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So stopfen Sie als Frau Ihre Rentenlücke

Frauen verdienen weniger als Männer, arbeiten öfter Teilzeit und steigen häufiger für Kinder aus dem Job aus. Das heißt auch: Sie bekommen deutlich weniger Rente.

zwei Rentner in der Innenstadt halten ein Schild hoch.

Sind Sie eine Frau? Haben Sie Kinder? Haben Sie Ihre Arbeitszeit reduziert oder sind ganz aus dem Beruf ausgestiegen? Profitieren Sie vom Ehegattensplitting?

Wenn Sie mindestens drei dieser Fragen mit "Ja" beantworten können oder eine Partnerin haben, auf die das zutrifft, sollten Sie jetzt weiterlesen, denn: Es sieht schlecht aus für Ihre Rente. Doch es gibt auch eine gute Nachricht: Sie können dagegen etwas tun.

Aus dem Gender-Pay-Gap wird der Gender-Pension-Gap

Deutschland kommt einfach nicht aus dem Quark: Der Gender-Pay-Gap schrumpft seit Jahren nur wenig und jetzt ist auch der Gender-Pension-Gap ein Thema. Der Einkommensunterschied zwischen Männern und Frauen entsteht insbesondere, weil Frauen in schlechter bezahlten Berufen und seltener in Führungspositionen arbeiten, zwischendurch gar nicht arbeiten, um Kinder zu betreuen oder Angehörige zu pflegen, weil sie Teilzeit arbeiten und dafür schlechter bezahlt werden und auch, weil Frauen für die gleiche Arbeit nach wie vor teilweise weniger bekommen als Männer. Der Verdienstabstand liegt in Deutschland bei rund 21 Prozent; europaweit bei 16 Prozent.

Der Gender-Pay-Gap in Deutschland

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Dieser Gender-Pay-Gap wird in der Rentenzeit dann zur Rentenfalle für Frauen. Das heißt, Frauen bekommen zurzeit deutlich weniger Rente als Männer. Nämlich nur 47 Prozent von dem, was ein Mann bekommt. Wenn ein Mann also 1.000 Euro Rente erhält, bekommt eine Frau nur 470 Euro. Das ist ein Durchschnittswert, der die gesetzliche beziehungsweise die Beamtenversorgung, die betriebliche und die private Alterssicherung gleichermaßen berücksichtigt.

So entsteht die Rentenlücke

Armut im Alter – und das speziell bei Frauen – sei "ein sehr großes Thema in Bremen", sagt Bettina Wilhelm, die Gleichstellungsbeauftragte des Landes Bremen. Das gelte jetzt und bleibe auch in Zukunft so. Denn im Land Bremen leben besonders viele Alleinerziehende, die häufig auch noch gering qualifiziert sind und ohnehin wenig verdienen. Doch auch Frauen aus der Mittelschicht können von Altersarmut bedroht sein.

Besonders betroffen von der Rentenlücke sind Frauen, die nur wenig oder gar nicht in die Rentenkasse einzahlen. Das ist eigentlich nur logisch – und trotzdem erwischt es viele Frauen kalt, wenn sie realisieren, wie wenig sie später tatsächlich zum Leben haben werden. Die Lücke entsteht für Frauen ab 35 – und hat ganz klar mit der Kindererziehung zu tun. Gerade wer sich mit dem Ehegattensplitting locken lässt und über einen längeren Zeitraum nur wenig verdient, steht im Alter schlecht da – besonders, wenn die Ehe geschieden wird und kein gemeinsames Einkommen mehr zur Verfügung steht.

Der Gender-Pension-Gap in Deutschland

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Eigentlich soll die Grundrente dieses Problem auffangen, die die große Koalition gerade beschlossen hat. Das sei auch gut so, sagt Bettina Wilhelm. Doch vielen Frauen werde auch die Grundrente nicht weiterhelfen. Denn Anspruch auf die Grundrente hat nur, wer mindestens 35 Jahre in die gesetzliche Rente eingezahlt hat. Im Durchschnitt kommen Frauen in Deutschland aber laut Deutscher Rentenversicherung nur auf knapp 28 Beitragsjahre, in Bremen sogar nur auf 21 Jahre. Einen Anspruch auf die Grundrente haben sie damit nicht. Frauen – und ihre Partner – sollten sich deshalb frühzeitig darum kümmern, dass beide im Alter genug zum Leben haben, egal, ob die Ehe hält oder nicht.

Private Lösungsansätze

Konkret bedeutet das vor allem eins: Frauen müssen zusätzlich sparen, um später genug Geld zur Verfügung zu haben.

  • Alleinerziehende können sich bei der Deutschen Rentenversicherung oder der Verbraucherzentrale beraten lassen, welche Versicherungen auch mit kleinen Beträgen genügend erwirtschaften. Gerade mit Kindern lohnt sich oft eine Riester-Rente.
  • Paare sollten sich ebenfalls beraten lassen, wie groß die Rentenlücke wird, wenn eine/r von beiden langfristig in Teilzeit oder gar nicht arbeitet – und diese Lücke entsprechend stopfen. Das geht mit freiwilligen Zahlungen in die Rentenversicherung oder anderen Sparplänen.
Eine Frau berechnet Finanzen (Symbolbild)
Mehr Eigeninitiative von Frauen ist gefragt bei der Altersvorsorge. Doch auch politisch und gesellschaftlich ist einiges zu tun. Bild: Imago | Panthermedia
  • Grundsätzlich gilt: Je früher, desto besser! Also lieber gleich mit dem Sparen anfangen als lange zu warten.
  • Mehr arbeiten könnte auch eine Lösung sein. Wer nur kurz aussteigt und früher wieder mehr arbeitet, muss weniger Einbußen hinnehmen.
  • Und nicht zuletzt kann Sorgearbeit in der Familie auch anders aufgeteilt werden. Bisher leisten Frauen täglich eineinhalb Stunden mehr unbezahlte Arbeit im Haushalt als Männer. Das hat ein Gutachten der früheren Familienministerin Manuela Schwesig 2017 festgestellt.

Politische Lösungsansätze

Auch auf politischer Ebene könnte noch einiges getan werden, damit Frauen im Alter nicht arm sind.

  • Seit Jahren gilt das Ehegattensplitting als Fehlanreiz, der Frauen zuhause und in Abhängigkeit von ihrem meist besser verdienenden Ehemann hält. Und trotzdem existiert es weiterhin. "Man kommt an dieses Thema nicht ran", sagt Bettina Wilhelm, Gleichstellungsbeauftragte in Bremen. Die Debatte sei zu ideologisch aufgeladen – und sollte trotzdem geführt werden.
  • Kinder zu erziehen ist eine gesellschaftliche Leistung – und sollte entsprechend anerkannt werden, findet Bettina Wilhelm. Die sogenannte Mütter-Rente gibt es schon jetzt. Frauen (oder Väter) bekommen Rentenpunkte gutgeschrieben, wenn sie sich um Kinder kümmern. Das könnte noch ausgebaut werden, sagt Wilhelm. Dass beide Elternteile immer 100 Prozent arbeiten, könne schließlich auch nicht die Antwort sein. Wilhelm sagt: "Familiäre Sorgearbeit sollte mehr Gewicht bekommen."

Gesellschaftliche Lösungsansätze

Auf gesellschaftlicher Ebene bleibt in Deutschland ebenfalls einiges zu tun. Im europäischen und internationalen Vergleich sind hier traditionelle Rollenbilder weiterhin tiefer verwurzelt als anderswo.

  • Bettina Wilhelm plädiert dafür, dass sich die Betriebs- und Unternehmenskultur ändert. Der Anspruch, dass alle möglichst lange arbeiten sollten, sei veraltet. Teilzeit müsse für alle möglich und attraktiver werden.
  • Auch die zementierten Rollenbilder gelte es weiter zu bearbeiten. Mädchen und Frauen müssten rein in die besser bezahlten Berufe in Wirtschaft, Wissenschaft und Technik. Das Interesse dafür müsse früh geweckt werden, so Wilhelm. Mit Beginn der Pubertät hätten sich die Rollenbilder schon verfestigt.
  • Gleichzeitig sollten Pflege- und Erziehungsberufe aufgewertet werden. Denn in denen arbeiten zurzeit noch deutlich mehr Frauen als Männer – und wer mehr verdient, kann auch mehr in die Rentenkasse einzahlen.

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Autorin

  • Sarah Kumpf

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 17. November 2019, 19:30 Uhr