Pleitehochburg Bremen: Hier gibt es die meisten Privatinsolvenzen

Video vom 1. Juni 2021
Ein Stift liegt auf einem Antragsformular.
Bild: DPA | Fotostand / K. Schmitt
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  • Wirtschaftsauskunftei Crifbürgel: Deutlich mehr Privatpleiten im Land Bremen
  • Steigerung um rund 75 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum
  • Auswertung zeigt Entwicklung im ersten Quartal 2021 auf

Die Zahl der Privatpleiten in Bremen und Niedersachsen ist im ersten Quartal 2021 wie in fast allen Bundesländern sprunghaft gestiegen. In Bremen gab es Zahlen der Wirtschaftsauskunftei Crifbürgel zufolge mit 76 die meisten Privatinsolvenzen je 100.000 Einwohnern. Damit führt das kleinste Bundesland das Länder-Ranking an. Der Bundesschnitt lag bei 38 Privatpleiten je 100.000 Einwohner. Auch Niedersachsen rangiert mit 52 Privatinsolvenzen je 100.000 Einwohnern über dem Schnitt.

Bundesweit gab es im ersten Quartal des laufenden Jahres 31.821 Privatinsolvenzen. Das waren 56,5 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Nach zehn Jahren sinkender Zahlen erwartet Crifbürgel im Gesamtjahr 2021 in etwa eine Verdoppelung der Privatpleiten auf bis zu 110.000 Fälle.

520 Privatpleiten in Bremen im ersten Quartal 2021

Die Zahl der Privatinsolvenzen ist in Bremen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum massiv angestiegen. Gab es im ersten Quartal 2020 noch 298 Pleiten, waren es in den ersten drei Monaten dieses Jahres 520. Das ist ein Plus von 74,5 Prozent. Ebenfalls stark – wenn auch nicht so massiv – ist diese Zahl in Niedersachsen angestiegen. So weisen die Daten für Niedersachsen im ersten Quartal 2021 4.146 Privatinsolvenzen aus. Das macht im Vergleich zum Vorjahreszeitraum (2.914) ein Plus von 42,3 Prozent).

Den Anstieg vielerorts zu Jahresbeginn führt Crifbürgel-Geschäftsführer Frank Schlein vor allem darauf zurück, dass viele Betroffene eine Gesetzesreform abgewartet hätten. Verbraucher können inzwischen einfacher nach drei statt wie bisher nach sechs Jahren von ihren Restschulden befreit werden. Die Verkürzung gilt rückwirkend auch für Insolvenzverfahren, die ab dem 1. Oktober 2020 beantragt wurden. "Da diese Reform ein großer Vorteil ist, haben viele Antragssteller auf den entsprechenden Beschluss des Bundestages gewartet", erläuterte Schlein.

Ab zweitem Quartal wegen Corona mehr Insolvenzen erwartet

Nach Einschätzung der Wirtschaftsauskunftei wird die unmittelbar von der Corona-Pandemie verursachte Insolvenzwelle wohl ab dem zweiten Halbjahr 2021 einsetzen und bis in das Jahr 2022 hineinreichen. Die wirtschaftlichen Folgen seien nicht nur für Beschäftigte im Niedriglohnbereich existenzbedrohend, sondern auch im mittleren Einkommensbereich zum Beispiel durch Kurzarbeit deutlich spürbar.

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Nachrichten, 1. Juni 2021, 13 Uhr