Meinungsmelder

Was die Bremer zu weltoffenen Menschen macht

Die Menschen im Land Bremen sind vor allem eines: weltoffen. So sehen es zumindest die Radio Bremen Meinungsmelder. Was aber macht diese Weltoffenheit aus?

Statur der Bremer Stadtmusikanten neben dem Rathaus.

Bremer könnten über den Tellerrand blicken. Sie schmorten nicht im eigenen Saft, seien anderen Kulturen gegenüber aufgeschlossen, ließen auch andere Meinungen zu und pflegten Kontakte auf der ganzen Welt: So und so ähnlich lauten die typischen Formulierungen, mit denen Radio Bremen Meinungsmelder die Weltoffenheit der Bremer umschreiben. Keine zweite Eigenschaft haben sie den Einwohnern des Zwei-Städte-Staats so häufig zugeschrieben wie eben Weltoffenheit: 69 Mal.

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Schwache AfD ein Beweis für Weltoffenheit?

Als Indiz für Bremer Weltoffenheit werten viele Meinungsmelder, dass Rechtspopulisten bei den Wahlen im Zwei-Städte-Staat meist schwächer abschnitten als in anderen Bundesländern. So schreibt Holger Asche aus Findorff: "Trotz Bildungsmisere sucht man hier keine Sündenböcke von außen. Die AfD kommt nicht wirklich zum Zuge, die Menschen hier in Bremen blicken weiter."

Das glaubt auch der Bremer Holger Schmidt, der heute in Cornwall lebt: Durch den weltweiten Handel und den daraus resultierenden Verbindungen sei Bremen "weltoffener" als manche andere Teile Deutschlands: "offen für andere Meinungen, Gebräuche, Lebensweisen und Kulturen". Bedauernd fügt er hinzu, dass er in seiner heutigen Heimat "das genaue Gegenteil" bremischer Mentalität erlebe: In Großbritannien betrachte "eine Mehrheit der Bevölkerung und auch die gegenwärtige Regierung "Weltoffenheit" als Gefahr.

Weltoffenheit durch Kontakte mit US-Soldaten

Sehen viele Meinungsmelder in der langen Geschichte der Bremer Häfen und der Hanse die Hauptursachen für Bremens Weltoffenheit, so hat Udo Endrigkeit noch eine zusätzliche Erklärung parat: Wenn er von der Weltoffenheit Bremens redet, denkt er nicht nur an die beiden Städte des kleinsten Bundeslands – sondern auch an die US-Armee.

7 Juli 1955: Ein Soldat der 10. US-Infanterie-Division kommt mit seiner Familie in Bremerhaven an
Ein US-Soldat kommt im Juli 1955 mit seiner Familie in Bremerhaven an – und mit ihm viel liberaler Geist. Bild: Imago | ZUMA/Keystone

Denn Endrigkeit, der heute in Bremen lebt, ist in Bremerhaven aufgewachsen, in der Nachkriegszeit. Amerikanische Soldaten sowie deren Angehörige hätten das Leben in der Seestadt geprägt – und maßgeblich zur Offenheit Bremens beigetragen, findet er.

Besonders gern denkt Endrigkeit an den deutsch-amerikanischen Kindergarten zurück und an die aus Deutschen wie Amerikanern zusammengewürfelten Sportvereine. Bis heute wirke diese Zeit nach. Endrigkeit sieht in der Nachkriegsgeschichte eine Ursache dafür, dass in Bremen "die Feindlichkeit gegenüber Menschen, die nicht in Deutschland aufgewachsen sind, deutlich geringer ausgeprägt ist als in anderen Teilen Deutschlands."

Die Ergebnisse Befragung im Überblick

Autor

  • Alexander Schnackenburg

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 12. September 2019, 19:30 Uhr