"Ich bin gespannt": Wie ist Prostitution in Bremen wieder möglich?

Prostituierte wartet auf Kunden
Ab Montag dürfen Prostitutionsstätten in Bremen wieder öffnen. Bild: DPA | Arne Dedert

Ab heute dürfen Sexarbeiterinnen und Sexarbeiter im Land Bremen wieder ihre Dienste anbieten. Voraussetzung ist ein Hygienekonzept. Unklar ist noch, wie das aussehen soll.

Für Prostituierte war das vergangene Jahr nicht leicht. Nachdem sie ihren Beruf im September und Oktober wieder kurz nachgehen durften, war Prostitution Anfang November coronabedingt erneut untersagt worden. Nun soll es wieder losgehen.

"Nitribitt begrüßt natürlich die Entscheidung, dass Prostitutionsstätten wieder öffnen können", sagt Sagitta Paul, Mitarbeiterin vom Verein Nitribitt, der sich für die Interessen von Prostituierten in Bremen einsetzt.

Voraussetzung für die Öffnung sind ein Hygienekonzept sowie die Erfassung der Kundenkontaktdaten. Diese soll dazu dienen, eventuelle Coronafälle nachzuverfolgen und kann laut Verordnungsentwurf sowohl digital als auch auf Papier erfolgen. Wie man es bereits von der Gastronomie kennt, müssen die Kontaktdaten zumindest den Namen und die Telefonnummer oder E-Mail-Adresse der Person enthalten.

Keine konkreten Details für Hygienekonzept

Doch wie sieht es mit dem Hygienekonzept aus? Der Mindestabstand wird zwischen Kunden und Sexarbeiterinnen schwer einzuhalten sein. Und muss ein Mundnasenschutz kontinuierlich getragen werden? Dazu sagt das Gesundheitsressort:

Wir machen hierbei keine konkreten Vorgaben, das geht auch im Detail nicht. Grundsätzlich gilt, dass es ein Hygienekonzept braucht und die Kontaktnachverfolgung sichergestellt wird.

Lukas Fuhrmann im Interview
Lukas Fuhrmann, Sprecher der Gesundheitsbehörde

Grundsätzlich dürfen also die Prostituierten oder die Betreiber von Prostitutionsstätten die Einzelheiten selbst entscheiden. "Es müssen natürlich Maßnahmen sein, die geeignet sind, Infektionen zu verhindern und Kontakte nachzuverfolgen", fügt Gesundheitsressort-Sprecher Lukas Fuhrmann hinzu. Eine Genehmigung des Hygienekonzepts sei aber nicht notwendig.

Verein plädiert für Einhaltung von Hygienemaßnahmen

Der Verein Nitribitt hatte bereits im Vorfeld dafür plädiert, dass Sexarbeiterinnen in gemeinsamer Absprache mit den Kunden Schutzmaßnahmen und Ablauf der Dienstleistung festlegen könnten. Der Verein rät Sexarbeitenden und Kunden generell dazu, "alle Maßnahmen zu ergreifen, um das Risiko so niedrig wie möglich zu halten" und verweist auf die Informationen des Berufsverbandes erotische und sexuelle Dienstleistungen (Besd).

Im Rahmen des jeweiligen Eigeninteresses beziehungsweise des Gesundheitsschutzes, wäre es sicherlich zu begrüßen, wenn sowohl die Sexarbeitenden als auch die Kunden Maßnahmen ergreifen, die geeignet sind, ein Infektionsrisiko so gering wie möglich zu halten.

Sagitta Paul, Nitribitt

Der Verband empfiehlt beispielsweise auf seiner Webseite das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes bei gesichtsnahen Dienstleistungen und nicht mehr als einen Kunden oder Kundin gleichzeitig zu betreuen. Auch sollten Sexarbeiterinnen demnach zwei Tests pro Woche machen, Kunden sollten ebenfalls ein negativer Testergebnis vorzeigen oder vor Ort durchführen. All das ist aber nur eine Empfehlung.

Kunde: "Ich bin gespannt"

Wie werden sich die Hygieneregeln auf das Geschäft auswirken? Und werden sie eingehalten? Mark C.*, Kunde, hat große Zweifel daran: "Ich schätze, dass 90 Prozent es so praktizieren werden wie vor Corona." Dabei sieht er die Verantwortung eher bei den Kunden, die teilweise nicht an Hygiene und die Gesundheit der Prostituierten denken würden. Er sei gespannt darauf, wie sein bevorstehender Termin unter Coronabedingungen aussehen wird.

"Ich finde es gut, dass es wieder möglich ist", sagt er. Bekannte aus Osteuropa, die in der Prostitutionswelt arbeiten, hätten im vergangenen Jahr große finanzielle Schwierigkeiten gehabt, man habe sie quasi alleine gelassen, sagt er. Und einige Prostituierte hätten trotzdem weitergearbeitet.

Rückblick: Wie ist Prostitution unter Corona-Auflagen möglich?

Video vom 11. September 2020
Auf einem Schild sind zwei rote Herzen ineinander verschlungen.
Bild: Radio Bremen
Bild: Radio Bremen

*Name von der Redaktion geändert

ARD Radiofeature: Licht aus im Bordell – Ein Feature über die Zukunft der Prostitution in Deutschland

Audio vom 28. Mai 2021
Eine Prostituierte wartet auf ihrem Zimmer in einem Bordell auf Kundschaft.
Bild: DPA | Andreas Arnold
Bild: DPA | Andreas Arnold

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Autorin

  • Serena Bilanceri

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Tag, 21. Juni 2021, 23:30 Uhr