Mit "Rhodoholics" unterwegs im Bremer Blütenmeer

Sie sind Sammler, Liebhaber, Weltreisende: Mehr als 160 hartgesottene Rhododendron-Fans aus aller Welt besuchen zurzeit Bremen – und sind tief beeindruckt.

Blühende Rhododendren im Bremer Rhododendronpark
Der Bremer Rhododendronpark beherbergt die zweitgrößte Rhododendronsammlung der Welt. Zu ihrer Jahrestagung trafen sich die Deutsche und die Amerikanische Rhododendron-Gesellschaft in der Hansestadt.

"Gorgeous", "breathtaking" rufen sie aus, bevor sie in den Park ausschwärmen wie Bienen, hin zu den Blüten, die sich gerade in allen Schattierungen von Violett, Pink, Weiß und sogar Gelb zeigen. Die Internationale Rhododendron Konferenz in Bremen zieht Gäste aus aller Welt an. Denn in dieser Woche sind die Amerikanische und die Deutsche Rhododendron-Gesellschaft zu ihren Jahrestreffen in Bremen zusammengekommen. Angereist sind aber auch Hobbygärtner und Experten aus Kanada, Japan und sogar Neuseeland.

Rhododendronliebhaber Mike Robbins aus USA im Bremer Rhododendronpark.
Mike Robbins aus Maryland, USA, ist zum ersten Mal in Europa.

Mit Tropenhüten, Trekkingschuhen und großen Kameraobjektiven erkunden sie den Rhododendron-Park. Für manche ist es die erste Reise nach Europa. Zum Beispiel für Mike Robbins aus Maryland an der Ostküste der USA. Der Rentner kommt ins Schwärmen, wenn er von den vielen Gärten erzählt, die er auf seiner Reise gesehen hat, öffentliche wie private, in Dänemark, den Niederlanden, Schweden und jetzt in und um Bremen. "Wunderschön", sagt Robbins und entfernt sich wieder mal ein Stück von der geführten Gruppe, "ich mache mal noch ein paar Fotos da vorne".

Eine Woche Programm rund um den geliebten Rhododendron

Bei der Konferenz ging es eine Woche lang nur um das Eine: den Rhododendron. Seine Rolle in der Medizin oder der Kunst waren Thema, aber auch die Entdeckungsreisen von Botanikern in entlegene Winkel der Welt – immer auf der Suche nach neuen Arten. Im Ammerland besuchten die Teilnehmer außerdem mehrere Pflanzschulen, im Bremer Rathaus empfing Umweltsenator Joachim Lohse die Gruppe.

Rhododenronliebhaberin Judi Murakami aus Kanada im Bremer Rhododendronpark.
Judi Murakami aus British Columbia, Kanada, kümmert sich in ihrer Heimat um einen Rhododendronpark.

Während sich Robbins um die eigenen Rhododendren und Azaleen in seinem Garten sorgt – "dort hat es seit zwei Wochen nur geregnet, das zerstört die Blüten" – schlendert Judi Murakami ganz entspannt durch den Park. Ihre bessere Hälfte übernehme eigentlich das Gärtnern, sagt sie und lacht. Die Kanadierin betreut in ihrer Heimatstadt Courtenay auf Vancouver Island den heimischen Rhododendronpark. Seit sieben Jahren ist sie Mitglied der dortigen Rhododendron-Gesellschaft. Murakami bewundert den Mut vieler früher Botaniker aus dem Westen, die Rhododendren und Azaleen entdeckten. "Immer noch nehmen Entdecker so viel auf sich, um sie zu finden."

"Schwer zu sagen, warum man sich in Rhododendren verliebt"

Rhododendren stammen aus Asien, sie wachsen unter anderem im Himalayagebirge. Frühe Enthusiasten brachten sie nach Europa. Heute sind die Gewächse beliebte Gartenpflanzen, auch auf dem nordamerikanischen Kontinent.

Rhododendron-Liebhaber Dave Banks aus USA im Bremer Rhododendronpark.
Dave Banks aus Virginia, USA, zieht seit 40 Jahren Rhododendren.

Dave Banks, US-Amerikaner aus dem östlichen Bundesstaat Virginia, kann sich seine Faszination für die Pflanzen nicht ganz erklären. "Es ist schwer zu sagen, warum man sich in Rhododendren verliebt. Schön sind sie natürlich. Und sobald man einem Verein beitritt, lernt man viele Leute kennen, mit denen man dann über andere Dinge reden kann, als über die Enkel oder die Katze." Banks zieht die Pflanzen seit 40 Jahren. Das viele Gehen im Park ist für ihn etwas beschwerlich, aber das nimmt er geduldig auf sich. "Man müsste noch viel länger hier sein, um dem Park gerecht zu werden", sagt er.

Der pensionierte Diplomat hat während seiner Dienstzeit einiges von der Welt gesehen, war unter anderem in den Niederlanden und Italien stationiert. Aber bei Bremen ist er sich sicher: "Das ist ein wunderschöner Flecken Erde."

"Rhodoholics" staunen über Artenvielfalt in Bremen

Auch die Kanadierin Judi Murakami ist beeindruckt, nicht nur von den geliebten Rhododendren: So großartige Architektur – und so viel Altes. Ein Klischee, ja, aber ihre Begeisterung ist nicht gespielt. "In Kanada haben wir nichts aus dem Jahr 1405", sagt sie und spielt auf den Bremer Ratskeller an, wo die Reisegruppe zu Abend gegessen hat.

Doch was genau macht nun die Faszination für die Rhododendren aus? Den wahren Liebhaber erkennt man an seinem Blick auf das vergötterte Subjekt. Andächtig stehen die "Rhodoholics", wie sich englischsprachige Rhododendronfreunde selbst nennen, vor einem eher unscheinbaren Strauch mit weißlichen Blüten. Für einen Laien sieht das nicht aus wie ein Rhododendron. Doch Botanikerin Annelie Dau erklärt, dies sei die einzige Rhododendronpflanze, die ursprünglich in Deutschland vorkomme. Und die Blätter geben ihren ganz eigenen Duft ab. Fast zärtlich nehmen die Hobbygärtner einzelne Blätter zwischen zwei Finger, reiben sanft, schnuppern. Vielleicht ist es das, was Sigmund Freud einmal gesagt haben soll: "Blumen anschauen hat etwas Beruhigendes: Sie kennen weder Emotionen noch Konflikte."

  • Verena Patel

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Tag, 25. Mai 2018, 23:20 Uhr