Hemelingen, Huchting, Osterholz und Vegesack. Weitere Kitas und Ausbauten sind in Planung, so die Mitteilung.

6 Stufenpläne für Infektionsfall

"Wir starten in ein Schuljahr, in dem wir nicht davon ausgehen können, das an jedem einzelnen Standort der Regelbetrieb unter Pandemiebedingungen aufrecht erhalten werden kann", sagte Bogedan. Es werde zu Infektionen kommen, in der Folge könnten einzelne Einrichtungen beispielsweise unter Quarantäne gestellt werden. "Wir schließen auch eine Rückkehr zum Halbgruppen-Unterricht nicht aus", so Bogedan. Treten Infektionsfälle auf, wird in Schulen und Kitas nach Stufenplänen verfahren, die verschiedene Maßnahmen zur Eindämmung des Infektionsgeschehens vorsehen.

7 Befreiung vom Unterricht nur mit Attest

Laut Bildungsressort können Schülerinnen und Schüler mit Vorerkrankungen oder geschwächtem Immunsystem vom Präsenzunterricht befreit werden. Das gilt auch für Schüler mit Beeinträchtigungen, die aus medizinischer Sicht aufgrund des Infektionsrisikos nicht im Klassenraum sitzen sollten. Für die Befreiung ist ein ärztliches Attest notwendig. Grundsätzlich können Schülerinnen, die einer Risikogruppe angehören, am Präsenzunterricht teilnehmen, wenn besondere Hygienemaßnahmen für sie organisiert werden können, so das Bildungsressort. Ist das nicht möglich, bekommen sie ein Angebot für Fernunterricht. Das gilt auch für Kinder, deren Eltern oder Geschwister eine einschlägige Vorerkrankung haben; auch hier muss eine ärztliche Bescheinigung vorgelegt werden.

Die gesamte Pressekonferenz im Video:

Video vom 25. August 2020
Die Bildungssenatorin Claudia Bogedan auf einer Pressekonferenz
Bild: Radio Bremen

Autorin

  • Greta Block Redakteurin und Autorin

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 24. August 2020, 19:30 Uhr