Meinungsmelder

3 Gründe für das schlechte Image Bremerhavens

Während ein Großteil der Bremerhavener die Stadt als Wohnort empfiehlt, sehen die Bremer das anders. Woher kommt diese Abneigung?

Bremerhaven – So schlecht wie sein Ruf?

Video vom 19. Februar 2020
Eine Luftaufnahme von Bremerhaven.

An der A 27, ziemlich genau auf halber Strecke zwischen Bremen und Bremerhaven, liegt ein Autobahn-Parkplatz. Er heißt "Harmonie" – ausgerechnet. Denn beide Städte bilden zwar zusammen das Land Bremen. Aber von einem harmonischen Verhältnis sind sie weit entfernt: Bremerhaven fühlt sich ausgegrenzt und abgehängt. Und in Bremen scheint es mancherorts zum guten Ton zu gehören, über Bremerhaven zu lästern, um zu zeigen, dass man in Bremen dazugehört.

Auswärtige würden Bremerhaven nicht als Wohnort empfehlen

Das Ergebnis der aktuellen Radio-Bremen-Meinungsmelder-Befragung zeigt: Trotz des schlechten Images würden fast Dreiviertel aller befragten Bremerhavener ihre Stadt als Wohnort weiterempfehlen. Auswärtige sehen das hingegen anders: Nur 41 Prozent der Befragten halten Bremerhaven für einen lebenswerten Wohnort.

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Woher kommt das schlechte Image?

1 Historisches Problem

Bremerhaven wurde 1827 von den Bremern gegründet, weil der Hafen in Bremen versandete. Der neue Hafen entwickelte sich sehr schnell zu Europas größtem Auswandererhafen. Und schon damals soll es Streit zwischen Bremen und Bremerhaven gegeben haben. So soll der Bremer Senator Wilhelm Fritze angeblich schon 1847 über Bremerhaven gelästert haben:

Das Hauptgeschäft muss hier bleiben. Und wenn dann von unserem wohlbesetzten Tisch hin und wieder ein Knochen abfällt, an dem die Leute in Bremerhaven nagen wollen, so mag man ihnen das gönnen.

Wilhelm Fritze, ehemaliger Bremer Senator

2 Vorwurf: Bremerhaven verprasst Bremens Geld

Wenn aus Bremen auf positive Entwicklungen in Bremerhaven geguckt wird, zum Beispiel im Bereich Tourismus, dann oft mit Zungenschlag: "Bezahlt ist das alles mit Geld aus Bremen!" Der Vorwurf – nicht immer unterschwellig: Bremerhaven lässt sich "aushalten" und leistet sich zu viel: Verschwendung auf Kosten von Bremen.

Lutz Peper, ehemaliger Präses der Handelskammer Bremen, sagte das 2009 sogar mal öffentlich, als es um den Haushalt und um Investitionen im Tourismusgebiet "Havenwelten" in Bremerhaven ging:

Jedes Schlagloch in Bremens Straßen hat seine Ursachen in Bremerhaven.

Lutz Peper, ehemaliger Präses der Handelskammer Bremen

Die Bremerhavener hingegen weisen darauf hin, dass in ihrer Stadt die Häfen liegen, mit denen ein Großteil des Geldes für das Land Bremen verdient wird. Der Erlös fließt nach Bremen, es sind ja stadtbremische Häfen. Da sollten die Bremer den Bremerhavenern auch mal etwas gönnen.

Ein Problem ist auch, dass bei Ausgaben in Bremen nicht immer sauber unterschieden wird zwischen Ausgaben für das Land Bremen und die Stadt Bremen.

3 Bremerhaven gilt als arm

Auf die Frage, was sie mit Bremerhaven verbinden, nannten viele Radio-Bremen-Meinungsmelder "Armut". Häufiger als Armut mit 128 Nennungen wurden nur Hafen (209) und Meer (135) angegeben.

Grafische Darstellung einer Wortwolke zur Frage, was mit der Stadt Bremerhaven verbunden wird Hafen Arbeitslosigkeit unattraktiv Deich Museen ZooamMeer Fisch Tourismus Fischereihafen Klimahaus Containerhafen Deutsches Schifffahrtmuseum Maritim Familie Kultur Frische Luft Geburtsort Armut Auswandererhaus Schifffahrt Heimat FischtownPinguins Nordsee Meer Seestadt Einge r eichte Antwo r ten: 1.824

Und tatsächlich ist die Arbeitslosenquote in Bremerhaven hoch. Im vergangenen Jahr lag sie bei 12,2 Prozent. Damit ist sie zwar so gut wie schon lange nicht mehr, aber liegt immer noch über dem deutschlandweiten Durchschnitt von 5 Prozent. Zum Vergleich: In Bremen lag sie im vergangenen Jahr bei 9,5 Prozent.

Autoren

  • Sonja Harbers
  • Catharina Spethmann

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Der Morgen, 19. Februar 2020, 7:10 Uhr