Montag ist in Bremen Schulstart – und Corona bestimmt den Stundenplan

Der Unterricht geht am Montag für die ersten Klassen in Bremen wieder los. Doch den gewohnten Schulalltag wird es noch nicht geben. Das erwartet Schüler und Lehrer jetzt.

Video vom 24. April 2020
Zwei Lehrerinnen messen mit einem Maßband den Abstand zwischen den Schülertischen ab.
Bild: Radio Bremen

In Zeiten von Corona sind wohl viele von uns (noch) bescheidener geworden und freuen sich über jeden kurzen Kontakt zur "Außenwelt". Sogar, wenn man dafür in die Schule gehen muss. Für die 10. Klassen und die Vorbereitungsklassen der gymnasialen Oberstufe im Land Bremen und Niedersachsen geht es am kommenden Montag wieder los. Doch so, wie es vor Corona war, kann es zunächst nicht weitergehen. Die Klassen erwarten deutliche Einschränkungen.

Auflagen von der Behörde

Seitens der Senatorin für Kinder und Bildung wurde ein "Musterhygieneplan Corona für Schulen" erstellt, in dem alle einzuhaltenden Hygienemaßnahmen innerhalb der Schule und auch im privaten Umfeld dargestellt werden. Der Musterhygieneplan dient als Ergänzung der schulischen Hygienepläne.

Selbstverständlich müssen auch in den Schulen die üblichen Abstandsregeln eingehalten werden. Also zwei Meter Abstand zwischen den Schülerinnen und Schülern und natürlich auch zwischen den Lehrkräften. Es muss Desinfektionsmittel für die Hände bereitgestellt werden: Wenn die Schule betreten und verlassen wird, müssen die Hände gründlich desinfiziert werden. Außerdem konnten einige Schule noch Spuckschutzscheiben für die Sekretariate bestellen.

Es wird auch neue, stark ausgedünnte Stundenpläne geben, keine normalen Pausen, keine Gruppenarbeit, umgeräumte Klassenzimmer. Mensen bleiben geschlossen. So ziemlich alles scheint anders zu laufen als noch vor Corona. Und es wird sicher Zeit ins Land gehen, bis alle der neuen Spielregeln in Fleisch und Blut übergangen sind.

Wir sorgen dafür, dass die Fenster nur von den Schülern geöffnet werden, die auch direkt am Fenster sitzen.

Claudia Dreyer, Schulleiterin Gymnasium an der Hamburger Straße

Eine generelle Maskenpflicht in Schulen gibt es bisher in Bremen nicht. Aber die Schulen halten das sehr unterschiedlich. Es sollte am besten nochmal bei der jeweiligen Schule nachgefragt werden, wie dort verfahren wird.

Fehlende Klarheit wird bemängelt

Noch ist für Lehrerinnen und Lehrer sowie auch für die Schülerinnen und Schüler in Bremen unklar, wie der Unterricht ab Montag genau ablaufen wird. Die Schulen bereiten sich vor und sind bemüht, alle Herausforderungen rechtzeitig geregelt zu bekommen. Die Schulleitungen sind zur Zeit im Dauereinsatz.

Die Vorbereitungen für einen reibungslosen Corona-Schulalltag laufen auf Hochtouren. Was den Schulen allerdings stellenweise noch fehlt, ist die nötige Klarheit. Wie wird beispielsweise mit Risikogruppen in Schulen umgegangen? Das betrifft Schüler, aber auch Lehrkräfte, die vielleicht gar nicht in die Schule kommen dürfen. Elke Suhr von der Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW) fordert die Behörden auf, schnell zu handeln:

Andere Bundesländer haben jetzt auch schon Risikogruppen definiert, die sich an die RKI-Vorgaben halten. Und das muss jetzt auch für Bremen passieren.

Elke Suhr von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft.
Elke Suhr, Landesvorstandssprecherin der GEW

Aus der Bildungsbehörde heißt es, man wolle das noch vor Montag geklärt haben. Bedeutet: Freitag war teilweise noch nicht klar, wie viel Personal am Montag tatsächlich zur Verfügung steht. Auch eine große Herausforderung, die noch nicht gelöst ist: Wie soll der Unterricht für Kinder mit Förderbedarf funktionieren, wenn Abstandhalten und Einhalten anderer Hygieneregeln teils kaum umzusetzen sein wird?

Fahren auf Sicht und schrittweise Öffnung

Erst starteten die Abiturienten mit den ersten schriftlichen Prüfungen. Jetzt folgen die Zehntklässler. Langsam tastet sich das Bildungsressort an einen neuen Schulalltag heran. Noch gibt es einige offene Fragen und Unklarheiten. Doch Bildungssenatorin Claudia Bogedan setzt auf Kooperation: "Wir alle - im Ressort und vor Ort - arbeiten sehr umfassend dafür, dass der Unterricht, der jetzt wieder in den Schulen gegeben werden kann, funktioniert. Deshalb sind wir auch auf das Wissen der Praktiker vor Ort angewiesen und nutzen es."

Derzeit werden unter anderem die detaillierten Voraussetzungen für die weiteren geplanten Schulöffnungen für die 4. Klassen geschaffen. Wir werden die Schulen schnellstmöglich darüber informieren.

Claudia Bogedan blickt in die Kamera.
Claudia Bogedan, Senatorin für Kinder und Bildung

Schulleiter Matthias Möller vom Schulzentrum Walle begrüßt die Rückkehr vom "Homeschooling" zurück ins echte Klassenzimmer: Die Erfahrung der letzten Wochen zeige, dass das Lernen zu Hause eben nicht den Unterricht in der Schule ersetzen könne.

Es ist was anderes, ob ich mit zehn Menschen eine Videokonferenz mache oder ob wir in einem echten Dialog in einem echten Gespräch Dinge klären.

Matthias Möller, Schulleiter Schulzentrum Walle
Matthias Möller, Schulleiter am Schulzentrum Walle

Mitschnitt der Senats-PK zur Corona-Lage

Video vom 24. April 2020
Bürgermeister Andreas Bovenschulte zeigt seine Mundschutzmaske
Bild: Radio Bremen

Autoren

  • Madita Thomas
  • Katharina Mild

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 24. April 2020, 19:30 Uhr