50.000 Exponate umgezogen: So sieht das leere Schifffahrtsmuseum aus

Für einen Umbau müssen erstmals fast alle Exponate in Bremerhaven umziehen. Das gibt den Blick frei auf den Bau des Bremer Star-Architekten Hans Scharoun.

Video vom 5. Oktober 2019
Ein Schild des Deutschen Schifffahrtsmuseums.

Den Effekt kennt wohl jeder: Man zieht um, langsam und mühevoll wird alles verpackt und wandert in Kisten und Kartons. Und auf einmal sieht die Wohnung übersichtlich und leergeräumt völlig anders aus – vielleicht sogar besser? Ähnliches passiert im Deutschen Schifffahrtsmuseum (DSM) in Bremerhaven.

Bau von Star-Architekt erinnert an Schiff

Schiffsmodelle in Holzkisten, eingewickelte Gemälde und ganze Boote unter Planen: Objekte, die sonst den Besuchern die Vergangenheit der Seefahrt näherbringen, sind fein säuberlich verpackt. Auf vielen Hundert Regalmetern liegen die Exponate dicht an dicht in einer Halle im Bremerhavener Fischereihafen, während sich das Museum neu aufstellt.

Ein Raddampfer von 1881 bleibt stehen. Er war schon da, bevor die Wände hochgezogen wurden. Wo sonst Vitrinen mit vielen, vielen Exponaten standen, ist jetzt: nichts. Freie Fläche, weiße Wände. Luftig und leicht sieht es auf einmal aus, die großen Fensterflächen lassen das Tageslicht herein. Die gegeneinander verschobenen Ebenen werden durch offene Treppen verbunden, deren Brüstungen und Geländer an eine Reling denken lassen.

Wie ein Ozeandampfer aus Glanzzeiten des Norddeutschen Lloyds – so, wie Hans Scharoun, Star-Architekt seiner Zeit, sich das Gebäude damals in den 70ern vielleicht vorgestellt hat: "1975 war hier noch Einiges weniger an Vitrinen als zum Schluss drin, da konnte man wohl sehr viel mehr diese so genannten Sichtachsen wahrnehmen", sagt Annika Opitz, die den Umzug und die Erfassung der Objekte leitet. "Es wurden dann doch über die Jahre immer mehr, weil man auch immer mehr zeigen wollte." Mit der Zeit habe man so manche architektonische Besonderheit nicht mehr wahrgenommen.

"Der Scharoun-Bau ist architektonisch spannend, stellt beim Ausräumen aber eine echte Herausforderung dar", so Opitz, die seit 2015 am DSM tätig ist. Nie zuvor gab es demnach einen derartig aufwendigen Umzug, darum fehlen laut Optiz Erfahrungswerte. Aus Wellpappe werden Hüllen nach Maß angefertigt. Mit herkömmlichen Umzugskartons käme man hier nicht weit, erklärt Opitz.

Gut 50.000 Objekte sind es, wenn man jeden einzelnen Löffel mitzählt.

Annika Opitz, Umzugsleiterin

"Gut 50.000 Objekte sind es, wenn man jeden einzelnen Löffel mitzählt. Es ist schon interessant, wie viele Knöpfe, Mützenbänder und Schulterklappen wir haben." Nur etwa ein Viertel der Sammlung war für die Besucher des DSM zu sehen. Der Großteil lagerte im Magazin. "Wir lernen unsere Objekte noch einmal anders kennen", sagt Optiz.

Eine Frau steht vor einer leeren Halle mit Säulen und schaut in die Kamera.
Annika Opitz vom Deutschen Schifffahrtsmuseum leitet den Umzug und die Erfassung der Objekte.

Nicht alle Exponate kommen voraussichtlich 2021 in die neue Dauerausstellung zurück, ab und zu werden die Exponate ausgewechselt. Fast schade, das Museum wieder einzuräumen – oder? "Nein. Wir sind ja hier ein Museum. Wir wollen ja auch weiterhin den Besuchern unsere tollen Exponate, die jetzt hinter den Kulissen lagern, wieder präsentieren. Das ist ja auch unsere Aufgabe."

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Autoren

  • Catharina Spethmann
  • Joschka Schmitt

Dieses Thema im Programm: Der Morgen, Bremen Eins, 5. Oktober, 8:45 Uhr