Bremer Schulen wegen Sturm "Sabine" geschlossen: War das angemessen?

Sturm "Sabine" war weniger stark als befürchtet. Trotzdem hatten die Bahn und Schulen im Land Bremen den Betrieb eingestellt. Die Verantwortlichen stehen zu der Entscheidung.

Ein umgestürtzer Baum auf einer Hütte

Orkanböen der höchsten Stufe, Warnungen vor entwurzelten Bäumen und die Empfehlung, das Haus am besten gar nicht zu verlassen: Die Vorhersagen ließen Sturm "Sabine" im Vorhinein sehr dramatisch erscheinen. Dementsprechend teilte der Magistrat in Bremerhaven bereits am Sonntagnachmittag mit, dass die Schulen am Montag geschlossen bleiben. Kurz darauf, am Sonntagabend, schloss sich die Bremer Bildungsbehörde an.

Auch die Bahn stellte ihren Verkehr im Nordwesten komplett ein: Bis zum Montagmorgen fuhr kein Zug mehr am Bremer Hauptbahnhof. Doch immer mehr Stimmen sehen diese Entscheidungen kritisch. Denn: Der Sturm fiel letztendlich schwächer aus als erwartet.

Wo war denn der Orkan ? Bei uns war es vielleicht ab und dann mal windiger als sonst, aber das große Unwetter, so wie es damals öfter mal vorgekommen ist, habe ich nicht mitbekommen. Heutzutage wird es vielleicht auch alles etwas übertrieben.

Tim Zett - 10. Februar 2020, 11:46 Uhr.

Meteorologe bestätigt: Sturm schwächer als erwartet

"Der Sturm Sabine brachte flächendeckend im Nordwesten Böen der Stärke 9 bis 10, was Sturmböen bzw. schweren Sturmböen entspricht", sagt Dustin Böttcher von der Meteogroup. Vereinzelt, unter anderem in Verden und auf Wangerooge, seien auch Böen der Stärke 11 gemessen worden.

"Es war auf die Fläche betrachtet ein schwerer Sturm, aber kein Orkan", sagt Böttcher. Damit blieb "Sabine" etwas hinter den Vorhersagen zurück: Im Vorhinein war auch von einzelnen Orkanböen der Windstärke 12 die Rede gewesen. Vor allem an der Küste sei der Sturm schwächer gewesen, als befürchtet, da der Wind nicht vom Meer, sondern aus südwestlicher Richtung kam.

Bei Warnungen wird immer davon ausgegangen, eine gewisse Toleranz anzugeben, um die Sicherheit zu gewährleisten und so etwas nicht zu unterschätzen.

Dustin Böttcher, Meteogroup

Laut Böttcher kommt es aber öfter vor, dass "etwas mehr gewarnt wird, als letztendlich eintrifft". So solle mehr Sicherheit gewährleistet werden, da sich alle Beteiligten besser vorbereiten könnten. "Es hat größere Auswirkungen, wenn ein Ereignis stärker kommt als erwartet und beispielsweise Menschen verletzt werden", gibt Böttcher zu denken.

Zu frühe Entscheidung über Schulausfall?

In sozialen Medien wird der Umgang mit dem Sturm und die Entscheidung der Bildungsbehörde, den Schulunterricht am Montag ausfallen zu lassen, vereinzelt auch kritisch gesehen. Insbesondere, dass diese Entscheidung bereits am Sonntag getroffen wurde, sorgt hier und da für Unmut.

Es ist fast windstill..... Und die Schule fällt aus..... Man hätte auch heute morgen um 6:00 h schauen können, aber es wollte wohl kein Politiker so früh ausstehen....

Timo Hilker - 10. Februar 2020, 11:47 Uhr.

Annette Kemp, Sprecherin der Senatorin für Kinder und Bildung, liefert plausible Gründe für die Entscheidung der Behörde: "Wir haben am Sonntagabend gemeinsam mit dem Lagezentrum der Feuerwehr entschieden. Und die Feuerwehr hat uns eindringlich gebeten, den Unterricht ausfallen zu lassen", sagt Kemp. Die Gefahr durch zum Beispiel herunterfallende Äste sei zu groß gewesen. Außerdem sei es für Eltern einfacher, sich am Abend vorher um eine Betreuungsmöglichkeit für Kinder zu kümmern, als am Montagmorgen.

Das sieht auch der Magistrat in Bremerhaven so. "Wir haben das extra frühzeitig entschieden, damit Eltern leichter eine Betreuung außerhalb der Schulen organisieren können", sagt Sprecher Volker Heigenmooser. Aber auch die Verkehrslage habe bei der Entscheidung eine Rolle gespielt: "Zum gestrigen Zeitpunkt war klar, dass viele Verkehrsmittel nicht zur Verfügung stehen werden", so Heigenmooser. Und somit wäre die Anreise der Schüler schwierig oder auch gefährlich geworden.

Elternvertretung zeigt Verständnis

Dass die Sicherheit vorgeht, sieht auch der Zentralelternbeirat Bremen so. "Man muss sich schließlich auf irgendwas verlassen. Und wenn der Deutsche Wetterdienst eine Warnung rausgibt, dann hören wir darauf", sagt Martin Stoevesandt. Somit könne er die Entscheidung der Behörden nachvollziehen – ebenso wie den Zeitpunkt der Bekanntgabe. "Am selben Morgen 50.000 Schüler wieder zurückpfeiffen, das funktioniert nicht", so Stoevesandt. Deswegen sei es besser, am Abend vorher zu informieren.

Bahn zufrieden mit Ergebnis

Auch die Deutsche Bahn steht zu ihrer Entscheidung, den Zugverkehr frühzeitig komplett einzustellen. So wollte sie verhindern, dass Reisende durch zum Beispiel umgestürzte Bäume auf freier Strecke stranden. "Durch die frühzeitige Entscheidung konnten wir unsere Kunden früher informieren", teilte eine Sprecherin mit. Dadurch sei die Lage an den Bahnhöfen relativ ruhig gewesen.

Das bestätigt auch der Fahrgastverband Pro Bahn. "Nach unserer Einschätzung haben viele Reisende diese Empfehlung berücksichtigt, so dass am Sonntag Nachmittag – der stärksten Fernreisezeit der Woche – deutlich weniger Reisende unterwegs waren", sagte der Landesvorsitzende, Björn Gryschka. Deswegen sei die Entscheidung, bereits ab Freitag von Reisen abzuraten, auch richtig gewesen.

Allerdings sei eine flächendeckende Einstellung des Zugverkehrs bei extremen Wetterlagen keine dauerhafte Lösung. Stattdessen müssten die Fernverkehrsstrecken "viel robuster als bisher gestaltet werden", also zum Beispiel mehr Bäume am Streckenrand gefällt werden – laut Gryschka im Zweifel auch gegen den Willen der Waldbesitzer.

Weitere Informationen:

Autorin

  • Rebecca Küsters

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 9. Februar 2020, 19:30 Uhr