Handelskammer: Ladenschließungen wären fatal für Bremer Innenstadt

Bundesweit ist eine Debatte entbrannt, ob Geschäfte wegen hoher Corona-Zahlen wieder schließen müssen. Laut Bremer Handelskammer wäre das eine Katastrophe für viele Betriebe.

Ein Passant geht mit einer Papiertüte auf einer weihnachtlich geschmückten Einkaufsstraße entlang
Das Weihnachtsgeschäft ist für den Einzelhandel die umsatzstärkste Zeit im Jahr (Symbolbild). Bild: DPA | Sebastian Kahnert

Die Debatte um erneute Schließungen des Einzelhandels angesichts weiterhin hoher Corona-Infektionszahlen wird in Bremen und Niedersachsen mit Sorge verfolgt. Bayern und Sachsen hatten zuvor angekündigt, strengere Maßnahmen mit Schul- und Einzelhandelsschließungen einführen zu wollen. Der Einzelhandelsexperte der Bremer Handelskammer bezeichnet es als Katastrophe, sollte sich die Politik für erneute Schließungen im Einzelhandel entscheiden. "Der Handel hat sich noch gar nicht von den Schließungen im Frühjahr erholt", sagte Karsten Nowak im Gespräch mit buten un binnen. Viele Unternehmen würden daher einen erneuten kompletten Lockdown nicht überleben.

40 Prozent weniger Kundschaft als 2019

Im diesjährigen Weihnachtsgeschäft würden den Bremer Einzelhändlern im Vergleich zum Vorjahr 40 Prozent der Kunden fehlen. "Bundesweit sorgen sich 60 Prozent der Händler um ihre Zukunft", gibt Nowak zu Bedenken. Aber nicht nur für die Unternehmen und ihre Beschäftigen wäre ein erneuter Lockdown in seinen Augen fatal: "Die Bremer Innenstadt wäre nach erneuten Schließungen nicht mehr die, die wir heute kennen." Die Corona-Krise fördere schließlich schon jetzt vielerorts den Strukturwandel in den Innenstädten. Angesichts der politischen Diskussion um erneute Schließungen im Einzelhandel plädierte Nowak für regionale Entscheidungen: "Angesichts des Bremer Infektionsgeschehens sehe ich derzeit keine Notwendigkeit für Geschäftsschließungen."

Die Bremer Innenstadt wäre nach erneuten Schließungen nicht mehr die, die wir heute kennen.

Karsten Nowak, Einzelhandelsexperte der Bremer Handelskammer

Dieser Bewertung schließt sich Jan König, Geschäftsführer des Handelsverbandes Nordwest, an: "Bei diesen Zahlen sind die Schließungen nicht erforderlich." Auch er erlebt die Sorge der Einzelhändler in Bremen und Niedersachsen, bekommt viele Anrufe angesichts der erneut aufkommenden Forderungen nach Schließungen. "Die Einzelhändler haben Angst, dass ihnen der letzte Strohhalm abhanden kommt", so König. Der letzte Strohhalm, das Weihnachtsgeschäft, sei die umsatzstärkste Zeit im Jahr.

Einkaufsverhalten verändert sich schneller

Sollte es zu erneuten Schließungen des Einzelhandels kommen, rechnet König damit, dass bei einigen Geschäften die Türen auf Dauer geschlossen bleiben. "Natürlich wären die Einzelhändler extrem auf staatliche Hilfen angewiesen." Das Einkaufsverhalten werde sich durch die Pandemie deutlich verändern, der Trend zum Online-Handel sich beschleunigen. "Die stationären Händler müssen zweigleisig fahren", sagt König, "viele werden gezwungen, digital präsent zu sein", was nicht nur negativ sei. Er sieht Potenzial in Angeboten wie Live-Shopping, die stationären und Online-Handel zusammenbringen.

Ob Schließung oder nicht: Entscheidend ist für König eine Einheitlichkeit zwischen Bremen und Niedersachsen. "Für viele ist das sonst nicht nachvollziehbar", sagt er mit Blick auf die Corona-Regeln. Andernfalls sei zu befürchten, dass ähnlich wie im Frühjahr Menschen zum Einkaufen ein- oder auspendeln, wie es bei den Baumärkten der Fall war.

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Video vom 27. November 2020
Viele Menschen vor dem Eingang zur Waterfront.
Bild: Radio Bremen

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Autoren

  • Milan Jaeger
  • Greta Block Redakteurin und Autorin

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Nachrichten, 7. Dezember 2020, 16 Uhr