Interview

Kanada trotz Corona: Wie ein Bremer Camper-Paar sein Fernweh stillt

Alles hinter sich lassen, die Welt entdecken. Diesen Camper-Traum leben zwei Weltenbummler aus Bremerhaven und Bremen. Immer dabei: Instagram.

Ein junges Paar schaut aus der Heckklappe eines Campingbusses.
Vanessa Stalmierski und Raphael Klees sind jahrelang und tausende Kilometer in ihrem selbstausgebauten VW Bus T5 unterwegs gewesen. Bild: Our next Stop

Irgendwann wurde es Vanessa Stalmierski und Raphael Klees zu eng in ihrem Alltag. Die beiden aus Bremerhaven und Bremen stammenden 28-Jährigen kündigten, ließen Marketing-Job und Karrieregedanken hinter sich, bauten ohne Vorerfahrung einen VW Bus zum Campervan aus – und suchten das Weite in der Welt. Fundstücke von unterwegs dokumentiert das Paar in den sozialen Medien und transportiert so das Lebensgefühl hinter dem sogenannten Vanlife-Trend.

Ihrem Instagram-Kanal "Our next Stop" folgen mittlerweile rund 16.000 Menschen. Damit treffen die beiden Blogger offensichtlich einen Nerv: In den vergangenen fünf Jahren stieg die Zahl an Wohnmobilen in Deutschland auf knapp 590.000 Stück.

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In Corona-Zeiten liebäugeln besonders viele Deutsche mit Campingurlaub. Wohnmobil-Neuzulassungen kletterten im Mai um knapp 30 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat auf knapp 10.500 Stück.

Vanessa Stalmierski und Raphael Klees waren auch während der Corona-Pandemie auf Campingtour in Deutschland unterwegs. Nun haben sie sich in ihr nächstes Abenteuer gestürzt: Kanada. Dort sind sie schon wieder auf der Suche nach einem neuen Camper, um das Land in völliger Freiheit und mit Corona kompatiblem Abstand zu erkunden.

Zu ihren Reisekosten und zur Finanzierung geben die beiden Tipps auf ihrem Blog. Auf Weltreise halfen zum Beispiel "Work and Travel"-Gelegenheitsjobs, die die sparsame Reisekasse füllten. Um das Vanlife auf längeren Trips im Bus leben zu können, fanden sie zu Hause Jobs, die flexibel genug waren, um ihre Projekte verwirklichen zu können. Die Zeit in Kanada wollen die Lebenskünstler über Arbeit vor Ort finanzieren. In den ersten Wochen hatten die beiden bereits eine Beschäftigung als Erntehelfer auf einer Farm.

Ein junges Pärchen steht mit Rucksäcken und Masken am Flughafen.
Aufbruch zu neuen Abenteuern: Mit Kanada hat sich das Pärchen eine neue Reise-Herausforderung gesucht. Bild: Our next Stop
Aus Norddeutschland in die Welt – wie seid ihr zu den Weltenbummlern geworden, die ihr heute seid?
Wenige Monate nachdem wir uns kennengelernt haben, sind wir auf eine Reise durch China, Indonesien, Südamerika, Australien, Japan und Neuseeland gegangen. In Neuseeland haben wir in einem Minivan acht Monate gelebt und das Campen lieben gelernt. Als wir zurück nach Hause kamen hat uns schnell dieses "freie" Leben im Camper gefehlt. Deswegen haben wir uns entschieden, den eigenen Kontinent zu bereisen. So konnten wir die Welt weiter entdecken und zwischendurch immer wieder nach Hause zurückkehren. Es war für uns ein schönes Gefühl, nach der Langzeitreise unterwegs sein zu können und trotzdem eine Homebase mit Freunden und Familie zu haben. Denn Reisen kann auf Dauer auch anstrengend sein. Nachdem wir viel von Europa sehen durften, haben wir unseren heißgeliebten Bus verkauft, um ins Abenteuer Kanada zu starten. Da sind wir nun seit ein paar Wochen und möchten länger bleiben.
Ein junges Paar sitzt in einem halb ausgebauten VW Bus.
An den Selbstausbau ihres Campervans machten sie sich ohne Vorerfahrung. Bild: Our next Stop
Wie kamt ihr dazu, einen VW Bus selbst auszubauen?
Zum Selbstausbau kamen wir durch unsere Neuseeland-Reise. Dort haben wir einige selbstausgebaute Vans gesehen. Als wir zurück in Deutschland waren und uns das Camping wieder gefehlt hat, kam uns die Idee, das einfach selbst umzusetzen. Wir hatten allerdings nicht wirklich einen Plan, wie genau. Wir haben einfach angefangen und viele Informationen aus Google und Youtube gezogen. Unser Ausbau ist schöner geworden, als wir gedacht haben. Deswegen können wir nur raten: versucht es einfach. Es ist gar nicht so schwer wie man am Anfang denkt. Probieren geht über studieren.
Ein Wohnmobil mit aufgeklappter Heckklappe steht an einem See.
Unter dem Hashtag #Vanlife finden sich in den sozialen Medien unzählige, oft selbstausgebaute Campervans. Bild: Our next Stop
Ihr habt das Vanlife gelebt, gehört in den Sozialen Medien zur Szene. Was bedeutet das Ganze für euch?
Für uns bedeutet Vanlife unabhängig zu sein. Man kann jederzeit den Ort wechseln oder einfach länger bleiben, verbringt unglaublich viel Zeit in der Natur und kann die Ruhe abgelegener Orte genießen. Im Alltag ist man oft so unflexibel und gebunden, so viel in Gebäuden und von Hektik umgeben. Viele wissen wohl genau diese Vorzüge des Campings genauso zu schätzen wie wir.
Camping im Wohnmobil erlebt in Corona-Zeiten einen Boom, was habt ihr für Tipps?
Viele Länder sind schon absolut überlaufen und entsprechend genervt von Campern, weil es leider immer wieder schwarze Schafe gibt. Man sollte natürlich die Natur respektieren und keinen Müll hinterlassen. Auch sollte man respektieren, wenn wild stehen untersagt ist. Letztlich gibt es aber sonst nicht so viel zu beachten, würden wir sagen. Man sollte schauen ob man der Typ fürs Freistehen ist und sich dann vorab über die Regelungen im Land erkundigen, ansonsten kann man auch eine tolle Zeit auf Campingplätzen haben. Zu Corona-Zeiten sollte man im besten Falle vorher reservieren. Auf unserer Tour durch Deutschland im Juni hatten wir oft Probleme spontan noch einen Platz zu bekommen.
Ein VW Bus steht an einem grünen Hang.
Am Reisen im Campingbus schätzt das norddeutsche Pärchen die Nähe zur Natur. Bild: Our next Stop
Was waren eure schönsten Erfahrungen, was die unschönsten?
Für uns sind die schönsten Momente immer, wenn wir der Natur so nah kommen, dass wir die Chance haben wilde Tiere zu entdecken. Beim Kajaken in Norwegen wurden wir von einer kleinen Schweinswalherde überrascht, die uns dann ein paar Minuten Gesellschaft geleistet hat. Außerdem lieben wir es in die Kultur des jeweiligen Landes einzutauchen und Einheimische kennenzulernen. Negativ vielleicht nicht, aber vor allem wenn man frei steht, kann campen auch sehr anstrengend sein. Die Stellplatzsuche kann Stunden dauern und wenn der Wasservorrat leer ist muss man schauen, woher der Nachschub kommt. Bei einem kleineren Wassertank muss man gut haushalten, duschen ist dann nicht jeden Tag drin. Campingtouren, wie wir sie machen, sind weit weg vom gängigen Luxus. Für uns ist aber genau das der Luxus: an einem einsamen See, am Strand oder in den Bergen zu stehen, die Ruhe und das Hier und Jetzt zu genießen.

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Bei aller Liebe zum Weltenbummeln, warum kommt ihr auch immer wieder gerne zurück nach Hause?
Wir waren viel unterwegs und haben an unterschiedlichen Orten viel Zeit verbracht. Es gab nur sehr wenige, an denen wir uns nicht wohl gefühlt haben. Trotzdem sind Bremen und Bremerhaven wunderbare Städte, die für uns einfach Heimat sind. Es ist immer wieder schön am Deich spazieren zu gehen. Und natürlich haben wir auch unsere Familie und Freunde dort, weswegen es immer unsere Heimat sein wird.

Darum lieben Bremer das Camping

Video vom 20. Juli 2020
Ein Auto mit großen Camping-Zelt auf einem Camping Platz.
Bild: Radio Bremen

Autor

  • Joschka Schmitt

Dieses Thema im Programm: Bremen Vier, Bremen Vier läuft, 15. Juli 2020, 17:15 Uhr