Bremer Schüler löchern Bundestagskandidaten

Einen Partner fürs Leben sollten die Schüler heute nicht finden: Beim Speeddating mit Politikern in der Bremischen Bürgerschaft. Aber sie hatten Gelegenheit, elf Direktkandidaten für Bremen und Bremerhaven jeweils vier Minuten lang mit ihren Fragen zu löchern.

SPD-Direktkandidat Uwe Schmidt
Ruben Hoika und Jonas Hollmann wollen von SPD-Kandidat Uwe Schmidt wissen, wie er verhindern will, dass in Deutschland produzierte Waffen in falsche Hände geraten.

Normalerweise beginnt und beendet Bürgerschaftspräsident Weber mit einer Glocke die Sitzungen des Parlaments. Heute wirkt der Glockenschlag eher wie der Aufruf zu einem Boxkampf. Die Schüler – einige nur zu zweit, andere in Grüppchen – stürzen auf die weißen Stehtische zu. Da warten schon die Direktkandidaten der Parteien und die müssen sich viele Fragen gefallen lassen:

"Sie wollen ja das Kindergeld 2.0 einbringen, was für Unterschiede gibt es?"

"Wie wollen Sie die Nichtwähler mobilisieren, zur Wahl zu gehen?"

"In Deutschland darf man sich so anziehen wie man will, aber warum ist die AfD dann strikt gegen die Burka?"

Die Schüler sind sehr gut vorbereitet und haben oft einen dicken Fragenkatalog an die Kandidaten dabei.
Die Schüler hatten einen dicken Fragenkatalog für die Kandidaten vorbereitet.

Viele Schüler tragen einen Schreibblock mit sich herum. Darauf sind die Fragen aufgelistet – geordnet nach Parteien. Lencke Steiner von der FDP haut das total von den Socken: „Krass, die sind alle total gut vorbereitet. Also ich war nicht so. Also die Politik ist vielleicht wieder im Kommen, find ich gut, bei den jungen Leuten.“

Wenig Zeit für komplexe Fragen

Nur vier Minuten dauert eine Fragerunde, dann ziehen die Schüler zum nächsten Tisch und damit zu einer anderen Kandidatin oder einem anderen Kandidaten. Politische Inhalte in so kurzer Zeit an die Jugendlichen zu kriegen ist schwierig. Nelson Jansen von der Linken hat sich dafür eine Strategie ausgedacht: „Ich spreche heute extra schnell. So wenig Zeit. Vier Minuten ermöglicht jedenfalls keine tiefer gehende Diskussion. Aber es regt zum Nachdenken an und wir sind danach ja auch noch ansprechbar.“

Oskar Horschik und Elias Schwieper wollen vom AfD-Kandaten Alexis Tassis erklärt haben, ob seine Partei rechtsradikal ist.
Die Schüler Oskar Horschik und Elias Schwieper wollen vom AfD-Kandidaten Alexis Tassis erklärt bekommen, ob seine Partei rechtsradikal ist.

Kaum ist eine Frage beantwortet, fordert der Linken-Politiker schon die nächste. Ukraine-Konflikt, die Beziehungen zu Russland, Mindestlohn und Armutsbekämpfung referiert er so im Schweinsgalopp. Am Tisch mit AfD-Kandidat Frank Magnitz bleiben die Schüler dagegen oft am Thema Burka kleben.

Bundestagskandidaten auf Augenhöhe

Die Kandidaten geben sich etwas kumpelhafter als sonst. Sie versuchen die Sprache der Jugendlichen zu treffen. Uwe Schmidt von der SPD sagt zur Cannabis-Legalisierung ganz klar ja. Beim nächsten Thema redet er dann aber vom Bundesinvestitionsleistungsgesetz – das zaubert sofort Verzweiflungsfalten auf die Stirnen der Schülerinnen vor ihm.

Kassandra Klein von der KSA in der Vahr finden das Speeddating trotz der Wortungetüme gut. „Die Parteien haben unterschiedliche Konzepte und dann kann man sich zuordnen, was man am meisten verändern möchte und dann kann man sich zur jeweiligen Partei zuordnen“, so die Schülerin. Ihre Klassenkameradin Johanna Abes zieht ebenfalls ein positives Fazit: „Man ist eigentlich allen näher gekommen, weil man die auch private Fragen fragen konnte und da hat man dann auch einen Einblick in deren Leben bekommen. Deswegen fand ich das heute gut.“

  • Ramona Schlee

Dieses Thema im Programm: Bremen Vier, 13. September 2017, 18:10 Uhr