Ab in die Schule oder nicht? Bremen und Bremerhaven sind sich uneinig

Bremens Bildungssenatorin appelliert an die Eltern, ihre Kinder in die Schule zu schicken. Der Bremerhavener Magistrat bittet hingegen, die Kinder zu Hause zu lassen.

Eine Schülerin beim Homeschooling mit dem Laptop (Symbolbild)
Ja wie denn nun? Ob die Kinder lieber zu Hause lernen sollen oder nicht, darüber herrscht im Land Bremen Uneinigkeit. Bild: DPA | Jochen Tack

Schule ist Ländersache, das nehmen zumindest die meisten an. In Bremen und Bremerhaven sollte also für alle das Gleiche gelten. Aber so ganz einig sind sich die Verantwortlichen nicht. Eltern und Schüler bleiben ratlos zurück.

Im Land Bremen bleibt im Grunde alles wie vor den Ferien. Die Präsenzpflicht bleibt bis Ende Januar aufgehoben: Die Schulen sind grundsätzlich geöffnet, die Schülerinnen und Schüler können also kommen, dürfen aber auch zu Hause lernen. Und an dieser Stelle herrscht nun Verwirrung: Während Bremens Bildungssenatorin Claudia Bogedan (SPD) an die Eltern appelliert, ihre Kinder in die Schule zu schicken, bittet der Bremerhavener Magistrat darum, dass nur die Kinder in die Schule kommen, die zu Hause nicht betreut werden können.

Das Bildungsressort teilt aber mit, dass sich Bremen und Bremerhaven nicht komplett einig sein müssen: "Bildung ist im Land Bremen nicht zuallererst eine Landesaufgabe. Das fängt damit an, dass die Lehrkräfte im Gegensatz zu allen anderen Bundesländern keine Landeslehrer sind, sondern kommunale." Für Corona-Verordnungen seien zumeist Magistrat, Gesundheitsamt und Schuldezernent zuständig, nicht das Land.

Bildungssenatorin: Kommt in die Schule

Ich kann allen Eltern nur empfehlen, ihre Kinder in die Schule zu schicken.

Claudia Bogedan (SPD), Bremens Bildungssenatorin

Der Schulbesuch sei insbesondere für die jüngeren Kinder wichtig, sagte Bogedan zu buten un binnen. In der Schule gehe es nicht nur um Wissensvermittlung, sondern auch darum sicherzustellen, dass es den Kindern gut geht. "Die Folgen, wenn Kinder keine sozialen Kontakte mehr pflegen können, wenn sie sich nicht bewegen können, sind dramatisch", so Bogedan. Es dürfte auch nicht vergessen werden, dass einige Kinder im familiären Umfeld Gewalt erfahren. Im Hinblick auf den Infektionsschutz sagt sie: "Ich bin so fest davon überzeugt, dass wir so viel dafür tun, Schulen und Kitas zu – so weit es geht – sicheren Orten zu machen."

Ab dem 18. Januar setzt Bremen vermehrt auf Präsenz mit deutlicher Empfehlung vor allem für die Grundschulen, die 5. und 6. Klassen sowie die Abschlussklassen. Für die anderen Jahrgänge ist dann ein Wechselmodell vorgesehen: Eine Hälfte ist in der Schule, die andere lernt zu Hause, am nächsten Tag wird getauscht.

Dennoch sei es den Eltern freigestellt, ihre Kinder zu Hause zu lassen. "Es ist ein Kompromiss, der die Sorgen ernst nimmt und trotzdem ein gutes Bildungsangebot aufrechterhält", findet die Bildungssenatorin.

Bremerhavener Magistrat: Bleibt möglichst zu Hause

Kinder, die zu Hause nicht betreut werden können, können von den Eltern in der Schule angemeldet werden.

Pressemitteilung des Bremerhavener Magistrats

Der Bremerhavener Magistrat hingegen sagt, dass nur Schüler, die nicht zu Hause betreut werden können, in die Schulen kommen sollen. "Die Aufhebung der Schulpräsenzpflicht bedeutet für die Grundschulen grundsätzlich, dass die Kinder zu Hause lernen", heißt es in einer aktuellen Pressemitteilung des Magistrats.

Die Grundschulkinder werden laut Magistrat von ihrer jeweiligen Schule mit Materialpaketen fürs Homeschooling versorgt. Kann ein Kind nicht zu Hause betreut werden, kann es von den Eltern in der Schule angemeldet werden, allerdings nur für den gesamten Zeitraum bis zum Monatsende. Eine Anmeldung für einzelne Tage ist nach Angaben des Magistrats nicht möglich, da die Kinder feste Lerngruppen bilden.

Die weiterführenden Schulen in Bremerhaven werden je nach räumlicher und personeller Situation entweder nur Homeschooling oder einen Wechsel zwischen Lernen zu Hause und Präsenzunterricht anbieten. Schüler der Jahrgänge 5 und 6, die zu Hause nicht betreut werden können, können nach Anmeldung der Eltern ebenfalls in die Schule kommen. Dies gelte auch für alle Schüler der höheren Jahrgänge, die einen besonderen Förderbedarf haben, heißt es weiter. Der prüfungsvorbereitende Unterricht der Abschlussklassen werde "in erforderlichem Umfang" als Präsenzunterricht stattfinden.

Bildungssenatorin: So soll es an Bremens Schulen weitergehen

Video vom 6. Januar 2021
Die Bildungssenatorin Claudia Bogedan im Interview bei buten un binnen.
Bild: Radio Bremen
Bild: Radio Bremen

Mehr zum Thema:

Autorin

  • Sonja Harbers Autorin

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 6. Januar 2021, 19:30 Uhr