Infografik

Keimschleudern und Handhygiene: So schützen Sie sich vor Krankheiten

"Nach dem Klo und vor dem Essen – Hände waschen nicht vergessen!" Das ist klar. Aber die meisten waschen sie falsch. Die wichtigsten Fakten zum Welttag des Händewaschens.

Zwei Personen waschen ihre Hände über einem Waschbecken im Badezimmer.
Händewaschen: Fünf Mal am Tag reicht nicht, sagen Hygiene-Experten. Bild: Imago | Panthermedia

"Hände waschen, Hände waschen muss ein jedes Kind" ist ein beliebtes Kindergartenlied – vor allem, weil am Ende, wenn die Hände sauber sind und kein Handtuch da ist, die Hände geschüttelt werden sollen. Das macht Spaß, verbessert allerdings nicht die Handhygiene.

Die schlechte Nachricht zuerst: Tatsächlich kommen wir täglich mit Millionen Keimen in Kontakt und können diese vor allem über die Hände weiterverbreiten. Wenn wir mit den eigenen Händen an Mund oder Nase fassen, gelangen Erreger über die Schleimhäute in unseren Körper. Wenn wir anderen die Hand geben oder Gegenstände weitergeben, können wir Bakterien und Viren weiterverbreiten. Hände waschen hilft, um diese Verbreitungskette zu unterbrechen.

Gründliches Hände waschen senkt die Anzahl der Keime auf den Händen auf bis zu ein Tausendstel.

Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung

Das sind die wahren Keimschleudern

Straßenbahnen, Türklinken und Tastaturen sind Keim-Klassiker. Kleingeld und Geldscheine sind zwar belastet – laut einer Studie des Bäckerhandwerks aber nicht schlimmer als die normale Umgebung. In Bäckereien müssen Verkäuferinnen deshalb schon länger nicht zwingend Handschuhe tragen, um Backwaren zu greifen und anschließend abzukassieren. Viel wichtiger sei es, dass das Personal regelmäßig die Hände wasche, so Michael Wippler, Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Bäckerhandwerks.

Auf Basis verschiedener Untersuchungen wird geschätzt, dass sich durch das gründliche Waschen der Hände mit Wasser und Seife das Risiko von Durchfallerkrankungen fast halbiert.

Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung

Händeschütteln oder Haltegriffe in Bussen und Bahnen haben die meisten als Keimschleudern auf dem Schirm. Vor dem eigenen Smartphone ekeln sich allerdings die Wenigsten – vielleicht zu Unrecht. Laut einer Studie des TÜV macht nur jeder Vierte sein Handy regelmäßig sauber. Dementsprechend viele Bakterien tummeln sich auch dort. Damit das nicht zum Problem wird, sollten Sie besonders in der Erkältungszeit auch Ihr Smartphone regelmäßig säubern.

Richtig husten, niesen und Nase putzen

Die Erkältungssaison ist schon gestartet – und Infektionen wie Schnupfen und die Grippe werden schnell über Keime an den Händen verbreitet. Wer sich und andere schützen will, hustet oder niest deshalb in ein Taschentuch. Wenn keins zur Hand ist, dann in die Armbeuge. Zum Nase putzen das Taschentuch nur einmal benutzen und anschließend wegwerfen – und anschließend die Hände waschen.

Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung hat 2017 untersucht, wie oft wir uns in Deutschland die Hände waschen. Das Ergebnis zusammengefasst: noch immer meist zu wenig. Fast jeder Fünfte gab demnach an, sich fünf Mal am Tag die Hände zu waschen. Beherzigt man allerdings die Ratschläge der Experten, sollte es deutlich häufiger sein.

1 Wann sollte man sich die Hände waschen?

"Die Hände sollten nicht nur gewaschen werden, wenn sie sichtbar schmutzig sind" rät die Bundeszentrale. Sie meint, es gibt sehr viel häufiger Anlass, die Hände im Laufe eines Tages zu waschen, beispielsweise

  • nachdem Sie nach Hause gekommen sind
  • nachdem Sie in Kontakt mit Abfällen gekommen sind
  • nachdem Sie Kontakt mit Tieren oder Tierfutter hatten
  • nachdem Sie Windeln gewechselt haben
  • bevor Sie Medikamente oder Kosmetika nutzen
  • bevor und nachdem Sie Lebensmittel zubereiten
  • bevor und nachdem Sie Kontakt mit Kranken haben
  • bevor und nachdem Sie Wunden versorgen

2 Wie wäscht man die Hände richtig?

Eine Studie der Hochschule Heidelberg in öffentlichen Toiletten hat gezeigt: Nur acht Prozent der Beobachteten wusch die Hände korrekt. Das ist nicht einmal jeder Zehnte! So geht's richtig:

  • Nass machen: Hände unters fließende Wasser halten – die Temperatur ist egal.
  • Einseifen und zwar gründlich: Handinnenflächen, Handrücken, Daumen, Fingerzwischenräume und Fingerspitzen sollten Seife abbekommen.
  • Zeit lassen: Gründliches Händewaschen dauert mindestens 20 Sekunden, bei stark verschmutzten Händen auch länger. Tipp: 20 Sekunden sind ungefähr zwei Mal "Happy Birthday" summen.
  • Abspülen: Die Hände unter fließendem Wasser gründlich abspülen.

Ein zusätzlicher Ratschlag der Bundeszentrale: "Verwenden Sie in öffentlichen Toiletten zum Schließen des Wasserhahns ein Einweghandtuch oder Ihren Ellenbogen."

Infografik: Händer verbreiten Krankheitserreger. Diese Grafik zeigt, wie man richtig Hände wäscht. Hände unter fließendes Wasser halten Dann gründlich abspülen Seife* 20 bis 30 Sekunden in den Händen verreiben Sorgfältig abtrocknen *oder vergleichbares Handreinigungsmittel Auch zwischen den Fingern
BZgA, Robert Koch Institut

3 Wie trocknet man sich die Hände am besten?

Am hygienischsten geht's unterwegs mit Einweg-Papierhandtüchern. Moderne Handtrockner, die die Hände in Sekunden trockenpusten, sind aber auch okay. Zuhause sollten alle ein eigenes Handtuch benutzen, rät die Bundeszentrale.

4 Wann muss man die Hände desinfizieren?

Im Alltag müssen Hände normalerweise nicht desinfiziert werden. Ausnahme: Jemand in der Familie hat eine hochansteckende Krankheit wie zum Beispiel den Noro-Virus, ist mit einem resistenten Keim belastet oder pflegebedürftig. Wenn Sie ein Krankenhaus betreten oder verlassen, sollten Sie sich immer die Hände desinfizieren.

Autorin

  • Sarah Kumpf

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 15. Oktober 2019, 19:30 Uhr