Infografik

Sitzen Bremens Bäder bald auf dem Trockenen?

Bremen muss viel Geld flüssig machen, um seine Bäder in Schuss zu halten: Der Zustand fast aller Frei- und Hallenbäder ist schlecht, der Sanierungsstau riesig.

Das Bremer Unibad in der Sanierungsphase

Jetzt rächt sich, dass über Jahrzehnte zu wenig gemacht und investiert wurde: Dabei geht es um die komplette Bäderlandschaft in Bremen, nicht nur um den Neubau des geplanten Kombibades in Horn und die Großbaustellen Bremer Westbad und Freizeitbad Vegesack. Beide Bäder sind "abgängig", wie es bei den Bremer Bädern heißt. Neubauten müssen her, was etliche Millionen kostet. Zudem ist das Unibad marode. Unklar ist, wie lange die Technik noch hält. Insgesamt sind etwa 90 Millionen Euro locker zu machen.

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1 Neubau des Kombibades in Horn

Blick ins Horner Bad
Seit September 2018 ist das Horner Bad geschlossen.

In Horn sind die Bagger bereits angerollt. Das ehemalige Freibad bietet ein wüstes Bild. Bis auf ein Becken wurde alles platt gemacht. Der Bau der neuen Kombihalle mit Schwimmhalle und einem Becken draußen kann beginnen. Nach dem 2014 erstellten Bäderkonzept sollte die Halle ursprünglich 11,4 Millionen Euro kosten. Vorgesehen war ein "Simply-Swimming"-Modell nach holländischem Vorbild: Ein Becken, dazu eine einfache Hallenkonstruktion – fertig. Keine Rutschen, keine Sprungtürme, kein Wellnessbereich. Schnell wurde damals klar, dass es so einfach dann doch nicht geht. Sicherheit, Bodengrund, Wohlfühlfaktor: Inzwischen wird der Gesamtkomplex Kombibad Horn mit 27,4 Millionen Euro kalkuliert. Wobei bis zur Eröffnung des Bades 2022 die Kosten wohl weiter steigen.

2 Neubau Westbad in Walle

Der Außenschwimmbereich des Westbads in Bremen bei sonnigem Wetter.
2005 wurde das Westbad zum Kombibad umgebaut.

Auch im Bremer Westen bieten die Bremer Bäder ein Kombibad an. Angedockt ist am Komplex die Eissporthalle Paradice. Das 1972 gebaute Bad steht auf der Dringlichkeitsliste der Bremer Bäder ganz oben, 20 Millionen Euro sind eingeplant. Eigentlich sollten sich längst die Baukräne drehen, doch der komplizierte Untergrund verzögert das Projekt. Es muss nachgebessert werden. 150 Pfähle werden bald in den Boden gerammt, damit später die Statik stimmt. In diesem Jahr sollen eigentlich die Arbeiten starten. Unklar, wann das Bad wieder eröffnet. Der Schul- und Vereinssport ist während der Bauzeit stark eingeschränkt.

3 Sanierung Freizeitbad Vegesack

Das leere Becken im Freibad in Vegesack.
Im Rekordsommer 2018 blieb das Bad in Vegesack geschlossen.

Das Bad in Bremen-Nord ist ein Problemfall. Das Becken im Außenbereich gammelt vor sich hin. Gebadet wird hier nicht mehr. Und trotz investierter Millionen ist auch dieses Bad aus den 60er Jahren absehbar ein Fall für die Abrissbirne. 23 Millionen Euro sind nun im Gespräch, um das Bad eventuell neu zu bauen. Aus der geplanten Sanierung wird wohl nichts werden. Der Beton ist kaputt, die Becken haben Risse. Wann das Bad angepackt wird, ist noch nicht ganz raus. Doch egal wann: Der Schul- und Vereinssport fällt nach der Schließung im Bremer Norden flach. Als Alternative gibt es im Sommer das Freibad in Blumenthal.

4 Der Streit um das Unibad

Ein Bild des Hallenschwimmbads im Unibad Bremen.
Das Unibad: Gnadenfrist bis 2022?

Das Bremer Unibad wird geschlossen. So sieht es das Bremer Bäderkonzept vor. Die Bremer Initiative Pro Unibad versteht es nicht und wirft dem Sportressort vor, im Bäderkonzept nicht einmal die Variante einer Sanierung des Unibads zu prüfen. Stattdessen wurden laut Initiative mit dem Abriss des Freibades Horn Fakten geschaffen, ein Gutachten über die Kosten der Sanierung des Bades aber nicht vorgelegt. Für die Pro-Unibad-Aktivisten wäre eine Sanierung weit günstiger als der Neubau des mittlerweile sehr teuren Kombibades in Horn. "Es geht um zehn Millionen Euro", sagt Eberhard Dengler als Sprecher der Initiative. Weiter in der Kritik: Über die Abrisskosten des wahrscheinlich asbestverseuchten Unibades wird nicht gesprochen.

Sanierungsbedarf an allen Bremer Bädern

Bauarbeiter und Techniker haben auch in den anderen Bremer Bäder viel zu tun. Das Sportressort  hat in der Sitzung der Sportdeputation jüngst eine Mängelliste vorgelegt und zusätzliches Geld für die Bremer Bäder eingefordert. Nach ersten Schätzungen 20,3 Millionen Euro bis 2025, ohne die geplanten Neubauprojekte. Wobei es sicherlich teurer werden wird.

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Einberechnet in die Kosten-Kalkulation ist die Eissporthalle Paradice am Westbad in Walle mit gut 2,6 Millionen Euro. Der jährliche Etat der Bremer Bäder für die anfallenden Sanierungsarbeiten beträgt 800.000 Euro. Also muss die Stadt Bremen einen erheblichen Teil der Kosten übernehmen. Dazu Sportsenatorin Anja Stahmann (Grüne): "Ich möchte den künftigen Koalitionspartnern dringend ans Herz legen, diese zusätzlichen Kosten bei den Beratungen für die kommenden Haushalte mit einzuplanen."

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  • Holger Baars

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 19. Mai 2019, 19:30 Uhr