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Vor Arktisexpedition: So erleben Bremerhavener Forscher die Quarantäne

Fernab der Zivilisation driftet die "Polarstern" durch die Arktis – und ist doch von Corona betroffen. Die Crew-Ablösung wartet isoliert in Bremerhaven auf den Aufbruch ins Eis.

Zwei Personen stehen mit Schlitten im ewigen Eis.
Aus der Quarantäne in Bremerhaven geht es für die nächste "Mosaic"-Crew ins Eis der Arktis. Bild: Alfred-Wegener-Institut | Michael Gutsche

Bei dem internationalen Forschungsvorhaben "Mosaic" lassen sich Wissenschaftler unter der Leitung des Bremerhavener Alfred-Wegener-Instituts (AWI) für die Klimaforschung ein Jahr lang durchs Polarmeer treiben. Es ist die größte Arktis-Expedition aller Zeiten. Regelmäßig soll die Crew ausgewechselt werden, doch aufgrund von Flugeinschränkungen durch die Corona-Krise sitzt das Personal im hohen Norden fest. Die Ablösung sollte bereits im April an Bord kommen, steckt jedoch noch in Quarantäne, um die Expedition nicht zu gefährden.

Ein Mann steht auf der Brücke des Forschungsschiffes "Polarstern".
Markus Rex, Leiter der "Mosaic"-Expedition auf der Polarstern, war bereits zu Beginn der Expedition ab dem vergangenen September an Bord des Forschungseisbrechers in der Arktis. Bild: Radio Bremen | Sonja Klanke
Wie geht die "Mosaic"-Expedition mit der Corona-Krise um?
Die größte Sorge ist, dass Forscher das Coronavirus mit an Bord bringen. Das hätte in der Arktis schlimme Folgen. "Wir haben zwar eine Isolierstation auf der 'Polarstern'", sagt Expeditionsleiter Markus Rex. "Trotzdem wissen wir, dass sich die Ausbreitung einer Krankheit auf einem Schiff nur sehr schwer unterbinden lässt." Damit das nicht passiert, sind mehr als 100 Teilnehmer der nächsten Expeditions-Phase in Quarantäne. Dafür wurden sie für zwei Wochen in zwei Bremerhavener Hotels untergebracht und isoliert. Die Maßnahme sei an Regelungen für Weltraummissionen angelehnt, so Rex. Am Montag startet die Crew dann mit den Forschungsschiffen "Sonne" und "Maria S. Merian" von Bremerhaven aus in die Arktis, denn Fliegen ist momentan schwierig.
Wie geht es den Forschern in der zweiwöchigen Isolierung?
Sie müssen noch einiges für die Expedition vorbereiten, arbeiten viel am Laptop und tauschen sich in Videokonferenzen aus. Manche nutzen die Zeit, um sich emotional auf die anstehende Herausforderung vorzubereiten. Ansonsten sind die Wissenschaftler kreativ, machen zum Beispiel gemeinsam Sport, obwohl sie sich nicht sehen können. Per WhatsApp-Gruppe teilen sie Übungen aus ihren Zimmern, um sich fit zu halten. "Ich kriege 20 Schritte hin, von einem Ende ums Bett herum, zum anderen", sagt Kirstin Schulz vom AWI. Laut Schrittzähler kam sie so an einem Tag auf zwei Kilometer. Außerdem telefonieren die Forscher viel mit Freunden und der Familie. Höhepunkt des Tages war bis vor kurzem das Essen, das mehrmals täglich vor die Tür gestellt wurde. "Man hat ja nicht allzu viel Neues zu erzählen, deswegen ist das Essen ein Highlight", so Schulz. Nach einer Woche dürfen die Wissenschaftler jetzt zumindest wieder vor die Zimmertüren, also in den Speisesaal oder auf die Terrasse des Hotels – natürlich mit ausreichend Abstand.
Die Polarstern liegt in der Arktis.
Die "Polarstern" wird ihre Drift unterbrechen und der neuen Crew auf dem Weg in die Arktis entgegenfahren. Bild: Alfred-Wegener-Institut | Esther Horvath
Wie können die Teilnehmer sicher sein, coronafrei in die Arktis zu reisen?
Das Team wird ständig getestet und von einem Arzt überwacht. Außerdem sind mehr Forscher in Quarantäne als eigentlich benötigt werden. Sollte es also doch noch einen Corona-Fall oder andere Erkrankungen geben, stehen trotzdem genügend Wissenschaftler zur Verfügung. Auch der Transport zu den Schiffen ist so organisiert, dass niemand Gefahr läuft, sich anzustecken. "Wir werden ein virenfreies Team sein ohne Kontaktbeschränkungen", sagt Expeditionsleiter Rex. "Wir können Partys feiern, wie das in dieser Form zu Hause noch nicht möglich ist. Da freuen wir uns drauf." Damit haben sie den in Bremerhaven Verbliebenen dann etwas voraus.

So beeinflusst Corona das Klima – und Klimaforscher

Video vom 28. März 2020
Die Leiterin des AWIs Antje Boetius im Studio von buten un binnen.
Bild: Radio Bremen

Autoren

  • Joschka Schmitt Redakteur und Autor
  • Sonja Harbers Autorin

Dieses Thema im Programm: Bremen Vier, Läuft, 11. Mai 2020, 14:15 Uhr

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