Mutmaßlicher Brandstifter aus Bremerhaven schweigt vor Gericht

  • Zum Prozessauftakt am Freitag schwieg der 22-jährige Bremerhavener
  • Die Staatsanwaltschaft wirft ihm elf Taten vor
  • Am Donnerstag war bekannt geworden, dass der Verdächtige Feuerwehrmann war
Zwei Hände, die mit Handschellen gefesselt sind und eine Akte halten, um das Gesicht zu verdecken.

In Handschellen wurde der 22-jährige Bremerhavener, dem schwere Brandstiftung vorgeworfen wird, am Freitagmorgen in den Gerichtssaal geführt. Elf Taten soll der Mann zwischen April 2018 und Mai 2019 begangen haben. In einem Fall blieb es bei versuchter Brandstiftung. Am Donnerstag war bekannt geworden, dass er Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr Bremerhaven gewesen ist.

Zu den Taten äußern wollte sich der Angeklagte zum Prozessauftakt im Landgericht Bremen nicht. Da mehrere Prozessbeteiligte, unter anderem der zuständige Sachverständige, fehlten, wurde lediglich die Anklage verlesen. Nach 20 Minuten war der Termin bereits beendet.

Dramatische Rettungsaktion sorgte für Aufsehen

In fünf der elf Fälle soll der Angeklagte in oder neben bewohnten Gebäuden Feuer gelegt haben. Ansonsten soll er Gartenhäuser, eine Gartenlaube, einen Wohnwagen und auch einen Carport angezündet haben. In allen Fällen brannte es im Stadtteil Lehe, wo der Angeklagte auch lebte, bevor er in Untersuchungshaft genommen wurde.

Verletzte gab es nur in einem Fall: Im vergangenen Februar soll der 22-Jährige im Flur eines Mehrfamilienhauses einen Kinderwagen und eine Mülltonne angezündet haben. Als die Feuerwehr eintraf, hatte das Feuer bereits auf die Wände übergegriffen. Mehrere Menschen erlitten Rauchgasvergiftungen. Für Aufsehen hatte hier die spektakuläre Rettungsaktion gesorgt. Eine Mutter war damals mit ihren sechs Monate und drei Jahre alten Kindern im ersten Stock des Mehrfamilienhauses von den Flammen eingeschlossen. In Panik warf sie ihre Kinder aus dem Fenster in die Arme von Passanten. Sie selbst konnte sich mit einem Sprung auf ein Sprungpolster befreien. Alle drei kamen in eine Klinik.

Fälle hätten schlimmer ausgehen können

Auch die versuchte Brandstiftung hätte übel ausgehen können: Im April dieses Jahres soll der Angeklagte eine Toilettenpapier-Rolle angezündet haben und diese in einen Briefkasten geworfen haben, der direkt in ein Wohnhaus führte. Nur weil eine Bewohnerin den Brand bemerkte und rechtzeitig löschen konnte, sei nicht mehr passiert, führte die Staatsanwaltschaft am Freitag aus. Und auch ein Brand in einem vermeidlich leer stehenden Haus einen Monat später hätte schlimm enden können: Laut Staatsanwaltschaft schlafen hier regelmäßig Obdachlose.

Die Beweislage sei recht unterschiedlich, sagte die Vorsitzende Richterin am Freitag. Deshalb werde jeder Fall einzeln geprüft. Aber auch beim nächsten Termin ist der Sachverständige laut Richterin verhindert. Deshalb sollen dann nur die Ermittlungsakten der Polizei verlesen werden. Insgesamt sind acht weitere Verhandlungstage angesetzt, der letzte Termin ist im Februar.

Feuerwehr ist fassungslos

Nach Angaben der Feuerwehr Bremerhaven war der 22-Jährige seit einigen Jahren im aktiven Dienst der Feuerwehr Bremerhaven tätig. Er war einer von rund 90 freiwilligen Feuerwehrleuten, die bei der Feuerwehr Bremerhaven arbeiten, etwa 260 sind fest angestellt.  

Bisher verrichtete der Mann ohne Auffälligkeiten und mit viel Engagement seinen Dienst für die Allgemeinheit.

Stefan Zimdars, Sprecher der Feuerwehr Bremerhaven

Der Angeklagte sei nach Bekanntwerden der Vorwürfe Mitte des Jahres aus dem Dienst der Feuerwehr entlassen worden. "Die Nachricht, dass ein Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr Bremerhaven im Tatverdacht steht, für mehrere Brandstiftungen in Bremerhaven verantwortlich zu sein, macht uns als Feuerwehr fassungslos", sagte der Leiter der Feuerwehr, Jens Cordes.

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Autorin

  • Sonja Harbers

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 22. November 2019, 19.30 Uhr