Meinungsmelder

Weshalb auch viele Niedersachsen auf Bremens Selbstständigkeit pochen

Bremen soll eigenständig bleiben. Das wünschen sich die meisten Radio Bremen Meinungsmelder. Selbst die, die gar nicht in Bremen wohnen. Das sind ihre Gründe.

Statur der Bremer Stadtmusikanten neben dem Rathaus.

Dass den meisten Binnen-Bremern die Eigenständigkeit des Zwei-Städte-Staats beinahe heilig ist, ist kein Geheimnis. Auch 69 Prozent der Meinungsmelder stimmten dafür.

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Erstaunlich hingegen erscheint, dass auch die Meinungsmelder aus dem Bremer Umland mit überwältigender Mehrheit für die Eigenständigkeit Bremens eingetreten sind: 62 Prozent.

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Jens Prüser sieht sich als "klassischen Buten-Bremer". Seit 26 Jahren arbeitet er in Bremen, wohnt aber im niedersächsischen Hellwege: "Der Wirtschaftsstandort mit der politischen Eigenständigkeit gibt mir als Bauingenieur ein umfassendes berufliches Umfeld", sagt er. Und weil er die Situation sehr schätze, wie sie sei, möchte er, dass alles bleibt wie es ist: Bremen soll ein eigenständiges Bundesland bleiben.

Manfred Köster aus Etelsen setzt noch eins drauf: "Wichtig für das politische System der Bundesrepublik" sei diese Eigenständigkeit des Zwei-Städte-Staats, sagt er. Köster hat viele Jahre in einer Seehafenspedition in Bremen gearbeitet. Sein Werdegang ist für ihn untrennbar mit dem Sonderstatus Bremens als Bundesland verbunden.

Angst vor Fremdbestimmung

"Autark in der Politik, nicht fremdbestimmt", darin liegen aus Sicht Claus Schröters die wesentlichen Vorzüge eben dieser Eigenständigkeit. Damit spricht der Buten-Bremer aus, was offenbar viele Meinungsmelder aus dem Umland denken: Er führt eine gewisse Angst vor Fremdbestimmung ins Feld.

Auch Thomas Schneider aus Oldenburg sieht in der Fremdbestimmung das größte Übel, das Bremen blühen könnte, ginge Deutschlands kleinstes Bundesland in Niedersachsen auf. Er pocht geradezu darauf, dass Bremen eigenständig bleibt: "Ich denke, dass Bremen nur so Bremen bleiben kann". An seinem Wohnort Oldenburg lasse sich ablesen, was mit Großstädten in Flächenländern geschehen könne. So werde Oldenburg von Niedersachsens Landeshauptstadt Hannover kaum beachtet. Dieses Schicksal wünscht er Bremen nicht.

Wie Schneider, so lebt auch der gebürtige Bremer Markus Lund in Niedersachsen: Bremen und Bremer Betriebe erwirtschafteten erhebliche Mittel, die nur deswegen nicht in Bremen blieben, weil viele Menschen zwar im Zwei-Städte-Staaten arbeiteten, aber in Niedersachsen wohnten und dort ihre Steuern entrichteten. Entsprechend irritiert zeigt sich Lund darüber, dass man sich in Bremen selbst "fast nur noch als Notstandsland" betrachte und dabei die eigenen Stärken übersehe.

Das "Wir sind Bremer-Gefühl"

So hätten die verbrieften Freiheitsrechte Bremens Bürger über Jahrhunderte geprägt: "Darauf können die Bremerinnen und Bremer stolz sein", findet Lund. Gäbe Bremen seine Eigenständigkeit auf, ginge das "Wir sind Bremer-Gefühl" verloren, ein Gefühl, das von "gelebter Verantwortlichkeit" und von politischen Gestaltungsmöglichkeiten geprägt sei.

Ganz ähnlich argumentiert Detlef Rakebrand – nur, dass er nicht von einem "Wir sind Bremer-Gefühl" spricht, sondern die Formulierung "Wir sind Bremen" bevorzugt. Auch er glaubt, dass viel vom hanseatischen Selbstverständnis verloren ginge, wäre Bremen kein eigenständiges Bundesland mehr, sondern nur noch eine große Stadt in Niedersachsen.

Rakebrand wünscht sich Niedersachsen und Bremer daher als sich respektierende Nachbarn. Entsprechend klar fällt seine Antwort auf die Frage aus, was die Niedersachsen von der Eigenständigkeit Bremens haben: "Zufriedene Bremer", sagt er.

Die Ergebnisse der Befragung im Überblick

  • Alexander Schnackenburg

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 12. September 2019, 19:30 Uhr